Kaiserslautern
Zoo-Direktor zu Känguru-Diebstahl: Diebe müssen sich mit Tieren auskennen
Ratlosigkeit allenthalben. „Wir können nichts tun, wir müssen jetzt mal abwarten, was die Polizei vielleicht herausfindet“, sagte der Zoo-Chef am Donnerstagnachmittag auf Anfrage. Noch am Abend zuvor war eine großangelegte Suchaktion angelaufen. Die blieb letztlich ohne Erfolg, lieferte aber eine wichtige Erkenntnis.
Denn nun lässt sich fast vollkommen ausschließen, was zunächst nahe lag: dass ein tierischer Räuber, etwa ein Fuchs, das Känguru geschnappt hat. Die Zooleitung hatte eigens zwei Jäger flottgemacht, die ihre Suchhunde mitgebracht hatten. Mehr als zwei Stunden lang sei im Zoo-Umfeld gespürt worden. „Die Hunde haben nirgendwo Schweiß ausgemacht“, erklärte Schmitt – Schweiß bedeutet in der Jägersprache Blut. Keinerlei Spuren waren zu finden, die darauf hätten schließen lassen, dass Mila einem Tier zum Opfer gefallen sei.
Zoodirektor geht von einer geplanten Aktion aus
„Das gab es ja auch schon“, sagte Schmitt. Vor vielen Jahren habe ein Fuchs sich ein Känguru geschnappt. „Der hat ihm den Kopf abgebissen und den Rest liegen lassen.“ Wäre ein Raubtier am blutigen Werk gewesen, man hätte im Gehege selbst Hinweise darauf finden müssen. Oder eben in unmittelbarer Nähe. Denn ein Raubtier hätte das Kleine rasch getötet, nicht lebendig und praktisch unversehrt weit weggeschleppt. „Wir haben hohe Zäune, überall Strom drauf. Wenn wir einen Kadaver gefunden hätten – gut; dann hätten wir uns Gedanken machen müssen, was wir verbessern können. Aber so ...“, sagte Schmitt, der mit seinem Latein am Ende ist.
Mithin gibt es nur eine Erklärung: Das Känguru ist von Zweibeinern gestohlen worden. Aber nicht etwa durch den Ausgang geschmuggelt. Der Zoodirektor erklärte, dass das wohl eine konzertierte Aktion gewesen sein müsse. „Einer fängt das Tier, stopft es in einen Beutel und wirft es über den Zaun.“ Draußen wartet ein Komplize. Verdachtsmomente, wer sich des kleinen Zoo-Stars bemächtigt haben könnte, gibt es laut Schmitt nicht. Es könnten aber keine „normalen“ Besucher gewesen sein: „Das müssen schon Leute sein, die sich im Umgang mit Tieren auskennen.“
Mila ist „heiße Ware“ und kaum an andere Zoos zu verkaufen
Was allerdings jemand mit einem Känguru anfangen sollte? Es mal eben an einen Tierpark in der Nähe verhökern? Undenkbar. „Das ist heiße Ware“, sagte Schmitt. „Womöglich ist es längst im Ausland. “ Auffallend sei ja, dass ausgerechnet das weiße Känguru-Baby verschwunden sei. „Wir haben ja noch zwei Kleine“, verwies Schmitt gestern seufzend darauf, dass wohl Übeltäter ganz gezielt zugegriffen, es auf ein besonderes Tier abgesehen haben. An einen Tierdiebstahl in Siegelbach kann sich Schmitt nicht erinnern. „So was gibt’s aber schon. Es ist sogar schon ein Delfin aus einem Zoo gestohlen worden. Oder zwei Löwenäffchen.“
Vermisst wird Mila seit Mittwochabend. Zuletzt gesehen wurde es nach momentanen Erkenntnissen am Morgen gegen 10 Uhr, als das Kleine den Kopf aus dem Beutel der Mutter gestreckt und sich einer Besucherin und deren Enkelin gezeigt habe. Als der Zoo am Abend schließen sollte, hatten Mitarbeiter bemerkt, dass das weiße Bennett-Känguru fehlte. Schnell war klar, dass da was nicht stimmen konnte, zumal sich Mila nicht freiwillig allzu weit von Mutter Monja entfernt hätte. Die Albino-Känguru-Dame aber war allein im Gehege.
Polizei hat Ermittlungen aufgenommen
Seit Wochen war das weiße Baby-Känguru eine Zoo-Attraktion. Albino-Exemplare sind selten; eine noch viel seltenere Konstellation ist es, dass ein weißes Tier auch weißen Nachwuchs zur Welt bringt. Denn der genetische Defekt, der die fehlende Pigmentierung mit sich bringt, wird nicht „dominant“ weitergegeben, wie es in der Vererbungslehre heißt, sondern ist „rezessiv“ – als Erbanlage also sehr wohl vorhanden, die aber selten zum Tragen kommt.
Die Polizei hatte bis gestern keine Hinweise darauf, wo das Känguru stecken könnte. Hinweise nimmt das Präsidium Westpfalz unter Telefon 0631/3692250 entgegen.