Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Zündstoff“: Neue Theatergruppe an der Uni feiert Anfang Februar Premiere

Belebt die Bühnenbretter auf dem Campus in Kaiserslautern: die Theatergruppe Zündstoff. Souffleur Erich Hach und Regisseurin Isa
Belebt die Bühnenbretter auf dem Campus in Kaiserslautern: die Theatergruppe Zündstoff. Souffleur Erich Hach und Regisseurin Isabelle Boslé verfolgen die Szene auf der Bühne. Dort agieren (von links) Victoria Titze, Svenja Ehmsen, Eric Etter, Julian Stieß, Magdalena Allmann und Jakob Janisch.

„Zündstoff“ nennt sich eine Gruppe theater-affiner Studenten und Universitätsmitarbeiter, die mit ihrem Namen Feuerwerk assoziiert. Zünden soll das Stück „Die Monogamie der Socken“. Die erste Aufführung steht Anfang Februar an. Beim Probenbesuch ist zu erfahren, wie es zur Gründung des Ensembles kam – und wer dahinter steht.

Es ist Samstagmorgen. Hin- und Hergewusel auf der Bühne des Audimax. Vielschichtig tönender Geräuschpegel in Hörsaalakustik: Räumaktionen scheppern und poltern. Papierarbeiten rascheln. Lachen schallt. Zuruf hallt. Mittendrin Isabelle Boslé. Ob antwortend oder ansagend – die Initiatorin und Regisseurin des „Zündstoffes“ drückt aufs Tempo. Kaum Pause für Kaffee und Kuchen am Bühnenrand.

Anderthalb Stunden später kehrt im Ensemble Ruhe ein. Die auffallend minimalistische, teils aus Attrappen gebaute Bühnenkulisse steht. Und dann ist es soweit. Die erste Durchlaufprobe überhaupt beginnt. Direkt vorm Bett am Küchentisch sitzen Felix (Jakob Janisch) und Paula (Magdalena Allmann) ziemlich knittrig in Pyjama und Morgenmantel.

Das Gespräch hakt. Sein Redeschwall wirkt eher gelassen. Ihr Kontra stichelt. „Siehst müde aus, Puffelchen (…). Schlecht geschlafen?“ – „Baulärm“. – „Wieso Bau?“ – „Nächtliche Sägearbeiten (…). Du hast geschnarcht“. – „Ein für alle Mal: Ich schnarche nicht.“ Ein offensichtlich eingeübtes Hin und Her auf der Ursachensuche für das Schnarchens. Ein Vorgang, den Felix „doch lieber nächtliche Signallautgebung“ nennt. Basierend auf seiner These, dass dieses Phänomen für das Überleben der Spezies Mensch sorge. Was dazu am Ende die Pointe offenbart, bleibe an dieser Stelle unerwähnt.

Aus ihrem Improvisationskurs ist die Theatergruppe hervorgegangen: Initiatorin und Regisseurin Isabelle Boslé
Aus ihrem Improvisationskurs ist die Theatergruppe hervorgegangen: Initiatorin und Regisseurin Isabelle Boslé

Dieses Szenario belegt beispielhaft Sprachmilieu und Umgangsstil im Stück, das die Geschichte eines verkappten Schriftstellers, einer Hals-, Nasen-, Ohrenärztin sowie einer Allgemeinmedizinerin, eines Sportjournalisten und zweier Wirtsleute erzählt, die jeweils liiert und paarweise miteinander befreundet sind. Sie gewähren Einblick in Beziehungskisten zwischen Liebe, Mord und Chaos, in denen Emanzen, Machos und Finanzen eine Rolle spielen.

Svenja Ehmsen, Julian Stieß, Eric Etten, Marie Bednarz, Magdalena Allmann, Jakob Janisch und Victoria Titze stehen auf der Bühne, wo sich das Geschehen um Hölle und Höhle, Fürsorge und Blödsinn, Küchentisch und Arztpraxen, Wirtsstuben oder ums Telefonieren dreht, um nur ja all das Gehörte brühwarm den Freunden erzählen zu können. Markant das Ping-Pong-Konzept der Dialoge. Es kokettiert mit knappster Redezeit und hochkonzentrierter Textdichte, anstatt Szenen auszuspielen.

Die Herren dürfen sich eigenen Denkarten hingeben

Besonders den Herren gönnt der Autor Raum, sich den jeweils eigenen Denkarten hinzugeben. Etwa was den Kauf schwarzer Socken betrifft. Weibliche Logik kontert damit, dass die „Monogamie der Socken“ auch für Schwarz gelte. Damit stand für Autor Volker Dobenstein der Titel des Stücks fest: „Die Monogamie der Socken“. Fest stand bald auch die erfolgreiche Stückauswahl der „Zündstoff-Truppe“.

Im Brotberuf Künstlerischer Projektleiter bei Enjoy Jazz, widmet sich der Heidelberger Dobenstein freiberuflich den Genres Theater, Kabarett, Chanson sowie Belletristik, Kulturjournalismus, Ghostwriting und Werbetexten. Der Germanistik und Politikwissenschaftler entdeckte seine Neigung zu Theatermanuskripten in Coronazeiten. Der erste Versuch mündete im Socken-Thema und damit vor allem bei Amateur-Ensembles.

Autor besucht gern Proben und Premieren

Nichtsdestotrotz ist es schwer zu spielen. Denn die sogenannten Screwball-Komödien lassen kaum Zeit für ausschweifendes Spiel. Die Dialoge kommen kurz und rasant direkt auf den Punkt. Dobenstein sitzt an diesem Morgen als einziger Gast im Auditorium und erzählt: „Ich mag die Leidenschaft, mit der Amateure spielen wollen, ich schätze deren Authentizität, deren erfrischende Lebendigkeit, ohne dass sie sich auf professionelles Handwerk berufen. Deswegen komme ich gern zu Proben und Premieren.“ Dieses Mal trifft der Autor auf eine Truppe, die sich frisch ans Schauspielfach wagte.

Angefangen hatte alles mit der Teilnahme an Isabelle Boslés Impro-Kurs im Campus Kulturprogramm. Waren es ursprünglich zwölf, so kommen heute 24 Interessierte. Im Kurs kam wissbegieriges Fragen zu rhetorischem wie schauspielerischem Können auf. Das entwickelte sich bis hin zum Wunsch eines Rollenstudiums, eigentlich konträr zum Improvisieren.

In dem Stück kommen allerlei Themen auf den Tisch. Die Szene zeigt (von links) Julian Stieß, Jakob Janisch, Magdalena Allmann, S
In dem Stück kommen allerlei Themen auf den Tisch. Die Szene zeigt (von links) Julian Stieß, Jakob Janisch, Magdalena Allmann, Svenja Ehmsen, dahinter Eric Etten.

Fehlte es Campus Kultur zunächst am Budget, gab Geschäftsführerin Ulrike Annecke für die Saison 2023/2024 grünes Licht für eine zweite Theatergruppe an der RPTU. Liebhaber des Jungen Theaters oder der Pälzer Komödie Landstuhl könnten Isabelle Boslé bereits kennen. Dort ging die gebürtige Lautererin erste Schritte in Richtung ihres Traumberufs.

Doch es sollte nicht klappen. Parallel zu Schauspielkursen schloss sie eine Lehre zur Konditorin ab, bekam eine Sprechrolle in „Helden von Bern“ und verdiente sich in der Statisterie ein Einkommen. „Besonders Regisseurin Iris Beyer förderte mich“, blickt Boslé heute zurück.

Ihr Lebensweg führte nach Stuttgart. Dort studierte sie an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HMDK) am Institut für Sprechkunst und Kommunikationspädagogik – und blieb vier Jahre. „Sie waren die bisher schönsten meines Lebens.“ Mit der Leitung des Zündstoff-Ensembles wählte sie nun eine neue Herausforderung an der Seite der Bühne statt wie bislang auf den Brettern.

Termine

Die Premiere findet am 3. Februar, 19 Uhr, im Audimax auf dem Campus der RPTU in Kaiserslautern statt. Weitere Termine am Mittwoch und Donnerstag, 7. und 8. Februar. Der Vorhang hebt sich jeweils um 20 Uhr.

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