Karlsruhe Hochwasser werden unberechenbar

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Die Güte der Hochwasservorhersage des Landes hängt entscheidend von der Verlässlichkeit der Wetterdienste ab. Da sind sich die Fachleute einig. Schon die „Warnung vor der Bildung von Gewitterzellen um eine Stunde früher bringe den Behörden sehr viel“, sagte am Freitag der Leiter Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) bei der Landesanstalt für Umwelt und Messungen (LUBW) in Karlsruhe, Manfred Bremicker. Die HVZ ist in der Region zuständig für die Vorhersage auf dem Rhein zwischen Neuburg und Mannheim/Ludwigshafen. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) kündigte weitere Unterstützung an. Anlass seines Besuchs war das 25-jährige Bestehen der Einrichtung des Landes. Nach tagelangen großflächigen Regenfällen im Mai 2013, mit Überflutungen in einigen Ländern Europas, sah sich die Landesregierung zum Handeln gezwungen: fortan seien Mittel für die Hochwasservorhersagezentrale des Landes auf 2,3 Millionen Euro pro Jahr erhöht worden. „Diese gingen vor allem in der Verbesserung der technischen Ausstattung“, sagte der Umweltminister. Die Mittel für die Einrichtung hätten zu seinem Amtsantritt im Jahr 2011 bei jährlich gerade mal 900.000 Euro gelegen. „Vor Erhöhung des Etats war es nicht möglich, qualitative Verbesserungen der Hochwasservorhersage zu erreichen“, erläuterte Burkhard Schneider, der stellvertretende LUBW-Präsident. Mit den erhöhten Mitteln habe man zudem acht neue Mitarbeiterstellen geschaffen, so dass bei Hochwasserlage notwendiger Schichtdienst „reibungsfreier ablaufen“ könne. Die neuartig wirkende meteorologische Situation mit kurzfristig hereinbrechenden Gewittern mit lokalen Starkregen und Hagelschauer, wie im Mai diesen Jahres – etwa in Braunsbach/Hohenlohe, oder in Schwäbisch Gmünd – lässt die LUBW-Fachleute dagegen eher ratlos zurück. Da herrscht vorwiegend Skepsis zu den Möglichkeiten der rechtzeitigen Warnung der Bevölkerung. „Solche Ereignisse erlauben nur eine geringe Reaktionszeit“, sagte Umweltminister Untersteller in Karlsruhe: anders als noch 2013, da sei „das Hochwasser mehrere Tage vorher absehbar gewesen“. Leider müsse man davon ausgehen „dass im Zuge des Klimawandels diese Starkregen häufiger auftreten werden“. Bei einer gemeinsamen Konferenz der Umweltminister der Länder im Juni seien er und seine Kollegen sich einig gewesen, dass der Deutsche Wetterdienst „schnellere und kleinräumigere Prognosen liefern müsse“, so Untersteller. Was davon tatsächlich umsetzbar sein wird, bleibt dagegen offen. Bisher gebe es „nur eine landkreisweite Vorhersage“, eine genauere Prognose „sei nach derzeitigem Stand wohl nicht möglich“, schränkte der LUBW-Referatsleiter Manfred Bremicker ein. Er teilte mit, dass die Hochwasservorhersagezentrale weiter an Verbesserungen arbeite. Bei regionalen Hochwassern sei die „Frühwarnung“ schon von drei auf jetzt eine Stunde verkürzt worden. Zudem wolle man „als laufendes Vorhaben“ bei schon bestehendem Hochwasser die Taktung zur Aktualisierung der online abrufbaren Messwerte auf künftig 15 Minuten verkürzen. Eine Erhöhung der Zahl der rund 300 Pegelmessstellen im Land „bringe hier eher wenig“, ergänzte LUBW-Vizechef Burkhard Schneider. Die im Karlsruher Südwesten angesiedelte Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) wurde im Dezember 1991 offiziell eröffnet. . Auslöser war das Jahrhunderthochwasser an Donau und Neckar im Februar 1990. Gestartet worden war damals mit zunächst 30 Messpegeln. Später wurde auch das Oberrheingebiet mit in das Datennetz eingebunden. Die Pegelstände und Prognosen sind von Behörden und Privatleuten online abrufbar. Das Extremhochwasser am Rhein, das am 14. Mai 1999 bei Karlsruhe-Maxau einen Pegel von 884 Zentimetern – den höchsten seit 1978 anzeigte – hatte zur Folge, dass auch Vorhersagemodelle für den Bodensee und Anrainer-Seezuflüsse aufgebaut wurden. Seit dem Jahr 2004 kann auch am Bodensee genauso präzise Hochwasser vorhergesagt werden; wie zuvor bereits an Rhein, Neckar, Donau und Main. Info „Mein Pegel“: In der Folge der tagelangen Regenfälle des Mai 2013 wurde eine länderübergreifend nutzbare „App“ für Smartphones eingerichtet. In der amtlichen Wasserstands- und Hochwasser-Informations-App mit mehr als 1600 Messpegeln in ganz Deutschland kann man sich über den aktuellen Wasserstand nahe dem eigenen Wohnort informieren. Der Service von www.hochwasserzentralen.de wird gemeinsam koordiniert von der LUBW in Karlsruhe und der bayerischen Landesanstalt für Umwelt. |sj

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