Karlsruhe
Karlsruhe: Ein Faible für historische Kinderbücher
Michael Leopold hat viele Passionen. Er gibt Goldwäscherkurse in den Rheinauen und am Dobelbach in Bad Herrenalb, leitet Seminare für instinktives Bogeschießen und ist als Freiberuflicher in Sachen Unternehmensberatung für Institutionen wie die PH Karlsruhe, die Duale Hochschule, die Hochschule für Technik oder die IHK Karlsruhe tätig.
Eine weitere Leidenschaft des Durlachers sind Spiele- und Ausschneidebögen sowie so genannte Aufklappbücher (Pop-Up-Bücher) und alte Bilderbücher, die er seit Anfang der 1970er Jahre sammelt. Dabei handelt es sich um illustrierte Bücher für Kinder, die insbesondere um die Zeit von 1880 bis 1920 en vogue waren. Wenn man die Bücher aufschlägt, bekommt man dreidimensionale Szenen zu sehen, welche die Kinder des damaligen Bürgertums in ferne Welten versetzte. Oft waren es Szenen aus dem Zoo, exotische Tiere, von Buffalo Bill und der Western-Begeisterung oder aus dem Orient. Per Hand konnte man die Pappfiguren bei so genannten Ziehbilder-Büchern auch bewegen.
Leopold ist nicht aufs Teure aus – Spaß machen soll es
„Da spielt sicherlich auch ein Hauch Nostalgie mit. Aber letztlich hat mich Papier immer fasziniert. Man kann es anfassen. Ich liebe das Haptische“, berichtet der Familienvater, der in der Durlacher Altstadt lebt. Rund 200 Aufklapp- und Ziehbilder-Bücher sowie etwa 300 Spiele- und Ausschneidebögen besitzt er.
Dabei geht es dem 61-Jährigen aus dem Karlsruher Stadtteil Durlach nicht darum, teure Schätze zu horten. Auch Replika, die heute noch von einigen wenigen Verlagen herausgegeben werden, sind ihm lieb und teuer. Dazu passt, dass Leopold früher oft mit der Drehorgel unterwegs war. Über das Jahr hinweg, war er oft ein gutes Dutzendmal auf Märkten, Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern, um eine Atmosphäre von anno dazumal zu verbreiten. Auch auf Flohmärkten war er unterwegs, um nach dem einen oder anderen Schätzchen zu fahnden oder er verkaufte dort selbst Aufklappbücher wie „die Häschenschule“ oder „Wurzelkinder“ an Sammler und Freunde historischer Kinderbücher in seinem Hinterhof.
Dabei lebt der Durlacher durchaus im Hier und Heute, trotz seiner Liebe für Spielzeug aus dem 19. und 20. Jahrhundert. „Heutzutage habe ich das zurückgefahren. Wir haben ja zwei Kinder, denen wir unsere Zeit widmen. Aber die spielen ja auch ganz gerne mit dem Spielzeug von früher oder schauen sich die Aufklappbücher an“, wie er schmunzelnd anmerkt.