Karlsruhe „Hupfdohlen“ wäre zu kurz gesprungen
Nein, das abschätzige Wort von den „Hupfdohlen“, wie in männerdominierten Karnevalsvereinen die Gardemädchen gerne mal bezeichnet wurden, käme hier nicht gut an. Es wäre auch völlig fehl am Platz. Die Tänzerinnen der Knielinger „Holzbiere“ verstehen ihre Garde- und Schautänze vor allem als Sport. Auch wenn sie natürlich während der Fastnachtskampagne gefordert sind wie heute Abend, wenn das 66-jährige Bestehen des Elferrats der Sängervereinigung Knielingen die Prunksitzung in der Sängerhalle prägen wird. Die Veranstaltung ist längst ausverkauft, so Elferratspräsident Kurt Vonier. Während unter den 250 Mitgliedern die Zahl der Sänger abgenommen hat, entwickelte sich die Fastnacht weit über den Verein hinaus zu einer starken Säule. Die Tanzgarden sind dann noch ein besonderes Sahnehäubchen. Räumen sie doch seit langem bei Wettbewerben Pokale ab, von denen Kurt Vonier nach eigener Aussage inzwischen gar nicht mehr weiß, wo er die alle aufstellen soll. Wenn es am Samstag und Sonntag, 5. und 6. März, in der dm-Arena der Messe Karlsruhe wieder um deutsche Meisterehren des Bundes Deutscher Karneval geht, sind die Knielingerinnen gleich zweimal Titelverteidiger. Die „Burgau-Garde“ der Elf- bis Vierzehnjährigen hatte 2015 in Köln zum dritten Mal in Folge den Schautanzwettbewerb gewonnen, die „Victoriagarde“ (ab 15 Jahre) gewann die Wettkampfdisziplin zum zweiten Mal hintereinander. Ein Mittwoch-Abend in der Sängerhalle: Die „Burgau-Garde“ übt einen neuen Schautanz ein. Immer wieder mal korrigieren die Trainerinnen um Beate Smoljanac (34) Formations- und Bewegungsabläufe. „Das ist“, betont sie, „richtiger Leistungssport“. Von Oktober bis Anfang März stehen, von Wettbewerbe an. Dazu kommen die Auftritte an Fastnacht, zum Beispiel in Mainz, Frankenthal, im Schwäbischen oder gar in der Schweiz. Geübt wird das ganze Jahr über, nur in den Sommerferien gibt es vier Wochen Pause. Dazwischen heißt es, sich fit zu halten, denn „der Anspruch steigt von Jahr zu Jahr mehr“ (Smoljanac). Das berge auch Verletzungsrisiken, durch bessere Trainerausbildung und verbessertes Training sei deren Zahl aber deutlich gesunken. Rund 120 Aktive und einen zehnköpfigen Trainerstab zählt die „Holzbiere“-Tanzabteilung. Das beginnt bei den „Würmle“ (ab drei Jahre), geht dann weiter über die „Mini-Schnooge“ (ab sechs) zur „Burgau-Garde“ (28 Mitglieder) bis zu den „Großen“ der „Victoria-Garde“ (55). Die Tänzerinnen kommen nicht nur aus Knielingen, sondern aus dem gesamten Stadt- und Landkreis Karlsruhe, auch Pfälzerinnen sind dabei. Voraussetzungen sind Bewegungstalent, Freude an Bewegung und die unerlässliche Disziplin („das sind ja alles Gruppentänze, die Punkte sammelt man nur gemeinsam“). Und die Wettbewerbsregeln sind streng, selbst das Lächeln geht in die Bewertung ein. Nachwuchsprobleme gibt es nicht, es wird auch kein Kind abgewiesen. Smoljanac: „Schritte und Ausdruck kann man lernen, es ist selten, dass wir sagen müssen, das Kind kriegen wir nicht hin.“ Jedes Jahr werden zwei Tänze eingeübt, was von Smoljanac und ihre Kollegin Julia Rech auch ganzjährige Arbeit von der Musikauswahl bis zur Choreografie verlangt. Dazu kommen die Kostüme: Die Marschtanz-Kostüme wechseln immerhin nur alle zehn Jahre, für den Schautanz dagegen sind alle zwei Jahre neue Fantasiekostüme zu fertigen. „2016 müssen wir allein für Bekleidung mit rund 50.000 Euro rechnen“, so der Elferratspräsident. Erfolg hat seinen Preis. Da sind auch – wie bei den Reisen – die Eltern mit gefordert. Mitunter sind, wenn „Schlachtenbummler“ mitfahren, gleich zwei Doppeldecker-Busse nötig. Auf kräftige Unterstützung hoffen die „Holzbiere“ natürlich auch in der dm-Arena. 400 Karten wurden schon mal reserviert. Beate Smoljanac, die als Beamtin bei der Stadt Karlsruhe arbeitet, hat mit drei Jahren mit dem Tanzen angefangen. Mit 16 wurde sie Co-Trainerin. Heute sagt sie: Da hängt mein ganzes Herz dran, das ist schon eine Art unbezahlter Zweitjob, ich bin mehr in der Sängerhalle als zu Hause.“ Und dann geht es weiter mit dem Training. Im Netz www.dm2016.de