Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Wunderliche Wege ins Pfalztheater“: Ein kreatives Projekt für Jugendliche

Vom Fackelbrunnen aus führt der Weg über die „I love KL“-Skulptur zum Pfalztheater – und alles ist Teil des Theaterstücks.
Vom Fackelbrunnen aus führt der Weg über die »I love KL«-Skulptur zum Pfalztheater – und alles ist Teil des Theaterstücks.

„Wir sind hier, wir sind laut“: Inspiriert von „Alice im Wunderland“ ist das Stück, das aus einem Jugendprojekt des Pfalztheaters entstanden ist. Es soll Kinder stark machen.

Mehr als ein halbes Jahr haben 26 Kinder und Jugendliche für ein eigenes Projekt im Pfalztheater intensiv geprobt und dabei nicht nur für sich selbst einen kreativen Zugang zum Theater und zur Kultur geschaffen. Am Samstagnachmittag durften deren Familien als erste Zuschauer die Premiere von „Wunderliche Wege ins Pfalztheater“ erleben.

Das Projekt wurde von der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche gefördert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ finanziert. Neben dem Pfalztheater beteiligten sich in Kaiserslautern die Lebenshilfe, das Evangelische Jugendhilfe und die Stadt. Die Leitung übernahm die Schauspielerin Josephine Raschke. Das Ergebnis ist ein Stationen-Theater, das im Stadtraum beginnt und von dort ins Theater führt.

„Wir wollen, dass ihr uns anschaut“

Die Spannung bei der Premiere ist hoch, sowohl unter den am Fackelbrunnen wartenden Eltern als auch unter den Schauspielern im Haus. Und dann geht’s los. „Wir sind hier, wir sind laut, wir wollen, dass ihr uns anschaut“, rufen die jungen Mimen und umkreisen den Fackelbrunnen. „Seid freundlich zueinander, ob jung oder alt“, heißt es dann und sie führten ihre Zuschauer zur „I love KL“-Skulptur vorm Theater.

Der Aufenthalt dort ist kurz. „Kommen Sie, kommen Sie“, drängen die jungen Aktiven. Im Pfalztheater seien alle herzlich willkommen, versichern sie, während sie rosa, grüne und blaue Kieselsteine für die Teilnahme an den anstehenden Führungen verteilen.

Auf den Spuren von Lewis Carrolls Werk „Alice im Wunderland“, das Themen wie Selbstfindung und Akzeptanz der eigenen Identität in einer Welt voller widersprüchlicher Regeln behandelt, ist die Garderobe im Eingangsbereich die erste Station im Haus: Die Mitarbeiterin, die dort eigentlich die Jacken aufhängen sollte, scheint zu schlafen. Stattdessen stürmt ein „Hase“ auf der Suche nach einem weißen Fächer durch die Menge. „Die Zeit ist reif“, schreit er.

Verrücktheiten an jeder Station

Nächste Station: Im Foyer der Freunde sind die Zuschauersitze blitzschnell besetzt. Der Hase ist unerbittlich und fordert: „Auf den Stühlen sitzt man gerade.“ Die Szene mit dem Drehstuhlschach und der Begegnung zwischen der Herzkönigin und Maggie scheint heikel zu sein – einige Zuschauer räumen Verständnisprobleme ein.

Im oberen Foyer geht es um die Brezel. Rachel holt sich eine Brezel und während sie mit Mila auf die Toilette geht, futtert Lucia sie auf. Zoff ist unvermeidlich und nur das „Wunderland“ kann jetzt helfen. Dort ist jedoch das „Gaga-Gericht“ im Gange.

Nach einer guten Stunde, die mit einem Abstecher in den Publikumsraum endet, werden die jugendlichen Schauspieler mit viel Schlussapplaus gefeiert. Ein Theater zu suchen und Menschen zu treffen, die dort arbeiten, erfordere Mut – das nehmen die Eltern als Hinweis von der Bühne mit. Dazu gibt es die Anregung, gemeinsam eine Welt aufzubauen, in der das Kind ins Theater geht.

Die junge Schauspieler haben große Ziele

„Ich liebe meine Rolle, es hat Spaß gemacht; vor allem das Schreien“, gesteht die zwölfjährige Charlie nach ihrem ersten öffentlichen Auftritt – als Alice sowie als Herzkönigin. Im November wird sie auch in der „Peter Pan“-Inszenierung mitspielen.

Er habe als „Hutmacher“ eine sehr anstrengende Rolle gehabt, sagt Frederik, ebenfalls zwölf Jahr alt. Er werde jetzt wahrscheinlich erst einmal eine Pause einlegen, danach aber weitermachen mit dem Schauspielen. Sein Wunsch: Schauspieler fürs Fernsehen zu werden.

„Ihr habt ganz lange dafür gearbeitet und das hat sich gelohnt“, würdigt Daniel Böhm, der künstlerische Direktor des Hauses, die Leistung der jungen Darsteller. Jeden einzelnen von ihnen verabschiedet er mit einem Handschlag. So ein Projekt brauche extrem viel Liebe und Zusammenarbeit, dankt Spielleiterin Josephine Raschke den engagierten jugendlichen Teilnehmern. Am nächsten Sonntag, 2. November, wird es noch einmal bunt mit diesem ersten Theaterprojekt für mehr kulturelle Teilhabe, an dessen Fortsetzung laut Pfalztheater bereits gearbeitet wird.

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