Straßburg / Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Crit’Air-Vignette: Seit Januar drohen in Frankreichs Städten Verwarnungen

Die französischen Plaketten. An vielen Fahrzeugen in den grenznahen Städten sieht man sie bereits.
Die französischen Plaketten. An vielen Fahrzeugen in den grenznahen Städten sieht man sie bereits.

Während in der Stadt Karlsruhe bald keine Feinstaubplaketten mehr notwendig sind, schalten die Behörden im benachbarten Frankreich „auf scharf“. Was Autofahrer nun wissen müssen.

Die Franzosen lieben Abkürzungen. Und auch für die neuen Umweltzonen, die in Frankreichs Großstädten eingeführt wurden, gibt es eine Abkürzung. „Crit´Air“, so nennt sich die neue Vignette, die man jetzt in Straßburg an der Windschutzscheibe kleben haben sollte. Denn seit Januar droht auch in der Europametropole eine Verwarnung, wenn man mit einem „Stinker“ einfährt.

Auch in Karlsruhe und anderen grenznahen Städten am Oberrhein sieht man jetzt vermehrt Autos im Stadtraum, die meist violette, gelb oder orange „Crit’Air“-Plaketten an der Windschutzscheibe prangen haben: sowohl von deutschen Fahrzeughaltern, wie auch von französischen – es dürfte sich oft um Pendler handeln, oder Halter die oft Ausflüge nach Straßburg oder in andere Großstädte Frankreichs machen. Doch auch wenn etwa den großen Durchgangsstraßen von Straßburg auf den Anzeigetafeln auf die neuen Regeln mit „kritischer Luft“ hingewiesen wird: tatsächlich kontrolliert wird derzeit nicht wirklich.

Bußgeld bis 135 Euro

Während in Karlsruhe Feinstaubplaketten bald nicht mehr notwendig sind und die Umweltzonen vom Regierungspräsidium voraussichtlich im Verlauf des Frühjahrs aufgehoben werden, wollen die französischen Behörden bei Grenzwertüberschreitungen – gemäß dem Kürzel „Crit´Air“ (abgeleitet von „Critique Air“, also „kritischer Luft“) – bestimmte Fahrzeugtypen künftig fernhalten aus den Innenstadtbereichen. Es sollen bald Bußgelder gelten zwischen 68 Euro (bei Pkw und Motorrädern) und 135 Euro bei Fahrzeugen mit einem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen.

Auch Pendler Manfred Brosch, der in Raon sur Plaine in den Vogesen wohnt und in Karlsruhe arbeitet, hat sich kürzlich die Plakette für seinen VW Diesel besorgt. In Straßburg droht vor allem für Dieselfahrzeuge, die aktuell mit den Einstufungen „Euro 2“ und „Euro 3“ unterwegs sind bald Fahrverbot. Pkw und Wohnmobile mit weniger als 3,5 Tonnen Nutzlast haben in Frankreich bei Euro 2 die Einstufung als „Crit’Air 5“ und bei Euro 3 „Crit’Air 4“. Die deutschen Feinstaubplaketten zählen nominal in umgekehrter Reihenfolge: die grüne Plakette 4 ist besser als 3 oder 2. Derzeit müssen in Straßburg nur Fahrzeuge mit „Crit’Air 5“ draußen bleiben – analog Lkw und Bussen, die diese Plakette in Grau derzeit mit Euro 3 erhalten. Die Abstufungen sind nicht ganz leicht zu verstehen. Aktuell dürfen in Straßburg noch alle Fahrzeug der Stufen „Crit’Air 1“ bis „Crit’Air 4“ einfahren. Ab Januar 2024 müssen auch „Crit’Air 4“ draußen bleiben.

Kaum Kontrollen

Nachfragen bei französischen Behörden, wie sie es denn halten mit den Kontrollen, werden nur bedingt beantwortet: eine Anfrage beim Presseamt der Stadt Straßburg wird weiter verwiesen an die Préfecture Grand Est, die Verwaltung der Groß-Region Ost, die von Straßburg bis Nancy reicht. Auch da gibt es keine verbindliche Antwort. Noch befinde sich die Einführung der Umweltzone in der „pädagogischen Phase“, wie es die Franzosen nennen. Offenbar sollen die Menschen langsam an die Neuerung gewöhnt werden. Tatsächlich sei aktuell „noch kaum mit Kontrollen zu rechnen“, lässt die Präsidentin der Eurometropole Straßburg Pia Imbs wissen. Auch bei einer Beratungseinrichtung bleibt man im Konjunktiv: „Seit dem 1. Januar 2023 können Verstöße gegen die Plakettenpflicht und das Fahrverbot sanktioniert werden“, heißt es aus dem Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz in Kehl.

Er verstehe die Übersetzung auf Straßburgs Internetauftritten so, „dass in einer Übergangszeit nur Verwarnungen ausgesprochen werden“, lautet die Antwort eines Sprechers des Büros der Oberrheinkonferenz in Kehl. Eines scheint klar: ein automatisches Scannen von Fahrzeugen, wie es etwa ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg „vom Hörensagen her kennt“, findet definitiv nicht statt. Davon weiß auch der Experte für Tourismus beim ADAC Nordbaden Jürgen Herbrich nichts. Anfragen zu dem Thema, etwa für die Urlaubszeiten, gab es zuletzt häufiger. Seine Empfehlung: wer beispielsweise im August nach Spanien in den Urlaub fährt, solle rechtzeitig eine Plakette anfordern. Für Pkw-Besitzer, die diese von Deutschland aus ordern, kostet sie inklusive Porto gerade mal 4,61 Euro.

Kritik an Bestellung

Eine Mitarbeiterin der grenzüberschreitenden Beratungsstelle „Infobest“ in Kehl berichtet von Kritik an dem Bestellverfahren. „Es gingen bei uns auch schon Beschwerden ein, da die Antragsstellung ausschließlich online erfolgen kann und es Leute gibt, die sich mit Online-Anträgen nicht so gut auskennen“, sagt Stephanie Elfgang. Die Möglichkeit eine Crit`Air-Plakette auf analogem Weg mittels Antragsformular zu bekommen stehe leider nur Personen zur Verfügung, die ein in Frankreich registriertes Auto besitzen, ergänzt sie. Da zumindest weiß der ADAC-Vertreter Herbrich teilweise um Abhilfe: Der ADAC Südbaden biete für Mitglieder den Service, die Plakette für 10 Euro zu bestellen, 4,61 Euro für die Zustellgebühr, plus dem Service für Leute die es im Internet nicht selbst schaffen. Das gelte so etwa in den Geschäftsstellen Offenburg und Freiburg. Aus seiner Sicht ist der Aufwand minimal, sich die Plakette zu besorgen. In Straßburg, sagt Herbrich, würden auch die A35 und A4 in der Umweltzone liegen, sowie 33 Gemeinden der „Communité Urbaine“ rund um die Europametropole.

Info

Mehrsprachig Bestellseite:

https://www.certificat-air.gouv.fr/

Deutsch-französische Verbraucherberatung in Kehl:

https://www.cec-zev.eu/de/themen/auto/franzoesische-umweltplakette/

„Stinker“ sollen raus aus Frankreichs Städten.
»Stinker« sollen raus aus Frankreichs Städten.
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