Karlsruhe
Karlsruher Fächer

Brisant
Betrachtet man nur die schlichte Größe des Bauwerks, dann ergeben sich wenig Anhaltspunkte, wie da etwas hätte verhindert werden können. Die Baugrenzen sind eingehalten, die Architektur ist interessant, an der Zusammenarbeit mit den Behörden gab es nichts zu mäkeln. In Karlsruhe plant die islamische Glaubensgemeinschaft DITIB schon seit Jahren den Bau einer repräsentativen Moschee, und schon genauso lange wird versucht, dieses Unterfangen zu verhindern. DITIB gilt als religiöser Arm des Systems Erdogan, und warum die Politik des türkischen Präsidenten hierzulande wenig gelitten ist, wird in diesen Tagen mal wieder allzu deutlich.
Doch man kann zu DITIB stehen, wie man will, wenn auf eigenem Gelände und mit eigenem Geld ein offensichtlich den Bauvorschriften entsprechendes Gebäude gebaut werden soll, dann lässt sich rechtlich nicht viel machen. Dass die Stadt just in dieser Woche den Bauantrag zum Neubau der Moschee genehmigte, ist natürlich ein unglücklicher Zeitpunkt. Zwar wird an der Moschee noch nichts gebaut, rein rechtlich kann es aber bald losgehen. So ist durchaus zu erwarten, dass in den kommenden Monaten – und damit während des OB-Wahlkampfs – das Thema Moscheebau hochkochen wird. Der Disput brodelt schließlich schon seit Jahren, wobei es in der Diskussion oftmals keine Rolle spielt, dass sich die Stadt schlicht und einfach an Recht und Gesetz zu halten hat. Mentrup wird sich wohl damit trösten müssen, dass aus Kreisen der fundamentalen Moschee-Gegner für ihn ohnehin kaum Stimmen zu erwarten sind.
Sitzprobe
Der Bürger hat die Wahl – und das kommt bei uns nicht allzu oft vor, somit ist es bemerkenswert. In Karlsruhe dürfen sich die Bürger derzeit also einmischen und kundtun, welche Art Sitzbänke dereinst auf dem Marktplatz stehen sollten. Es ist eine Abstimmung mit dem Gesäß, Probesitzen ist auf dem Marktplatz angesagt. Drei grundsätzliche Modelle stehen zur Auswahl: eines ganz ohne Lehnen, eines mit Rückenlehne und schließlich noch eines mit zusätzlicher Armstütze. Will man den Auguren glauben, dann bevorzugt Volkes Wille eindeutig Rückenlehnen, nur bei den Armlehnen gehen die Meinungen auseinander. Natürlich gibt es aber auch wieder jede Menge Kritiker, die die Modelle grundsätzlich blöd finden. Lebendige Demokratie eben.
Viel los
Apropos Wahl. Stadtfest, Tag der offenen Baustelle und vor allem die Neuwahl des KSC-Präsidenten. Wer sich am Wochenende in Karlsruhe langweilt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. Vor allem die Wahlen beim KSC versprechen Spannung. Da wurden schon im Vorfeld so viele Seitenhiebe verteilt, dass es mancher Soap-Opera im Fernsehen zur Ehre
gereicht hätte. Gerüchte werden gestreut, Bemerkungen fallengelassen – fast wie in der richtigen Politik. Spannend ist das aber. Geht in Sachen Stadionneubau der Konfrontationskurs mit dem Rathaus weiter oder kehrt (endlich) etwas mehr Ruhe und Gelassenheit ein? Egal wer verliert: Beim Stadtfest wird es genügend Getränkestände geben, um wenigstens den dringendsten Durst zu löschen.