Karlsruhe
Karlsruhe: Diskretion im Pfandhaus oberstes Gebot
Wer einen kurzfristigen finanziellen Engpass hat und bei der Bank keinen Kredit mehr bekommt, macht was? Er zieht möglicherweise einen Gang ins Pfandleihhaus in Betracht. Insgesamt rund 180 solcher Institutionen gibt es in der Bundesrepublik.
Bereits seit dem zwölften Jahrhundert war das sogenannte Faustpfand in Mitteleuropa verbreitet. Früher waren die Pfandhäuser vornehmlich in städtischer Obhut, in den vergangenen Jahrzehnten wurden sie zunehmend privatisiert. Das einzige noch existierende städtische Leihamt in Deutschland befindet sich in Nordbaden, genauer: in Mannheim. 1809 wurde die öffentlich-rechtliche Einrichtung „zur Steuerung des Wuchers“ implementiert. Karlsruhe hat aktuell zwei Pfandhäuser, ein drittes soll in Bälde folgen. In der Kaiserpassage in der City residiert das Pfandhaus Bauer, das ursprünglich aus dem Schwäbischen stammt.
Armin Bauer ist bereits seit über 30 Jahren im Geschäft tätig, vornehmlich auf Liquidationen von Schmuckfirmen hat sich der Inhaber der Karlsruher Pfandleihanstalt spezialisiert. Eines weiß er aus langjähriger Erfahrung: „90 Prozent der Kunden, die einen Pfandkredit bei uns in Anspruch nehmen, holen ihren Pfand auch wieder ab.“ Von sozialer Ächtung bei einem Gang in die Pfandleihe sei heute nichts mehr zu spüren. Wer ohne Schufa-Auskunft einen kurzfristigen Kredit benötige, käme ohne Scham in Zeiten, in denen immer mehr Haushalte überschuldet sind. „Oft geht es kleinen Handwerksbetrieben so, dass sie auf ihren Rechnungen sitzen bleiben. Die Zahlungsmoral ist mittlerweile im Keller. Man könnte fast von amerikanischen Verhältnissen sprechen. Um zu überbrücken, kommen sie dann zu uns“, berichtet Bauer.
Fälscher werden immer besser
Das Prozedere sieht wie folgt aus: In erster Linie bringen die Kunden Schmuck, hochwertige Armband- oder Taschenuhren. Aber auch Münzen, Porzellan, Flatscreen-TV-Geräte oder hochwertige Digitalkameras werden versetzt. Zuvor werden die Werte von sogenannten Taxatoren des Hauses geschätzt. Die Darlehen richten sich schließlich nach dem ermittelten Wert des Pfandes und dessen Absetzbarkeit. Jene haben eine Laufzeit von drei Monaten plus eine Karenzzeit. In diesem Zeitraum kann der Kreditnehmer seinen beliehenen Gegenstand zurückerhalten, nachdem er den zuvor erhaltenen Betrag plus Zinsen zurückerstattet hat. Falls nicht, kommt der Auktionator ins Spiel, der turnusmäßig ins Haus kommt.
Zu den Taxatoren des privaten Pfandhauses Bauer zählt unter anderem Stephan Fischer. Er ist ein ausgewiesener Fachmann für Edelmetalle. In Antwerpen, dem Umschlagplatz Nummer eins in Europa für Gold und Diamanten, ist er einst in die Lehre gegangen. „Es ist natürlich erst einmal entscheidend, Fälschungen zu erkennen. Heutzutage wird mit neuester Technologie in Fälscherkreisen gearbeitet. Die werden immer besser. Aber wir schlafen natürlich auch nicht“, betont er, während er am Taschenrechner Goldgehälter auf Feingold herunterrechnet. In Pfandhäuser gehen im Übrigen Menschen aus sämtlichen sozialen Schichten der Gesellschaft ein und aus, wie Fischer und Bauer unisono betonen. Und: „Man merkt schon, in konjunkturell schlechten Zeiten kommen mehr Menschen in die Pfandhäuser. Aber andererseits werden auch die Pfandwerte deutlich niedriger“, weiß Armin Bauer.
Pfand bis zuletzt im Kundenbesitz
Konjunktur sei im Übrigen relativ. Selbst wenn es der Wirtschaft gut ginge, gebe es immer noch reichlich Menschen, die nicht davon profitieren. Bauer verwaltet die Pfandkredite mit seinem Unternehmen quasi treuhänderisch. Innerhalb der festgesetzten Frist bleiben sie weiter im Besitz des Kunden. Selbst bis 24 Stunden vor der Auktion besteht noch die theoretische Möglichkeit, sein Pfand zurückzuerhalten. Eines ist im Business des Pfandleihers freilich das A und O. Das ist in Karlsruhe nicht anders als in Flensburg. „Oberste Diskretion ist natürlich ganz essenziell in unserem Geschäft, das versteht sich von selbst“, betont der Chef des Pfandhauses, das Mitglied im Zentralverband des deutschen Pfandkreditgewerbes ist.
Info Die nächste Versteigerung ist am Mittwoch, 27. November, 17 Uhr, Kaiserpassage 2–4. Vornehmlich Schmuck und Uhren kommen unter den Hammer. Im Internet: www.pfandhausbauer.de.