Karlsruhe
Alle Bahnen haben wieder Fahrer

Die Albtal Verkehrsgesellschaft sieht die Durststrecke mit Zugausfällen auf der Strecke zwischen Germersheim und Wörth überwunden. Seit 2014 wurden 140 neue Fahrerinnen und Fahrer eingestellt und die Ausbildung geht weiter.
Karlsruhe. „Die AVG ist wieder auf Kurs.“ Alexander Pischon, Geschäftsführer der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG), ist die Erleichterung deutlich anzumerken. Nach dem „schweren Jahr 2018“ würden endlich die selbst und vertraglich festgesetzten Standards erreicht, größtenteils sogar übertroffen. So fielen im ersten Quartal des laufenden Jahres von insgesamt 139.000 Fahrten nur knapp 0,7 Prozent der Stadtbahnen aus, davon etwas mehr als die Hälfte wegen Personalmangels, der Rest witterungsbedingt oder nach Unfällen. Im April lagt die Zahl der Fahrtausfälle sogar bei nur noch 0,45 Prozent. Dies sei die niedrigste Ausfallquote seit 2015. Zum Vergleich: im vergangenen Jahr fielen in manchen Monaten bis zu drei Prozent der Bahnen aus.
Nach Auswertungen der RHEINPFALZ fielen auf den Stadtbahnlinien S 5, S 51 und S 52 im September 2018 1,9 Prozent, im Oktober 2,7 Prozent der Fahrten aus (wir berichteten), nach unseren stichprobenartigen Beobachtungen meldete die AVG im laufenden Jahr kaum noch personalbedingte Ausfälle.
370 Stadtbahn-Fahrer im Dienst
Hauptursache für die deutliche Verbesserung ist die Entspannung beim Fahrpersonal. Als die AVG vor rund vier Jahren ihre Ausbildungsoffensive startete, fehlten rund 70 Triebfahrzeugführer, vor einem Jahr waren immer noch 30 Stellen unbesetzt. Binnen vier Jahren wurden nun aber 140 Menschen neu als Triebfahrzeugführer oder Triebfahrzeugführerin eingestellt, der Personalstand beim fahrenden Personal liegt inzwischen bei 370, auch die Krankheitsreserve sei angehoben worden.
Angesichts der bundesweit angespannten Lage – allein die Deutsche Bahn sucht noch immer rund 1000 Lokführer – sei man mit der Entwicklung hoch zufrieden, vor allem die Fahrgäste bekämen dies inzwischen auch zu spüren. Nun gelte es, mit guter Servicequalität das Vertrauen der Fahrgäste zurückzugewinnen und darüber hinaus neue Kunden für den öffentlichen Nahverkehr hinzuzugewinnen.
Fahrerausbildung auch für Flüchtlinge
Mit Blick auf die hohe Zahl von Fahrern, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand treten, werde weiterhin intensiv ausgebildet. Pro Jahr sollen weiterhin sieben Kurse mit jeweils 14 Plätzen angeboten werden, und aktuell sind auch alle Kurse bis Jahresende voll belegt. Darunter übrigens auch ein Kurs speziell für Flüchtlinge, der im Oktober beginnen wird.
AVG: Alle Informationssysteme verbessert
Doch nicht nur die bessere Personalausstattung kommt dem Kunden zugute, auch die Infrastruktur wird weiter verbessert. „Wir drehen tagtäglich an vielen kleinen und großen Stellschrauben“, macht der technische Geschäftsführer der AVG, Ascan Egerer, auf weitere Serviceverbesserungen aufmerksam. So sei es endlich gelungen, die Fahrgastinformation an den Haltestellen so zu verbessern, dass auch ausfallende Stadtbahnen angezeigt werden. Außerdem werden laut Egerer seit April Verspätungsinformationen aller Straßenbahn- und Stadtbahnlinien auch über die Auskunftssysteme der Deutschen Bahn angezeigt. Zudem sei die Echtzeitinformation in den Auskunftsmedien der Deutschen Bahn verbessert worden.
Ein Teil der Stadtbahnwagen soll modernisiert werden, zudem sollen alle Fahrzeuge grundgereinigt werden, so die AVG.
Ab Dezember schneller nach Karlsruhe
Wie bereits angekündigt, ändern sich zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 Fahrzeiten und Linien: Künftig soll die S 51 bei Knielingen direkt in die Karlsruher Innenstadt fahren, die S 52 dagegen ergänzend als „Express-Stadtbahn“ ab Wörth zum Hauptbahnhof Karlsruhe und weiter in die Innenstadt. Die Fahrzeit von Germersheim in die Karlsruher Innenstadt soll bis zu zehn Minuten kürzer und Anschlüsse auf den Fernverkehr am Karlsruher Hauptbahnhof verbessert werden. Unverändert bleibe der morgendliche Berufsverkehr sowie der Fahrplan der S 5 (Karlsruhe–Wörth Dorschberg). Weitere Details nannte die AVG auf Nachfrage nicht. Außerdem gebe es Überlegungen, das Zusatzangebot über den Rhein, das im Rahmen der Rheinbrückensanierung seit Sommer vergangenen Jahres installiert wurde, zumindest teilweise zu erhalten.