Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Flucht auf zwei Beinen

Die Kragenechse (vorne) wird von der Bartagame neugierig beäugt.
Die Kragenechse (vorne) wird von der Bartagame neugierig beäugt.

Neue attraktive Tiere sind ab sofort im Australien Terrarium im Vivarium des Naturkundemuseum Karlsruhe zu sehen. Vier Kragenechsen haben dort ihr Quartier bezogen und freunden sich nun mit ihren neuen Mitbewohnern an.

Fast zehn Monate waren vier junge Kragenechsen in Quarantäne im Keller des Museums. Am Dienstag war es für sie endlich soweit. Aus ihrem langsam zu klein werdendem Terrarium im Keller wurden die Tiere von den Schulpraktikantinnen Ida und Lilli sowie vom Leiter des Vivariums, Hannes Kirchhauser, in ihr neues Domizil gebracht. „Wir mussten so lange warten, damit die vier Bartagamen, die ebenfalls neben einer Schwarzkopfpython und Felswaranen im Becken wohnen, die neuen Bewohner nicht unterdrücken“, erklärt Kirchhauser. Aber eigentlich seien Bartagamen ja friedliche Tiere, die deshalb auch gerne von Privatpersonen gehalten werden.

Chlamydosaurus Kingii, so der wissenschaftliche Name der Kragenechse, lebt in freier Natur in Nordaustralien und Südneuguinea. Ihren Namen haben sie, weil sie einen Kragen am Hals haben, den sie aufstellen, um größer zu wirken – zu Imponierzwecken oder bei Gefahr. Der Kragen hat einen Durchmesser von rund 30 Zentimeter. In freier Wildbahn gehören Insekten, aber auch kleine Vögeln und Säuger zu ihrer Nahrung. Zu ihren Feinden gehören Greifvögel, Warane. Schlangen und Hunde. In der Natur werden sie rund fünf bis sieben Jahre alt, in Gefangenschaft bis zu zehn Jahre. „Die Tiere im Museum sind natürlich von einem Nachzüchter aus Deutschland“, so der Vivariumsleiter. Im Museum bekommen sie – auch aus Tierschutzgründen – nur Insekten. Die Tiere wurden im April geboren. In ihrer ursprünglichen Heimat leben die Kragenechsen oft auf Bäumen und Sträuchern, gut getarnt an den Stamm gedrückt.

Deshalb hatte Kirchhauser speziell für sie ein Geäst eines trockenen Apfelbaumes in das Terrarium gelegt. In diesem Teil des großen Terrariums, so sein Plan, könnten sich die Kragenechsen austoben, während die Bartagamen, die auch in der Natur eher auf Felsen leben, den Teil mit der künstlichen Felsformation weiterhin besetzen würden. Doch die Bartagamen schienen den Braten gerochen zu haben. Erstmals und just an diesem Tag besetzten alle vier Bartagamen wie selbstverständlich die Äste des für die Kragenechsen bestimmten Baumes. Und als schließlich die ersten beiden Kragenechsen das Terrarium betraten, wurden sie vom einzigen Männchen der Bartagamengruppe misstrauisch und mit deutlichen Hinweisen, wer hier der Chef sei, begrüßt. Dabei konnten die Besucher auch eine Besonderheit der Kragenechsen gleich live miterleben. Wenn sie davonläuft, rennt diese Echsenart auf zwei Beinen, und das wirklich sehr schnell.

Männliche Echsen haben ein Territorium, welches sie zumindest gegen Artgenossen verteidigen. Deshalb sei es nur selten möglich, zwei männliche Bartagamen in einem Terrarium zu halten. Bartagamen und Kragenechsen sollten aber nach kurzer Eingewöhnungsphase zusammenleben können, Die Begrüßung mit den Weibchen war dann auch deutlich weniger dramatisch. Nach einem kurzen beschnuppern räumte beispielsweise eines der Agamenweibchen den Platz auf dem Ast, auch wenn sie schwerer und größer ist als eine Kragenechse. Diese werden bis zu einem Meter lang, zwei Drittel davon ist der Schwanz. Mit rund zwei Jahren werden sie geschlechtsreif sein. Erst dann kann man übrigens erkennen, welches Geschlecht die Tiere haben. Allerdings könnte man, so sagt zumindest die Literatur, schon im Vorfeld aussuchen, welches Geschlecht der Nachwuchs haben wird. Liegt die Bruttemperatur bei 29 Grad werden es Männchen, beträgt sie 32 Grad schlüpfen weibliche Tiere.

Info

Das Staatliche Museum für Naturkunde am Friedrichsplatz ist Dienstag bis Freitag 9.30 bis 17 Uhr und am Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Neben der Dauerausstellung „Natur und Form“ ist derzeit die große Landesausstellung „Neobiota – Natur im Wandel“ zu sehen. Weitere Infos im Netz, www.smnk.de.

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