Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Busbahnhof: eine Zumutung und keine Besserung in Sicht

Der Busbahnhof Karlsruhe sollte seit langem modernisiert werden. Passiert ist in sieben Jahren quasi nichts.
Der Busbahnhof Karlsruhe sollte seit langem modernisiert werden. Passiert ist in sieben Jahren quasi nichts.

Vom Karlsruher Hauptbahnhof lassen sich auch mit dem Bus zahlreiche Ziele im In- und Ausland erreichen. Doch seit Jahren wird der derzeitige Abfahrtsort von allen Seiten als zu klein und unangenehm beschrieben. Schon vor sieben Jahren wurden die Planungen für ein neues Fernbusterminal beschlossen. Warum hat sich bis heute nichts getan?

„Wir brauchen einen modernen Busbahnhof. Denn was sich am derzeitigen Standort abspielt, ist für alle Beteiligten eine Zumutung“, sagte der Karlsruher Oberbürgermeister 2014 vor dem Beschluss des Gemeinderats für einen neuen Standort des Fernbusterminals. Doch seither passiert ist wenig. Noch immer drängen sich Busse und Reisende am meist zu kleinen Provisorium hinter dem Hauptbahnhof. An den unzumutbaren Zuständen hat sich in den vergangenen sieben Jahren kaum etwas geändert. Die Stadtverwaltung verweist auf Anfrage nur auf das Aufstellen einer barrierefreien Automatiktoilette, sonst sei die Aufenthaltsqualität weiter „verbesserungsfähig“. „Denkbar wären weitere wettergeschützte Aufenthaltsflächen und Sanitärkapazitäten sowie Versorgungsangebote“, zählt sie konkrete Ansatzpunkte auf. Konkrete Planungen gäbe es aber nicht.

Parkplatz statt Busbahnhof

Dies gilt auch für den geplanten Standort des neuen Fernbusterminals in der Fautenbruchstraße. Während direkt gegenüber gerade mehrere Kräne weithin sichtbar von der Errichtung eines neuen Hotel- und Bürokomplexes zeugen, ist aus dem Standort des Busbahnhofs ein Parkplatz geworden. Diese „interimsweise Nutzung“ könne noch länger bestehen bleiben und so lange müsse das Fernbusterminal warten, sagt die Stadtverwaltung. Erst wenn „dieser Parkplatz nicht mehr benötigt wird, erfolgen weitere Entwicklungsschritte“.

Priorität hätten derzeit zudem „die Fertigstellung diverser Erschließungsmaßnahmen rund um das Areal am Hauptbahnhof Süd“, in dem gerade auch an anderer Stelle Bürotürme und Hotelkomplexe wachsen, während im Zentrum des Areals weiter Fernbusse vom Parkplatz in der Schwarzwaldstraße ein- und ausrollen und von schwer bepackten Fahrgästen dicht an dicht erwartet werden. Bereits im Jahr 2016 hatte die Stadt ein Interessenbekundungsverfahren ausgerufen, um einen Investor zu finden, der den Bau eines neuen Fernbusterminals übernehmen sollte. „Zu vertiefenden Verhandlungen“ sei es aber aufgrund der städtischen Prioritätensetzung nicht gekommen, so die Stadtverwaltung. Auch jetzt zeichne sich „nach derzeitigem Stand kein Investor ab.“

Pandemie bremst Fernbusverkehr

Als Ursache der Verzögerungen macht die Stadtverwaltung zudem die Auswirkungen der Corona-Pandemie verantwortlich. Es gelte, die „Entwicklung des Fernbusmarktes abzuwarten, um die Anforderungen an ein modernes Fernbusterminal möglichst passgenau abbilden zu können.“ Konkrete Zahlen zum Fahrgastaufkommen in Karlsruhe nannte die Stadtverwaltung nicht. Bundesweit war die Zahl der Fernbuspassagiere auf etwa ein Viertel der Fahrgäste der Vor-Corona-Zeit eingebrochen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die ursprünglichen Fahrgastzahlen von bundesweit mehr als 20 Millionen Passagieren, auch vor dem Hintergrund der Klimakrise, bald wieder erreicht sein dürften. „Der Fernbuslinienverkehr ermöglicht preiswerte und emissionsarme Mobilität“, heißt es vom Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. So nahm Deutschlands bei weitem größter Fernbusbetreiber Flixbus bereits Ende März seinen Linienverkehr wieder auf.

In Karlsruhe dürften dagegen auf absehbare Zeit keine Veränderungen zu erwarten sein, so lange sich hinter dem Hauptbahnhof nicht noch weitere Büros und Hotels angesiedelt haben. Die Stadtverwaltung machte entsprechend auch schon mal klar, dass keine „eigentumsrechtlichen oder planerischen Gründe gegen einen einstweiligen Verbleib des Fernbushalts“ an der derzeitigen Stelle sprächen.

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