Ramstein-Miesenbach
Zwei Magier verzaubern das Publikum – im doppelten Sinn
Was die faszinierten Besucher am Sonntag im Ramsteiner Congress Center über rund zwei Stunden erlebten, war nicht nur übliches Entertainment, Show oder Revue. Die klar strukturierte und mit „Golden Ace“ betitelte Aufführung der beiden elegant gekleideten und rhetorisch gewandten Herren war mehr als ein historischer Streifzug durch ihr Metier: In der Etymologie wurzelt der Zauberer in der Überlieferung in Runen, was geheimes Wissen bedeutet.
Damit kommt man dem Spuk über herbei- oder weggezauberte Gegenstände und aufgelöste Knoten auf die Spur: Dahinter stecken nämlich viel Wissen, viel Können, lange Übung und intensive Vorbereitung, außerdem eigens präparierte Gegenstände sowie Bühnentechnik. Klingt alles plausibel und ist es doch nicht. Zumindest nicht in dieser Version einer raffinierten und sensationellen Aufmachung.
Souverän und forsch auftretende Zauberer
Die fast schon zirzensische Vorstellung hatte in den fundierten Erläuterungen zur verräterischen Körpersprache von Testpersonen auf der Bühne, zu der mit Autosuggestion und Hypnose erreichten Beeinflussung von Personen (aus dem Publikum?) auch den Charakter einer Lehrstunde durch verschiedene Formen und Genres eines traditionsreichen Berufs: Vom mittelalterlichen Gaukler auf Märkten über die Eroberung von großen Theater- und Kleinkunstbühnen bis hin zur Salonmagie boten die beiden souverän und forsch auftretenden Zauberer alles an Tricks und Kniffen sowie Effekten ihrer Zunft.
Und vielleicht sogar noch etwas mehr als gewohnt: Alexander Hunte und Martin Köster gaben in Ramstein auch in schauspielerischen Sketchen, als Conferenciers und sogar als Kammermusik-Duo mit einem Salonstück auf Cello und Klavier eine gute Figur ab: Alles hatte Stil, Niveau und Klasse und einen überaus hohen Unterhaltungswert. Die beiden bewiesen, dass ihre ständige Interaktion in Dialogform mit dem Publikum, das Einbeziehen von (scheinbar?) ausgewählten Personen und die Art der Selbstinszenierung auf ihrer aktuellen Tournee quer durch Deutschland nicht nur für verzauberte – und das im doppelten Sinn – sondern auch geschickt abgelenkte und getäuschte Zuschauer sorgen. Hunte und Köster beherrschen alle verbalen und handwerklichen Tricks und Kniffe, ziehen nicht nur das sprichwörtliche Ass aus dem Ärmel, sondern schütteln ganze Kartenspiele wie aus dem Nichts vor sich aus.
Ein Ring gelangt vom Finger in den Schuh
Der derzeit triste Alltag mit Hiobsbotschaften in den Zeitungen weltweit wurde von den Künstlern als reich sprudelnde Quelle anderer Inspiration genutzt, wie die Besucher in Ramstein erleben durften: Aus zusammengeknüllten Zeitungen wurden erlesene Flaschenweine gezaubert. Als weiteres beliebtes Feld zirzensischer Zauberei erwiesen sich Entfesselungsspiele, wenn selbst stramm gezogene vierfache Knoten durch einen Gast aus dem Publikum aufgelöst werden konnten. Ein Ring einer Besucherin gelangte von ihrem Finger plötzlich in den Schuh des Zauberers, und am Ende schwebte gar der für alle Utensilien benutzte Tisch durch den Bühnenraum. Man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und nur selten den Geheimnissen vermeintlich auf die Spur. Die beiden Magier gaben dem Publikum viele Rätsel auf und damit Anlass für hitzige Diskussionen auf dem Heimweg.