Karlsruhe Bammel vorm Baustellen-Kollaps

Erst Nord, dann Süd: Die zuletzt vom Stadtrat vollzogene Rolle rückwärts bei der Reihenfolge der Sanierungen hat auch Bürgermeister und Landräte im Umland überrascht und irritiert. Sie fordern bessere Absprachen und befürchten ein Verkehrschaos. Mehr Klarheit wünschen sich auch Unternehmen wie die BASF als größter Arbeitgeber. Der Konzern erwartet belastbare Informationen zu Umleitungskonzepten für den Lkw-Verkehr und will Pendlerströme kanalisieren. Die zunächst vor dem Nordabriss geplante Renovierung des 500 Meter langen Süd-Abschnitts „Pilzhochstraße“ galt bis vor Kurzem als „alternativlos“. Doch der Schaden ist größer als vermutet. Hinzu kommt: Die Südtrasse sollte während des Nord-Rückbaus als zentrale Ausweichroute dienen, ist aber doch mehr geschädigt, als zunächst gedacht. Unklar ist zudem, ob die aktuell geschätzten 670 Millionen Euro für beide Sanierungen am Ende reichen werden und wofür welche Zuschüsse fließen. Mit bald 1,4 Milliarden Schulden steht die Stadt längst mit dem Rücken an der Wand. „Metropol“: Widerstand wächst Enorme Sprengkraft birgt auch das „Metropol“-Projekt am Berliner Platz – zwei 67 und 29 Meter hoch geplante Türme mit über 180 Hotelbetten, Gastronomie, Büros, Läden und Praxen. Anfang des Monats hat der Stadtrat die Pläne gegen die Stimmen zweier Oppositionsparteien zwar genehmigt, um den jahrelangen Stillstand in der Baugrube endlich zu beenden. Damit ist das Thema aber nicht vom Tisch. Bauherr Günther Tetzner (Timon Bauregie) ist zur Reizfigur geworden. Der Mittsiebziger präsentierte in der Vergangenheit immer wieder neue Konzepte und neue Finanzpartner. Polizeipräsidium: Beengter Platz Für Unmut – nicht nur bei Anwohnern – sorgen auch die Pläne für den Bau eines neuen Polizeipräsidiums, das am Südwestknoten für 650 Mitarbeiter auf beengter Fläche hochgezogen werden soll, ausgerechnet an der ohnehin vom Verkehr stark belasteten Heinigstraße. Der Kaufvertrag für das 4350 Quadratmeter große Areal wurde zwischen Land und Stadt nach jahrelanger Standortsuche vor zwölf Monaten unterzeichnet. Ab 2020 sollen die Arbeiten drei Jahre dauern. Der neue Dienstsitz wird aus zwei 25 und 36 Meter hohen Gebäuden mit maximal zehn Etagen bestehen, ausgelegt für 450 Arbeitsplätze. Das bisherige Präsidium in Süd, zuständig für Vorder- und Südpfalz, ist veraltet und zu klein. Die Polizei verteilt sich deshalb noch auf zehn Standorte. Pfalzwerke: Stellplätze fehlen Viele neue Kunden bringt der Innenstadt der neue Pfalzwerke-Sitz an der Wredestraße, den die Mannheimer Pro Concept AG baut und an den Energieversorger vermietet. Am Standort des früheren C&A-Gebäudes, das im Mai abgerissen wird, sollen 2020/21 etwa 600 Mitarbeiter einziehen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wie für das benachbarte „Metropol“ fehlen Parkplätze. Parkplätze fehlen zudem fürs Kundenzentrum der Technischen Werke in der Fußgängerzone, das bald eingeweiht wird. 400 Menschen sollen dort arbeiten. Bürgerhof: Details Mitte März Nicht beantwortet ist die Parkplatz-Frage auch für das neue Bürgerhof-Entreé, das die Wohnungsbaugesellschaft GAG plant. Mitte März will sie Details nennen. Verschwinden werden viele Parkplätze im Rathaus-Center, das die Stadt Ende 2021 schließen möchte. Der Nordflügel muss dem Hochstraßenrückbau weichen. Dass auch im neuen Polizeipräsidium nicht für jeden Beamten ein Parkplatz reserviert ist, verschärft die Lage. Die Alternativen sind begrenzt: Denn die 7200 Stellflächen im Stadtkern sind ordentlich ausgelastet. Immerhin: Auf dem ehemaligen Halberg-Areal sind fürs Wohnviertel „Ludwigs-Quartier“ (2,5 Hektar) über 500 Stellflächen vorgesehen. Offen ist die Zukunft des Sanierungsfalls Rathausturm. Dort droht die nächste Großbaustelle.