Karlsruhe Einschlägige Wetter-Erkenntnisse
Zu Unwettern hat Stephan Thern ein ganz besonderes Verhältnis. Das ist auch kein Wunder, der Karlsruher ist nämlich Leiter des Blitz-Informationsdienstes (Blids), das bundesweit genaueste Informationen über Gewitterblitze an seine Kunden weitergibt. Mit seinem Team sitzt der Ingenieur auf dem Areal von Siemens in Knielingen. Sie betreuen rund 160 Antennen, die in ganz Europa installiert sind.
„Wir geben unsere erhobenen Daten beispielsweise an den Deutschen Wetterdienst, an private Unternehmen, Flughäfen, Energieversorger, Betreiber von Überlandleitungen oder Versicherungen weiter.“ Das Prinzip sieht wie folgt aus: Jeder Blitz sendet ein elektromagnetisches Signal aus. Diese Information wird von Antennen registriert und in der Blids-Zentrale in der Fächerstadt analysiert. Aus den Messwerten der verschiedenen Empfänger wird dann ermittelt, wo gerade ein Blitz einschlägt. Auf digitalisierten Landkarten werden die elektrischen Entladungen auf wenige Hundert Meter genau dargestellt. „Für Versicherungen ist es beispielsweise interessant zu wissen, ob der Schaden, den ein Kunde wegen eines vermeintlich eingeschlagenen Blitzes angibt, auch den Tatsachen entspricht. Mit unserer Blitz-Landkarte hat er in null Komma nix die entsprechende Info. Oder: Flughäfen wollen beispielsweise genaue Daten für ihre Flugplanung“, sagt Stephan Thern. Die Antennen der Karlsruher Unwetter-Experten sind so sensibel, dass eine Antenne im Badischen selbst einen Blitzeinschlag beispielsweise in Portugal analysieren kann. Ein so genannter „Spion“ stellt bei Blids im Internet die aktuelle Situation nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Polen, Ungarn, Griechenland oder den Benelux-Ländern dar. „An extrem starken Gewittertagen werden in Deutschland bis zu 200.000 Blitze registriert. Das ist von Jahr zu Jahr verschieden“, betont der Siemens-Ingenieur. Jährlich seien es rund eine Million Blitze in Deutschland – Tendenz im Übrigen rückläufig. In Urzeiten wurden die Furcht einflößenden Entladungen Göttern wie Zeus zugeschrieben. Auch heute überkommt manchem Zeitgenossen noch ein ungutes Gefühl, wenn es am Himmel richtig kracht. Besonders in Mittelgebirgen wie dem Taunus, dem Schwarzwald oder der Schwäbischen Alb kommt es häufig zu Blitzeinschlägen. Das Gute an seinem Job? „Über das Wetter spricht man immer. Das ist schon ein ziemlich vielfältiges Betätigungsfeld“, betont der Ingenieur für Hochspannungstechnik, der die einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland leitet, die seit 1991 existiert. Für die Angabe der Einschlagswahrscheinlichkeit betreibt „Blids“ eine eigene Website. Im Übrigen: Pro Jahr werden rund 20 Menschen in Deutschland vom Blitz getroffen. Allerdings: „Die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden ist allerdings geringer als ein Sechser im Lotto“, so Thern achselzuckend. Im Netz blids.de