Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Zum 110. Geburtstag: Pfalzbibliothek würdigt Leben und Werk des Künstlers Richard Menges

Zur Erinnerung an Emma Menges: Richard Menges hat das Bild seiner Mutter in Bronze verewigt. Zu bewundern in der Ausstellung, di
Zur Erinnerung an Emma Menges: Richard Menges hat das Bild seiner Mutter in Bronze verewigt. Zu bewundern in der Ausstellung, die die Pfalzbibliothek anlässlich Menges’ 110. Geburtstag zeigt.

Am 18. Mai wäre Richard Menges 110 Jahre alt geworden. Dies nimmt die Pfalzbibliothek zum Anlass, an das private und berufliche, schöpferische Leben des Lauterer Künstlers zu erinnern. Im März bereits eröffnet, stoppte Corona die Ausstellung jäh. Jetzt ist sie wieder offen. Ein Besuch.

Seine Biografie liest sich wie „So und nicht anders“. Kam doch Richard Menges (1910-1998) als Sohn, Enkel, Ur- und Ururenkel gestandener und über die Grenzen Kaiserslauterns hinaus renommierter Steinmetzmeister und Bildhauer zur Welt.

Geboren ist er in der Alleestraße 10, in seinem Elternhaus, das bis heute samt Atelier existiert. 1944 kriegsbedingt zerstört, baute Menges nach Krieg und Gefangenschaft sowohl das Anwesen wie auch den elterlichen Betrieb wieder auf. Ausgebildet an der Kaiserslauterer Meisterschule für Handwerker und an der Akademie für angewandte Kunst in München, hatte er sich zugunsten seines beruflichen Weges in der Heimat gegen eine akademische Weiterbildung entschieden.

Wildschweinrotte in Buntsandstein gemeißelt

Allerdings – und das bezeugen die überwiegend im öffentlichen Raum noch vorhandenen Arbeiten – kennzeichnet ein kreativ-künstlerisches Talent seine darstellende und gestaltende Handschrift, Zudem beinhalten jede Skulptur und jedes Relief historische Hintergründe. Beispielsweise zeigt die Ausstellung eine Fotografie der „Sieben Männer“ von Burrweiler, die als dort einzig Überlebende des 30-jährigen Krieges überliefert sind. Oder die stadtgeschichtlichen Motive auf den Außenseiten des Brunnens auf dem Otterberger Kirchplatz.

Das Gedenken an einen verunglückten Jungen aus Otterbach verewigte der Meister in Bronze auf Sandstein mit der Überlieferung des Ganymede, einer Figur der griechischen Mythologie. 1978 entstand das heute wohl bekannteste Menges-Werk: Mit der Wildschweinhorde, gemeißelt in heimischen Buntsandstein, dokumentierte er die eigene Heimatverbundenheit.

Ebenso moderne wie anrührende Bildsprache

Besonderes Augenmerk fällt auf den Bronzekopf seiner Mutter, dieses introvertierte Sinnieren eines wohl arbeitsamen Lebens. Auffallend modern in abstrahierendem Blickwinkel einer Draufsicht, überrascht ein Bronzemodell. Es zeigt die biblische Abendmahlszene. Das überlebensgroße Original von 4,50 Metern Höhe ist in der Paulskirche zu sehen. Die stilisierte Darstellung ähnelt dem Prinzip der Zeichentechnik, die in vereinfachtem Linieren das jeweils Wesentliche notiert.

Neben fotografierten Abbildern mehrerer Grabsteine auf Haupt- und Waldfriedhof lassen ebenso eine Reihe ausgestellter Papierzeichnungen – Motive sind etwa seine Alleestraße oder Familienporträts – den Künstler in Menges erkennen. Dem Besucher in der zwar kleinen, jedoch feinen Ausstellung begegnet dabei eine ebenso moderne wie anrührende Bildsprache. Es scheint, als ob zwischen Stein und Meißel, Papier und Stift ein tiefes sinn- und materialbezogenes Urvertrauen bestanden hat.

Lesenswerte Einblicke in eigene Vita hinterlassen

Ähnliches steht zwischen den Zeilen einer Reihe von Aufsätzen und Artikeln zur Heimat- und Stadtgeschichte aus der Feder Menges’ sowie humorvoll-melancholische Gedichte übers Dasein an sich. Seine Tochter Dorothea, die noch heute jenes Atelierhaus in der Alleestraße bewohnt, veröffentlicht zudem in Form einer Beilagenbroschüre die erzählten Erinnerungen ihres Vaters. Lesenswerte Einblicke in seine Vita, adressiert an seine beiden Kinder.

Wer die Ausstellung im Lesesaal besucht, entdeckt ein bemerkenswertes musisches Multitalent. Wie schön wohl wäre es gewesen, mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Info

Die Ausstellung wurde wegen der coronabedingten Schließung der Pfalzbibliothek bis Mitte September verlängert. Betreten nur mit Mund-Nasen-Schutz erlaubt. Geöffnet montags bis freitags von 9 bis 16 und samstags von 9 bis 14 Uhr.
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