Kaiserslautern Wurzeln zwischen Beton und Steinen

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Pionierarbeit ist nicht alleine den Menschen überlassen. Auch Pflanzen breiten sich auf bislang unbesiedelten Flächen aus. Um diese Pioniere, Wegbereiter oder Bahnbrecher geht es im heutigen Teil der „Marktplatz“-Serie.

Pionierhabitate, also Standorte, an denen erstmals Pflanzen auftreten, sind im Siedlungsraum an jeder Ecke beziehungsweise in jeder Pflasterritze zu finden. Aber auch auf größeren Flächen entstehen sie durch Bodenbewegungen oder durch längere Nichtnutzung auf brach gefallenen Gewerbe- oder Industriestandorten. An einigen Stellen macht sich gar „städtische Wildnis“ breit. Gemeint sind spontan entstandene urban-industrielle Habitate mit Tritt- und Mauervegetation oder typischer Vegetation gestörter Standorte und Vorwälder auf Stadtbrachen. Die urbane Flora zeichnet sich durch wärme- und trockenheitsangepasste, kalkliebende oder störungsresistente Pflanzen mit effektiven Ausbreitungsmechanismen aus. Das kann unter bestimmten Bedingungen sogar zu hohen Artenzahlen auf städtischen Brachflächen führen. Die spontane Erstbesiedlung vegetationsfreier Flächen erfolgt dabei durch sogenannte Pionierpflanzen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Arten, die ihren Samen mit dem Wind verbreiten. Solche Pionierarten haben aber noch weitere besondere Anpassungsmöglichkeiten, die ihnen Vorteile gegenüber anderen Pflanzen verschaffen: schnelle und hohe Samenproduktion, schnelle Keimfähigkeit verbunden mit schnellem Anwachsen, schnelles Wachstum im Jugendstadium und hohe Individuenzahlen. Diese Pflanzen ertragen gleichzeitig ungünstige Umweltfaktoren wie schlechte Bodenqualität und Nährstoffversorgung, hohe Lichtintensität und so weiter. Das macht sie zu Vorreitern bei der Neubesiedlung bisher vegetationsfreier Flächen. In der Regel beginnt dies mit krautigen Pflanzen. Aber gerade auf nährstoffarmen Standorten kann es zu einer schnellen Dominanz von Gehölzen kommen. Die Pionierpflanzen tragen zur Bodenbildung bei. Viele Pionierpflanzen haben kräftige, tief greifende Pfahlwurzeln. Ihr Wurzelsystem ist hohen mechanischen Belastungen gewachsen und kann Gewebeschäden schnell heilen. Zu den typischen Gehölzarten mit Pioniercharakter gehören die Hänge-Birke (Betula pendula), die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), die Eberesche (Sorbus aucuparia), die Europäische Lärche (Larix decidua), die Espe (Populus tremula) und die Salweide (Salix caprea). Als Pionierpflanzen stellen insbesondere die Weiden geringe Ansprüche an ihre Umgebung. Sie nutzen mehrere Methoden der Ausbreitung. Unspektakulär, aber besonders raffiniert ist die ungeschlechtliche Vermehrung aus Teilstücken der Mutterpflanze durch Stockausschläge oder unterirdische Ableger. Aber auch eine Verbreitung durch Samen erfolgt recht häufig. Speziell für die Windverbreitung besitzen diese lange Flughaare. Ein Gramm Samen, beispielsweise der Salweide, enthält etwa 9000 Samenkörnchen. Als Pionier wächst sie auf Brachflächen, Schutthalden und in Kahlschlägen auf lehmigen und steinigen Rohböden. Typisch für sie ist das flache Wurzelsystem. Aus Strauchbeständen können bis zu zehn Meter hohe Bäume werden. Die Blüten erscheinen lange vor dem Laubaustrieb als die beliebten Weidenkätzchen. Sie stellen im Frühjahr eine der ersten und wichtigsten Nährpflanzen für Wildbienen dar.

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