Kaiserslautern Zuckerbrot und Peitsche

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Wie würden wohl die Musiker von Feuerschwanz das Weihnachtsfest begehen? Genaueres ist nicht bekannt – aber ganz bestimmt mit viel Met und noch mehr Lebensfreude. Das verspricht zumindest ihre neue Platte „Aufs Leben!“, mit der die musikalischen Recken derzeit auf großer Tour durchs Land ziehen. Am Freitag verschlug sie ihre Reise in den Cotton Club, wo sie die Fans mit spitzzüngigem Humor, herrlichen Trinkliedern und bühnenreifem Unsinn in Hochstimmung versetzten.

Eines steht nach diesem Abend fest: Die Erlanger Kombo kann sich auf ihre Lauterer Fangemeinde verlassen und das bei Wind und Wetter. Denn während einem draußen ein kalter Windsturm um die Ohren fegte, herrschten im voll besetzten Cotton Club eine Bruthitze, gepflegter Sauerstoffmangel und dichtes Gedränge vor der Bühne. Doch bevor das wilde Treiben der Feuerschwänze und ihrer Miezen so richtig losgehen konnte, zündete die Band Vogelfrey einen lauten Startschuss als Vorprogramm. Die Truppe hatte mit viel Spaß und guter Musik den Raum vom ersten Ton in Griff. „Schuld ist nur der Met“ und „Lebenslehre“ stimmten schon mal auf das abendliche Grundthema ein. Dank grantiger Gitarrenriffs und beschwingter Cello-Melodien absolvierten die Musikanten ihren 30-minütigen Auftritt mit Bravour. Die wachsende Spannung der Fans wurde schließlich von der Stimme des Hauptmanns erlöst: „Erhebet die Hände, erhebet eure Stimmen, tanzt mit uns, singt mit uns, wir stoßen an auf das Leben und den Untergang.“ Mit diesen verheißungsvollen Worten wurde das Klanggelage eröffnet, und sogleich schmetterte der Titeltrack „Aufs Leben“ durch den Club. Die Musiker liefen erstmals zu Hochform auf. Als die selbst ernannten Metvernichter ihre Trink-Hymne „In Vino Veritas“ anstimmten, gab es auch für das trinkfreudige Publikum kein Halten mehr. Ganz nach dem Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ wurde das Auditorium im gleichnamigen Song mit unbändiger Spielfreude belohnt und mit zynischen Verbalattacken gegen typische Mann-Frau-Beziehungskisten bestraft. Doch ein gebührliches Feuerschwanz-Konzert wäre nichts ohne die unterhaltsamen Showeinlagen, für die das Publikum als siebter Mann auf die Bühne geholt wird. So durfte eine junge Dame aus dem Gemenge bei „Herz im Sturm“ dem Prinzen Hodenherz die kalte Schulter zeigen, während dieser verzweifelt um ihre Gunst buhlte. Letztendlich zeigte das Herumscharwenzeln des Prinzen Wirkung: Die umworbene Dame belohnte seine Hartnäckigkeit mit einem Kuss. Liebesbekundungen der etwas anderen Art fanden in „Seemannsliebe“ statt. Dazu wurde ein junger Mann aus dem Publikum in ein freizügiges Matrosenkostüm gesteckt und auf einem aufblasbaren Gummiboot in die Fluten des Hände-Meeres losgelassen. Nach so viel Klamauk wurde es anschließend ernst. Als der Prinz die rührende Ballade „Auf Wiederseh’n“ für seine verstorbene Mutter anspielte, verstummte das Gegröle, und es wurden andächtig die Feuerzeuge gezückt. Nach dieser emotionalen Darbietung war es wieder an der Zeit für pure Lebensfreude. Dafür kamen natürlich nur metgetränkte Kracher wie „Metnotstand“, „Met und Miezen“ und „Frisch gezapft“ in Frage. Und nachdem die Fans ihre letzten Kräfte für die Zugaben mit „Der Druide“, „Latte“ und „Aufs Leben (Nach der Feier)“ mobilisierten, wurde das herrliche Gelage feuchtfröhlich beendet.

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