Karlsruhe Karlsruhe: Ditib stellt Moscheepläne vor

Die bestehende Karlsruher Moschee bei einer Führung. Der Bau soll einem Neubau weichen.
Die bestehende Karlsruher Moschee bei einer Führung. Der Bau soll einem Neubau weichen.

Nichts ist normal, wenn in diesen Zeiten in Deutschland eine Moschee gebaut werden soll. Auch nicht in der Karlsruher Oststadt, wo die türkisch-islamische Ditib-Gemeinde ein ehemaliges Fabrikgebäude, das sie seit über 20 Jahren als Moschee und Gemeindezentrum nutzt, durch einen repräsentativen Neubau ersetzen will.

Bei der Vorstellung des Projekts im Rahmen einer öffentlichen Info-Veranstaltung waren Islamkritiker aus weitem Umkreis angereist, um gegen das Projekt Stimmung zu machen. Links ein Babycenter, rechts ein Supermarkt für Biolebensmittel, gegenüber der Parkplatz eines Baumarkts. Es ist ein wenig einladender Ort, wo derzeit die „Karlsruher Ditib-Zentralmoschee“ untergebracht ist, die Treffpunkt für über 70 Prozent aller Karlsruher Muslime sei und nicht nur der, der Ditib-Gemeinde.

Anderer Standort geplant

Eigentlich war geplant, den Neubau an einer anderen Stelle zu platzieren. „Vor knapp fünf Jahren haben alle Fraktionen im Gemeinderat, einschließlich der CDU-Fraktion, Ditib aufgefordert, nicht irgendetwas in einem Gewerbegebiet zu bauen, sondern sich einen angemessenen Ort für die Moschee zu suchen“, erinnert Baubürgermeister Michael Obert an die Vorgeschichte. Der Gemeinderat beauftragte daraufhin die Verwaltung, ein Grundstück in der Nähe des Mühlburger Bahnhofs zu prüfen. „Nichts anderes haben wir dann getan.“ Dass die Karlsruher CDU um den Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther im Sommer 2016 gegen genau diesen Standort Sturm dann plötzlich lief, sei schwer nachvollziehbar. So soll es nun also doch auf einen Neubau im Gewerbegebiet hinaus laufen. „Auf unserem eigenen Gelände“, wie die Islamwissenschaftlerin Derya Sahan bei der Vorstellung der Pläne klar stellt. Rund 250 Menschen füllen den Veranstaltungssaal der Ditib-Gemeinde bis auf den letzten Platz, weitere 100 lauschen in den angrenzenden Räumlichkeiten der Diskussion. Eingeladen hatte der Bürgerverein Oststadt, dessen Vorsitzender Jürgen Scherle als Veranstalter fungiert.

Lautstarker Unmut

Dass es hitzig werden könnte an diesem Abend war klar, zumal die islamkritische Gruppierung „Pax Europa“ schon im Vorfeld Flugblätter mit „Musterfragen“ verteilt hatte. Diese Aktion scheint Wirkung gezeigt zu haben, denn mehrere Anhänger der sich selbst als „Menschenrechtsorganisation“ bezeichnenden „Bürgerbewegung“ haben sich unter die Anwesenden gemischt, äußern immer wieder lautstark Unmut und melden sich später mit den vorformulierten Fragen zu Wort. Aus baurechtlicher Sicht gebe es nichts einzuwenden, stellt Obert klar, auch das geplante Minarett sei zulässig, da es in der Umgebung ähnlich hohe Gebäudepunkte gebe. Vor allem gegen dieses Minarett, das übrigens eine rein optische Funktion haben soll, gibt es Bedenken unter den Anwesenden. Man empfinde so etwas als bedrohlich und zweifle, ob es wirklich nötig sei. Dann könne man auch fragen, ob jede Kirche einen Kirchturm braucht, kontert Scherle – und handelt sich Beleidigungen ein. Die evangelische Pfarrerin Ulrike Krumm, die mit auf dem Podium sitzt, mahnt nicht nur deshalb zu Besonnenheit und wirbt um einen offenen Dialog.

Vertrauensvolle Erfahrungen mit Moslems

Ihre eigenen Erfahrungen mit den Moslems in Karlsruhe seien von Vertrauen geprägt. Viele muslimischen Familien würden ihre Kinder auch bewusst in die christlichen Kindergärten schicken. Dass die Moslems in Karlsruhe eine würdige Stätte brauchen, um ihren Glauben auszuüben, steht für sie außer Frage. Mesut Palanci, Vorsitzender des Dachverbands Islamischer Vereine in Karlsruhe und übrigens auch stellvertretender Vorsitzender der CDU-Oststadt, kann die Probleme der Deutschen mit der aktuellen türkischen Regierung unter Recep Tayyip Erdogan durchaus nachvollziehen. Das bedeute aber nicht, dass alle Moslems in Karlsruhe automatisch Erdogan-Fans seien.

Baubeginn: Zweite Jahreshälfte

„Wir hier sind alle alte Süd- und Oststädter, die teilweise bereits in der dritten Generation hier leben und hier auch ihre Heimat gefunden haben.“ Man dürfe diesen türkischen Mitbewohnern nicht das Gefühl geben, sie seien hier unerwünscht, ergänzt Scherle. Nach den Angaben des Moschee-Vereins soll jetzt der Bauantrag eingereicht werden, als Baubeginn wird die zweite Jahreshälfte 2018 angestrebt, die Bauzeit dürfte zwei Jahre betragen. Die Kosten sind mit rund sechs Millionen Euro beziffert und sollen über Zuschüsse der Ditib-Gemeinde, über Spenden sowie einen Kredit finanziert werden.

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