Karlsruhe Ab in den Tunnel

Das gesamte Projekt auf einen Blick: Baudezernent Klaus Dillinger (links) und Martin Kallweit vom Bereich Stadtentwässerung.
Das gesamte Projekt auf einen Blick: Baudezernent Klaus Dillinger (links) und Martin Kallweit vom Bereich Stadtentwässerung.

Nächstes Jahr beginnt in Ludwigshafen das Projekt Hochstraßenabriss. Wer dann aber in der Nähe der Kurt-Schumacher-Brücke Bagger erwartet, wird enttäuscht. Denn vor dem Abbruch der Trasse geht es erst einmal unter die Erde. Für 17,7 Millionen Euro müssen Kanäle verlegt werden. Für sie wurde ein außergewöhnlicher Platz gefunden: ein stillgelegter Straßenbahntunnel.

Björn Berlenbach

(44) vom Bereich Tiefbau und Projektleiter „City West“ ist für einen Besuch unter Tage unser Schlüsselmeister. Zielstrebig findet er die Tür an der Straßenbahnhaltestelle Rathaus. Dann geht’s ein paar Stufen hinab. Es wird dämmrig – und ruhig. Bis 2008 fuhr hier die Linie 12 zwischen Hauptbahnhof und BASF. Ein Zettel in einem Schaukasten erinnert an vergangene Zeiten: „Ab dem 14. Dezember 2008 wird diese Haltestelle nicht mehr bedient.“ Doch schon bald wird die leere Röhre aus ihrem Dornröschenschlaf geholt. Dass dies so ist, liegt am 530-Millionen-Projekt Abriss der Hochstraße Nord und Bau der Stadtstraße. Denn bevor die 1,8 Kilometer lange Brückenkonstruktion der B 44, die die A 650 mit der Konrad-Adenauer-Brücke verbindet, abgerissen werden kann, „muss das Baufeld freigeräumt und Platz für die spätere Straßenbahnführung der Linie 6 geschaffen werden“, wie Baudezernent Klaus Dillinger (58, CDU) die Herausforderung beschreibt. Die ganz große Herausforderung liegt unter der Erde. Im Gebiet zwischen Ludwigsplatz und Brücken-Nordkopf liegen die Abwasserkanäle des Wirtschaftsbetriebs (WBL) und Leitungen der TWL. Das alles muss verlegt werden. Bis Oktober 2021 soll das fertig sein und allein 17,7 Millionen Euro verschlingen. Kopf der Planung ist Martin Kallweit (59) vom Bereich Stadtentwässerung. „Das Projekt hat alles, was der Kanalbau zu bieten hat“, sagt er gelassen. Und im Prinzip bietet es noch ein bissschen mehr. Denn die Leitungen bekommen im stillgelegten Straßenbahntunnel eine neue Heimat. Laut Kallweit sind von der Verlegung vor allem die Abwasserleitungen der Stadtteile Süd und Mitte betroffen. Da das System auf das Pumpwerk bei der WBL-Zentrale am Unteren Rheinufer ausgerichtet ist, müssen bei der Verlegung mehrere Höhenunterschiede bewältigt werden und am Ende alles so gestaltet sein, dass die Zuleitung weiterhin funktioniert. Es wurde lange geknobelt: „Bis die Idee aufkam, dass wir für die Verlegung ja den Straßenbahntunnel nutzen können“, sagt Dillinger. Die Idee überzeugte alle. „Im Vorfeld müssen dort Gleise, Oberleitungen und Signale raus. Das macht alles die RNV“, erläutert Berlenbach. Der WBL wird auf einer Länge von etwa 170 Metern eine Tunnelröhre für seine zwei Abwasserrohe (Durchmesser jeweils ein Meter) nutzen, die zweite Röhre ist für die TWL-Leitungen frei. Die Kanäle werden auf Schwerlastregale gelegt. „Es ist die wirtschaftlichste und effektivste Lösung, weil die Leitungen dann auch später sicher und nicht im Weg sind“, betont Kallweit. Dillinger ergänzt, dass Autofahrer von all diesen Arbeiten „wenig mitbekommen werden“. Teile des Kanal stammen von 1885, ohnehin wäre bald eine Sanierung fällig gewesen: „Die machen wir jetzt und haben dann 70 Jahre Ruhe“, so Kallweit. Der alte Kanal werde zugeschüttet: „Damit nichts einstürzt.“ Dillinger freut sich derweil: „Das ist der Beginn des großen Stadtumbaus.“ Auch wenn die Hochstraße erst ab 2023 abgerissen wird.

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