Karlsruhe Karlsruhe: Am Staatlichen Naturkundemuseum gedeihen Korallen
„Was macht der denn da?“ Neugierig betrachtet der Schwarzspitzenriffhai „Kalli“ den einsamen Taucher. Aber ebenso wie Paletten- oder Doktorfische, Rochen und andere Bewohner des Beckens verliert er schnell das Interesse an Hannes Kirchhauser, dem Leiter des Vivariums im Naturkundemuseum. Obwohl er heute etwas ganz besonderes macht, nämlich Inventur der lebenden Korallen im großen Haifischbecken. Aber die Fische sind Kirchhauser gewohnt, er kommt nämlich auch öfter zum Putzen vorbei.
Vor rund 1,5 Jahren wurden die ersten Korallen in das große Aquarium im neuen Westflügel des Museums eingesetzt. Und die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Heute leben 105 Korallenarten in 389 Kolonien in dem Becken. Im einzelnen sind die 88 Steinkorallenarten, 12 Weichkorallen, 4 Hornkorallen eine Feuerkoralle. Bei den Arten wollte das Vivarium die Vielfalt der Korallenwelt zeigen, und so sind Arten aus verschiedenen Meeren vorhanden, erklärt Kirchhauser. Nur 95 Prozent der Arten haben Kirchhauser und sein Team allerdings selbst eingesetzt, fünf Prozent müssen in den Steinen der Unterwasserwelt überlebt und sich dann wieder entwickelt haben. Viel wichtiger als die Artenzahl ist aber die Größe der Kolonien. Und die habe sich je nach Art und Standort mindestens verdoppelt und sogar bis zur zehnfachen Größe erreicht. Manche Kolonien habe er sogar schon teilen müssen, damit sie anderen nicht zu Nahe kommen und diese vielleicht verdrängen, erklärt der Biologe. Die Ableger wurden an anderen Stellen eingesetzt und haben sich laut Kirchhauser auch dort überraschenderweise sehr gut entwickelt. Und auch bei der Größe haben die Korallen zugelegt, um rund 15 bis 50 Prozent. Die größte ist eine Weichkoralle mit 80 Zentimetern.
Antreiber war ein junger Biologe
Mit der Artenvielfalt und der Größe zähle das Karlsruher Museum sicher zu den Schauaquarien in Deutschland mit den meisten lebenden Korallen, so der Leiter des Vivariums. Viele Ausstellungen und Museen zeigen nur künstliche Korallen, andere haben Schwierigkeiten, lebende Korallen zu halten. Bis in die 1980 Jahre sei dies sowieso kaum möglich gewesen, weil große Becken nur unzureichend beleuchtet werden konnten. Damals haben private Aquaristen mit lebenden Korallen angefangen, einige Ausstellungen haben diese Entwicklung sogar bis heute verschlafen, so Kirchhauser. Nicht so das Naturkundemuseum. Anfang der 1990er Jahre begann man bei einem Umbau des Vivariums die Becken technisch so auszurüsten, dass auch lebende Korallen gehalten werden konnten. Treibende Kraft damals: ein junger Biologe namens Hannes Kirchhauser.
LED-Lampen erleichtern die Arbeit
Neben ausreichend Licht in der richtigen Lichtfarbe brauche man zur Haltung von Korallen auch eine sehr gute Wasserqualität und Strömung. Am Wasser scheitern heute noch manche, mit dem Licht ist es durch die LED-Lampen deutlich einfacher geworden, erklärt der Biologe. Einfach war es auch, sich die lebenden Korallen für das große Becken zu beschaffen. In den rund 25 Jahren Korallenzucht im Museum entwickelt sich die „Tiere“, zu denen zählen Korallen, so gut, dass die Kolonien immer wieder verkleinert und die Ableger in Becken im Keller untergebracht wurden. Nicht selten wurden sogar Korallen an andere Ausstellungen abgegeben. Um die Korallenvielfalt im Haifischbecken zu erhalten, ist allerdings auch viel Pflege erforderlich. Rund insgesamt sieben Stunden pro Woche an drei Tagen muss ein Taucher in das Becken steigen, um die Korallen zu Pflegen und die Scheiben von Algen zu reinigen. Meist ist dies Kirchhauser selbst. Um den Leiter des Vivariums von dieser Arbeit zu entlasten, gab es gerade bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters zwei Kriterien: Er musste sich bei Korallen auskennen und bereit sein, einen Taucherschein zu erwerben. Denn ohne den darf man auch im Haifischbecken nicht unter Wasser.