Karlsruhe Die süße Verführung
Bisher war es schwierig, ein typisch Karlsruher Mitbringsel zu finden. Vielleicht Wein aus Durlach. Nun ja, Wein gibt es anderswo auch. Vielleicht den Karlsruher Whisky „Der Brigant“? Aber auch der hat andernorts Konkurrenz. Doch halt: Seit einem knappen Jahr gibt es beim Karlsruhe-Tourismus diesen Konfekt, der den Spitznamen der Badener trägt – die „Gelbfüßler“-Pralinen!
Was den Necknamen des Badeners und damit auch des – einheimischen – Bewohners der einstigen Residenzstadt angeht, gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Etwa den Hinweis für die früher gelben Klauen des badischen Greif. Wahrscheinlicher ist ein Bezug auf die gelben Gamaschen badischer Soldaten im frühen 19. Jahrhundert. Und da im Badischen das gesamte Bein anatomisch gesehen als Fuß bezeichnet wird… Nun kommt, was die Vorgeschichte der Pralinen angeht, die benachbarte Pfalz ins Spiel. Im noch jungen neuen Jahrtausend leitete der Karlsruher Thomas Kessel, Mitbegründer der Initiative „BeOK – Tu gut“, den Kirchenchor der evangelischen Friedensgemeinde in Wörth. Bei einer Feier sollten die Mitglieder jeweils eine kulinarische Spezialität ihrer Heimat mitbringen. Thomas Kessel sah sich in Verlegenheit: Was ist typisch Karlsruhe? Oh Schreck, ein weißer Fleck! Das konnte so nicht bleiben. Die Erleuchtung: Wir sind die Gelbfüßler! Wie aber sieht so einer aus? Was Süßes sollte es sein. Zur Tat schritt schließlich der Konditormeister Mario Köhler und kreierte – natürlich stets handgefertigt – kleine gelbe und vor allem süße Füßchen in den Geschmacksrichtungen Himbeere und Passionsfrucht. Letztere ist nicht badisch, aber das alles zusammen erinnert an die badischen Farben Gelb und Rot. Die badische Packung gibt es beim Karlsruhe-Tourismus und wird auch verschickt. 20 Prozent der Einnahmen kommen der Karlsruher Tafel zu Gute. Kürzlich wurde die 1848. Konfekt-Portion als Präsent einem Ehepaar aus dem Saarland überreicht, dem die Fächerstadt so auf Anhieb noch „symbadischer“ wurde. Die 1848. übrigens als Erinnerung an die in jenem besagten Jahr durch preußische (!) Kartätschen zusammengeschossene badische Revolution. Die Bezeichnung „Gelbfüßler“ war ursprünglich allerdings nicht auf die Badener beschränkt. Noch im „Teutschen Wörterbuch“ der Brüder Grimm heißt es: „Vor Zeiten ein Spottname der Schwaben bei ihren Nachbarn.“ Aber da hatte die napoleonische Neuordnung schon dazu beigetragen, den Badenern eine gewisse Gelbfüßler-Exklusivität zu verschaffen. Im Alemannischen klingt das alles noch etwas drastischer. Eine seit Jahrzehnten sehr populäre Band aus dem Raum Lahr nennt sich „d“Gälfiäßler“. Und die haben höchst erfolgreich einst einen sehr eigenen Deutungsversuch unternommen. Demnach bestellten Schwaben bei Badenern ein großes Kontingent Eier für die Spätzleherstellung. Aber die Ladung war einfach nicht in den Karren zu kriegen, weswegen ein Schlaule die Idee hatte, die Eier zu zerstampfen. Die Wirkung war total und die Badener hatten nun gelbe Füße… Dieser Vorfall ist natürlich nirgendwo verbürgt. Die Süße der Pralinen des Konditors Köhler hingegen schon.