Karlsruhe Arbeitszeit als „Riesen-Thema“

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Speyer. Ein Betriebsrat bei den Pfalz-Flugzeugwerken ist nicht irgendwer. Weil es um das Unternehmen in den vergangenen 40 Jahren mehrfach gar nicht gut stand, ging es auch für die Arbeitnehmervertreter immer wieder ans Eingemachte. Strippenziehen bis nach Bonn, Berlin und Brüssel inbegriffen. Jan Heinrich kann das. Seit 33 Jahren ist der 57-Jährige im Betriebsrat, seit zwölf Jahren als Vorsitzender.

Die Probleme hätten sich gewandelt, sagt er. 2017 müsse nicht gegen Personalabbau, sondern für eine vernünftige Bewältigung des Produktionshochlaufs gekämpft werden. „1997 hatten wir 630 Mitarbeiter, heute sind es fast 1700. Wenn mir das damals jemand prognostiziert hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, so Heinrich. Die PFW Aerospace GmbH, wie das Unternehmen heute heißt, ist in der besonderen Lage, dass parallel vier Flugzeug-Programme „hochlaufen“, an denen sie mit Rohr- und Leitungssystem beteiligt ist: Airbus produziert von Jahr zu Jahr mehr Exemplare der A-320-Familie, von A 350 und A 400M; Boeing wächst mit seiner 787. Zum Speyerer Anteil hat Heinrich weitere Zahlen: „1995 haben wir Teile für 110 Flieger ausgeliefert, 2016 waren es fast 900 Flieger.“ Folge des Aufwinds ist viel Arbeit. Als 2014 der heutige Betriebsrat gewählt wurde, gab es 1400 Mitarbeiter, seither ist die Belegschaft um ein Fünftel gewachsen. Trotzdem geht es nicht ohne Sonderschichten und Überstunden. Die mit der IG Metall vereinbarte 35-Stunden-Woche reiche oft nicht aus, sagt Heinrich. Der Betriebsrat stimme der Mehrarbeit seit Jahren nach Einzelfallprüfungen zu, sehe aber die Begleiterscheinung eines hohen Krankenstands. „Die Arbeitszeit wird 2017 unser Riesen-Thema 2017 sein“, betont Heinrich. „Da ist uns in den letzten Jahrzehnten einiges entglitten.“ Die Belastung der Leute müsse kleiner, die Planbarkeit der Freizeit verlässlicher werden. „Gott sei Dank sind die Ziele nicht strittig mit der Geschäftsleitung“, so Heinrich. Auch diese wolle weg von den für sie teuren Überstunden und Wochenendschichten. Sie plane Einstellungen. Das sei aber immer nur so weit möglich, wie sich gutes Personal finde und wie die Lieferqualität nicht aufs Spiel gesetzt werde. Dabei habe PFW richtig hart arbeiten müssen, um den hohen Kundenansprüchen zu genügen. „Beim A 350 sind wir mittendrin, der Lieferrückstand geht permanent zurück.“ Heinrich glaubt, dass der im Vorjahr gestoppte Verkauf von PFW – Mehrheitseigner Airbus wollte seine Anteile abgeben – wegen der bewegten Zeiten ruht: „Er wird wohl erst wieder gestartet, wenn der potenzielle Käufer sieht, dass bei uns technologisch alles sicher läuft.“ 2017 werde sich im Blick auf die Arbeitsstruktur vieles entscheiden, sagt Heinrich. „Im Idealfall sind wir dann 2018 wieder in ruhigerem Fahrwasser“, hofft er als Betriebsrat. Ein Zurücklehnen wird es aber nie geben, das weiß er nur zu gut. Die Firmenleitung werde parallel die Weichen stellen müssen, damit PFW bereit ist, in der 2021 denkbaren Ausschreibung für ein neues Airbus-Modell zu bestehen. Und der Betriebsrat werde das große Ganze von der Arbeitnehmerseite her im Blick behalten müssen. Ein wichtiges Instrument dazu sind seit 2005 Standortsicherungsverträge; der aktuelle Vertrag hat eine Laufzeit bis 2020. Das Verhandlungsschema sei wohlbekannt: Der Betriebsrat lasse flexible Arbeitszeiten und Leiharbeit in begrenztem Maß zu, die Firma tätige dafür Investitionen in Speyer, garantiere einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und verlagere weniger als angedroht an den Low-Cost-Standort in der Türkei. Eine neue Regelung zur Altersteilzeit und eine Betriebsvereinbarung zu „selbstorganisierter Teamarbeit“ – das sind zwei der „vielen kleinen Themen“, die Heinrich auf der Habenseite verbucht. Das eng gewordene PFW-Gelände mit Parkplatznot stehe im Pflichtenheft. Dranbleiben, das sei die Devise seines Teams: „Wenn man das halbwegs ordentlich macht, bildet sich auch keine Unzufriedenheit.“ |pse

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