Wissembourg Angebote für eine grenzüberschreitende Freundschaft

Runder Tisch: Es gibt Verbesserungsbedarf im Pamina-Raum.
Runder Tisch: Es gibt Verbesserungsbedarf im Pamina-Raum.

Ein Vierteljahrhundert VHS Pamina, das bedeutet unzählige grenzüberschreitende Kursangebote. Allein im vergangenen Jahr haben rund 1000 Menschen aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet an 85 Angeboten teilgenommen.

Seit 60 Jahren sind die beiden Städte Landau und Haguenau partnerschaftlich miteinander verbunden. Hieß es noch vor Jahren an der Grenze „Votre passeport, s'il vous plaît“, ist es heute selbstverständlich ins Nachbarland zu fahren. Doch auch wenn Deutschland und Frankreich über die grüne Grenze hinweg zusammenwachsen, sind die Sprache und die Kultur des anderen Landes vielen immer noch unbekannt. Um das zu ändern, bietet die up-Pamina-VHS, die grenzüberschreitende Volkshochschule mit Sitz in Wissembourg, ein breites Spektrum an Bildungsangeboten an. In diesem Jahr feiert sie ihr 25-jähriges Bestehen.

As diesem Anlass lud die VHS Pamina zu einem Dialogforum „Weiterbildung grenzenlos“ in das Kulturzentrum Wissembourg ein, an dem Vertreter aus Politik und Volkshochschulen aus Baden, der Pfalz und dem Elsass teilgenommen haben. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom deutsch-französischen Duo Jean-Yves Bender am Saxophon und Adrian Rinck am Piano.

Die VHS-Pamina stehe wie keine andere Einrichtung im Pamina-Raum für die niederschwellige interkulturelle Verständigung, sagte Annette Striebig-Weissenburger, Leiterin der Pamina-VHS. Grußworte überbrachten Erol Alexander Weiß, Vorsitzender des VHS-Pamina Vereins, Claude Sturni, Vizepräsident der Region Grand Est, Volker Schebesta, Staatssekretär im Kultusministerium Baden-Württemberg, Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz sowie Stéphanie Kochert, Abgeordnete der Nationalversammlung für das Département Bas-Rhin. Sie alle betonten die Wichtigkeit dieser grenzüberschreitenden Einrichtung, um Begegnungen zu schaffen, sich mit anderen Bildungseinrichtungen zu vernetzen und Weiterbildung auch für die Jugend zu ermöglichen. Gerade in der heutigen Zeit der Transformation sei es aus beruflichen Gründen von größter Bedeutung, sich immer wieder neu zu orientieren und die Sprache des Nachbarn zu erlernen.

Unter Federführung der Kreisvolkshochschule Südpfalz wurde in den Jahren 1994/1995 das Pilotprojekt zur Zusammenarbeit deutscher und französischer Volkshochschulen ins Leben gerufen. Am Aufbau beteiligt war auch der heutige Bühler Bürgermeister Wolfgang Jokerst, der im Herbst 1997 als erster Leiter der VHS-Pamina eingestellt wurde. Zunächst zu 50 Prozent finanziert im Rahmen des Interreg-Programms der EU, musste sich der Verein drei Jahre später auf eigene Beine stellen. Zwischenzeitlich erhielt die VHS-Pamina als beste grenzüberschreitende Initiative Anerkennung und Preise für ihr Bildungsangebot von beiden Ländern.

Wie wichtig eine solche grenzüberschreitend arbeitende Bildungseinrichtung auch heute noch ist, verdeutlichte Patrice Harster, Geschäftsführer des Eurodistrict Pamina, in seinem Impulsbeitrag. Auch wenn die große Politik in Paris und Berlin immer wieder beschwöre, Frankreich und Deutschland seien der Motor Europas, so hinderten Bürokratie, Finanzierungen sowie Unterschiede in den politischen Ansichten oftmals die Realisierung von konkreten Projekten in der Region am Oberrhein. „Der Bas-Rhin ist das einzige Département, das keine Autobahn ins Nachbarland hat“, verdeutlichte Harster viele noch fehlende Verbindungen zum Nachbarn in den zunehmenden grenzüberschreitenden Verflechtungsräumen. Er verwies auf das Gesundheitssystem, die Arbeit der Rettungsorganisationen, das Thema Mobilität, die Transformationen auf dem Arbeitsmarkt und nicht zuletzt auf die Zweisprachigkeit.

Grenzen überwinden und Chancen nutzen, um den Nachbarn kennenzulernen und besser zu verstehen, das sei eine Pflicht, sagte Patrice Harster. Am Runden Tisch stellten sich Vertreter aus Politik und den VHS-Verbänden aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und der europäischen VHS Strasbourg dieser Forderung. Viele Partner, die in der beruflichen Weiterbildung aktiv sind, nutzen dieses Modellprojekt der VHS-Pamina bereits und sind mit der Einrichtung vernetzt. Einig war man sich, dieses Netzwerk noch weiter auszubauen und die Erfahrungen der VHS-Pamina in die ganze grenzüberschreitende Oberrhein-Region strahlen zu lassen. Sie stehen vor der Herausforderung, auch den jungen Menschen am Oberrhein die Lust am Erlernen der Sprache des Nachbarn und die damit verbundenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt in einem Europa ohne Grenzen zu vermitteln.

Grenzüberschreitendes Projekt: Auch deutsche Frauen können in Wissembourg entbinden.
Grenzüberschreitendes Projekt: Auch deutsche Frauen können in Wissembourg entbinden.
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