Kaiserslautern Zur Sache: Fantin-Latour und die Musik

Wie kaum ein anderer ist Henri Fantin-Latour der Maler der Musik. Sie führte ihn, der streng nach der Natur malte, ins Reich der Mythologie und Fantasie. „Latour und die Musik“, das wäre Thema für eine zukünftige Ausstellung, die auch eine über die künstlerischen Beziehungen in Europa, zwischen England, Frankreich und Deutschland werden könnte: Der Briefwechsel Fantin-Latours mit dem Frankfurter Maler Otto Scholderer, der in Paris, aber auch über 20 Jahre in London lebte, ist vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris herausgegeben worden und mittlerweile auch im Netz veröffentlicht. Mit Scholderer verband Fantin-Latour eine Freundschaft, von der ersten Begegnung 1848 bis zu Scholderers Tod 1902. Seine musikalischen „Hausgötter“ hießen neben Hector Berlioz Robert Schumann und Richard Wagner. Wird das Bild „L’anniversaire“ von Figuren aus dem Berlioz’schen Universum bevölkert – wie Romeo und Julia, Dido, Marguerite – so zeigt der Entwurf für eine Schumann-Hommage Manfred, Genoveva, Faust. Vor allem begeisterte Fantin-Latour sich für Wagner: Auszüge aus „Tannhäuser“, „Lohengrin“, „Tristan“ und dem „Holländer“ waren im Paris der 1850er Jahre zu hören, 1861 folgte der „Tannhäuser“-Skandal, der zur Absetzung der Oper führte, aber Fantin-Latour präsentiert 1864 eine „Tannhäuser“-Szene beim Salon. 1876 gehörte er in Bayreuth zu den Gästen der ersten „Ring“-Aufführung. Und doch: Mehr als zehn Jahre nach dem letzten Gruppenporträt entsteht 1885 noch ein solches, bei dem sich die Komponisten Emmanuel Chabrier, Vincent d’Indy, der Musikschriftsteller Adolphe Jullien und andere um den Flügel („Autour du piano“) scharen. Die aufgeschlagenen Noten stammen – von Brahms. |gil