Karlsruhe
Karlsruhe: Fachkräftemangel in der Region

Der Fachkräftemangel in der Region Karlsruhe dürfte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Wie die Industrie- und Handelskammer zum gestrigen Start des Ausbildungsjahres mitteilte, ging die Zahl der Ausbildungsverträge um 66 auf 3676 zurück (minus 1,8 Prozent), gleichzeitig stieg die Zahl der noch offenen Lehrstellen deutlich an und lag mit 550 mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.
Inzwischen sind es bereits 67 Ausbildungsberufe, in denen noch offene Lehrstellen gemeldet wurden, im Vorjahr waren lediglich 50, im Jahr 2017 sogar nur 30 unterschiedliche Ausbildungsberufe betroffen. Allerdings dürfte sich die Lage bis zum Jahresende noch etwas entspannen.
„Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass viele Ausbildungsverträge nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn abgeschlossen und bei der IHK Karlsruhe eingetragen werden“, sagte IHK-Vizepräsident Roland Fitterer bei der Präsentation der aktuellen Zahlen. Im vergangenen Jahr wurden zwischen Ausbildungsbeginn und Jahresende demnach mehr als 450 neue Verträge bei der IHK eingetragen. Fitterer sprach deshalb von einer ersten Zwischenbilanz, aussagekräftige Zahlen gebe es erst am Jahresende.
Mehr Flüchtlinge in Ausbildung
Dessen ungeachtet zeigt sich, dass immer mehr Branchen Probleme haben, Auszubildende zu finden. Stark rückläufig sind die Zahlen in anderen kaufmännischen Berufen, während im gewerblich-technischen Bereich die Zahlen nach oben gehen. Ein Grund hierfür seien unter anderem die Auswirkungen der Digitalisierung, die vor allem im kaufmännischen Bereich zum Einsatz kommt. Zugenommen hat die Zahl der Flüchtlinge, die mit einer Ausbildung begonnen haben. Im neuen Ausbildungsjahr sind es bisher 91 Menschen aus Flüchtlingsländern, alle Lehrjahre zusammengenommen sind es sogar schon 242 Geflüchtete.
Zunehmend Erfolg hat die IHK auch mit dem Programm Job(Re)Start, das sich an Studierende richtet, die sich neu orientieren wollen. Zwischen acht und neun Prozent der Ausbildungsverträge werden inzwischen von Studienabbrechern unterschrieben. „Wir sind eine boomende Region und brauchen mehr Mitarbeiter“, sagt Fitterer. Deshalb müssten die Anstrengungen der Firmen und der IHK laut Fitterer weiter gesteigert werden. Ab diesem Jahr unterstützt die IHK deshalb auch das Projekt „Schnupperpraktikum zur Berufsentdeckung am Oberrhein“, mit dem französischen Schülern der Zugang zum grenzüberschreitenden Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erleichtert werden soll. Ein großes Problem sei jedoch das bisher fast komplett fehlende Angebot im grenzüberschreitenden öffentlichen Nahverkehr. Hier müsse sich endlich was tun.
Bildungsoffensive zeigt Erfolg
Erfolgreichstes Projekt im Kampf gegen den Fachkräftemangel dürfte aber die Bildungsoffensive „Wirtschaft macht Schule“ sein, die seit elf Jahren läuft. Inzwischen konnten rund 800 Bildungspartnerschaften zwischen den etwa 440 kooperierenden Unternehmen und rund 170 Schulen vermittelt werden. Auch grenzüberschreitend gebe es inzwischen neun Bildungspartnerschaften, die zehnte soll noch diesen Monat hinzukommen. Tage der Berufsorientierung an Schulen, Lehrerfortbildungen, Elternabende sowie Azubi-Speed-Datings kommen dazu. Außerdem werden die IHK und die Handwerkskammer Karlsruhe auch am 18. Januar kommenden Jahres die „Einstieg Beruf“, die größte Ausbildungsmesse der Region, durchführen.
Die Digitalisierung wird übrigens auch in der IHK selbst immer stärker ausgebaut. Das neue Online-Portal, das noch in diesem Jahr Ausbildungsbetrieben, Ausbildern, Prüfern und Auszubildenden sowie Fortbildungsprüflingen zur Verfügung stehen soll, werde die Arbeit erleichtern. Unter anderem sollen Auszubildende künftig ihre Berichtshefte digital führen können, Ausbildungsverträge können dann online eingereicht und verwaltet werden und auch die Prüfungsanmeldung sowie die Übermittlung der Prüfungsergebnisse soll schon bald papierlos funktionieren. IHK-Hauptgeschäftsführer Guido Glania sieht in diesem Bereich aber noch reichlich Informationsbedarf bei den Betrieben.