Kaiserslautern „Zeitliche Flexibilität ist ein Vorzug “

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Weilerbach. Frauen und Männer, die sich als Tagesmutter oder Tagesvater engagieren wollen, können sich ab Montag, 16. Januar, in einem mehrmonatigen Lehrgang von Kreisjugendamt und Kreisvolkshochschule Kaiserslautern (KVHS) dazu schulen lassen. Hans-Joachim Frank, KVHS-Leiter, beantwortet im Interview mit unserem Mitarbeiter Jonas Bredel Fragen rund um den Lehrgang.

Herr Frank, das Bundesland Rheinland-Pfalz hat durch verschiedene Gesetzesänderungen in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass die Kindertagesstätten (Kita) ausgebaut werden, sodass mehr Plätze zur Verfügung stehen sollen. Außerdem ist Rheinland-Pfalz laut Bildungsministerium das einzige Bundesland, in dem Plätze in einer Kita ab dem zweiten Lebensjahr kostenfrei sind. Für die Unterbringung bei Tagesmüttern oder -vätern müssen die Eltern jedoch einen Beitrag zahlen, es sei denn, es sind nicht genügend Plätze in der Kita vorhanden. Werden da überhaupt noch Tagesmütter und -väter gebraucht?

Das Interesse an einem Qualifizierungslehrgang zur Tagesmutter, zum Tagesvater ist groß. Das zeigt, dass auch dementsprechend viele Eltern ihre Kinder bei diesen unterbringen wollen. Mütter und Väter bringen ihren Nachwuchs nicht nur in eine Kindertagespflege, wenn in der präferierten Kindertagesstätte kein Platz frei ist. Besonders die zeitliche Flexibilität der Tageseltern ist für die Eltern ein Grund dafür, Kindertagespflegen Kindertagesstätten vorzuziehen. Meist nehmen Frauen und Männer, die selbst Eltern sind, Kinder auf. Wieso ist eine zusätzliche Qualifizierung trotzdem notwendig? In dem Lehrgang werden wichtige pädagogische Kenntnisse vermittelt. Zudem werden die Teilnehmer beispielsweise über Grundlagen der Ernährung und Kinderkrankheiten aufgeklärt und müssen ein Praktikum in einer Kinderbetreuungseinrichtung ableisten. Neben Sozialpädagogen und Erziehern gehört auch eine Rechtsanwältin zu den Referenten. Da Tagesmütter und Tagesväter mit den Eltern einen Vertrag eingehen, müssen sie sich ihrer Rechte und Pflichten bewusst sein. Praktizieren alle, die an diesem Lehrgang erfolgreich teilnehmen, später als Tagesmutter oder -vater? Nein, nicht alle. Einige melden sich an, um ihre eigenen Kompetenzen im Umgang mit Kindern weiterzuentwickeln. Manchmal nehmen auch Großeltern daran teil. Sie fungieren dann als eine Art Tagesmutter in der eigenen Familie. Jedoch möchte das Gros der Teilnehmer später gewerbsmäßig in einer Kindertagespflege tätig sein. Erzieher in Kitas müssen eine mehrjährige Ausbildung absolvieren, Tageseltern nur einen sechsmonatigen Lehrgang. Dabei übernehmen sie ähnliche Aufgaben. Wäre eine Ausbildung anstelle eines Lehrgangs nicht besser? Natürlich wäre sie das. Ursprünglich wurden Tagesmütter überwiegend eingesetzt, um Personalengpässe der Kindertagesstätten auszugleichen. Dieser Beruf ist quasi aus der Not heraus entstanden. Mittlerweile sehen viele Eltern die Kindertagespflege als ebenbürtige Alternative zu Kindertagesstätten an. Wie können sich Eltern sicher sein, dass ihr Nachwuchs bei einer Tagesmutter, einem Tagesvater gut aufgehoben ist? Das Jugendamt prüft die jeweiligen Einrichtungen, bevor Tagesmütter oder -väter Kinder darin betreuen können. Um ein Zertifikat zu bekommen, müssen die Teilnehmer 80 Prozent des 160 Stunden umfassenden Lehrgangs besuchen. Außerdem müssen diese eine mündliche und eine schriftliche Prüfung ablegen. Dadurch kann eine gewisse Qualität gewährleistet werden. Des Weiteren holen Eltern oder gegebenenfalls Großeltern die Kinder persönlich von der Tagespflege ab. Dadurch kommen sie mit den Tagesmüttern ins Gespräch. Sie erkennen dann oftmals selbst, ob die jeweilige Person geeignet ist. Dass sich ein enges Vertrauensverhältnis entwickelt, ist unabdingbar. Müssen die Tagesmütter über den Lehrgang hinaus an weiteren Prüfungen teilnehmen? Nein. Zwar treffen sich viele Tagesmütter und -väter auf freiwilliger Basis in Gesprächsrunden, um sich auszutauschen. Auch können sie an Fortbildungen teilnehmen. Diese Angebote sind aber nicht verpflichtend. Die Lizenz muss nicht erneuert werden. Welche rechtlichen Vorgaben haben Tagesmütter und -väter einzuhalten? Jede Tagespflege darf maximal fünf Kinder aufnehmen. Dabei dürfen Kinder nicht mehr als zehn Stunden pro Tag in einer Tagespflegeeinrichtung untergebracht sein. Bestimmte Uhrzeiten sind nicht festgelegt. Laut Bundesministerium gibt es derzeit 1800 öffentlich geförderte Tagespflegepersonen in Rheinland-Pfalz, die rund 4400 Kinder im Alter von unter einem bis 14 Jahren betreuen. Wie viele Tagesmütter und -väter sind im Landkreis Kaiserslautern tätig? Zurzeit sind 56 aktive Tagesmütter und Tagesväter mit Pflegeerlaubnis im Landkreis tätig. Was verdient jemand, der Kinder auf diese Weise betreut? Eine Tagesmutter, ein Tagesvater verdient im Landkreis Kaiserslautern im Schnitt 3,50 Euro pro Stunde. Da die Eltern einen Teil davon selbst bezahlen müssen und Plätze in einer Kindertagesstätte ab dem zweiten Lebensjahr für die Eltern beitragsfrei sind, kosten Kindertagesstätten die Kommunen mehr Geld als Kindertagespflegen. Termin Der achtmonatige Lehrgang findet ab Montag, 16. Januar, jeden Montag und Mittwoch von 19 bis 21.15 Uhr in der Westpfalzschule (In der Naßerde 30) in Weilerbach statt. Jeder Teilnehmer muss 20 Euro Kursgebühr und 20 Euro für Materialien dafür bezahlen. Zurzeit sind noch fünf Plätze frei. Die Teilnehmer brauchen keine besonderen Qualifikationen, um an dem Lehrgang teilnehmen zu können. Weitere Informationen gibt es bei der Kreisvolkshochschule unter der Telefonnummer 0631/7105295. |jrd

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