Kaiserslautern Wochenend-Kolume: Was eine arme Stadt retten kann
Achtung bei der Briefwahl
Die Bundestagswahl am 23. Februar ist in diesen Tagen vielerorts das Gesprächsthema. Da ist beispielsweise die Sorge darüber, dass das mit der Briefwahl richtig schiefgehen kann. Eine Freundin, die in Heidelberg lebt, hat die Wahlpapiere längst erhalten. In Kaiserslautern aber werden die Wahlunterlagen erst ab dem 7. Februar versendet. Wer nach deren Zustellung dann erst die Briefwahlzettel postalisch anfordert, kann schnell in die Bredouille kommen. Denn so zuverlässig wie einst ist die Post schon lange nicht mehr. Deshalb: Am besten jetzt schon darum kümmern. Seit 15. Januar kann bei der Stadtverwaltung die Briefwahl beantragt werden. Das Briefwahlbüro im Rathausfoyer wird ab dem 10. Februar besetzt sein. Vielen Kaiserslauterern, das habe ich zuletzt in Gesprächen immer wieder rausgehört, ist dieser Umstand nicht ganz klar.
Die Erststimme zählt
Ganz klar ist vielen Menschen auch nicht, dass die AfD darauf spekuliert, im Bundestagswahlkreis Kaiserslautern das Direktmandat zu holen. Damit könnte die Westpfalz unter Umständen der erste Wahlkreis im Westen der Republik sein, der blau wird. Dass die AfD sich gute Chancen erträumt, lässt sich daran ablesen, dass die Landes-AfD am Freitagabend vor der Bundestagswahl ihre zentrale Abschlussveranstaltung auf dem Stiftsplatz abhält. Wenn das mal kein Zeichen sein soll. Bei der letzten Bundestagswahl hatte Matthias Mieves von der SPD den Wahlkreis gewonnen, mit 33,9 Prozent der Stimmen. CDU-Kontrahent Xaver Jung unterlag mit 21,5 Prozent. Das drittbeste Ergebnis bei den Erststimmen verbuchte im Jahr 2021 AfD-Kandidat Marco Staudt mit 12,1 Prozent. Wer sich die aktuellen Umfragewerte zur Bundestagswahl genau anschaut und weiß, dass auch die kleineren Parteien allesamt einen Direktkandidaten aufbieten, kann sich ausrechnen, was eintreten kann.
Bürger nicht unterschätzen
Öfter mal mit etwas rechnen, das sollte auch die Stadtverwaltung. Ich denke da an bürgerschaftliches Engagement. Das ist mir beim diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt in der Fruchthalle mal wieder in den Sinn gekommen. Die gute Stube ist einmalig mit ihren Ausmalungen an Decke und Wänden. Doch was viele als Selbstverständlichkeit erachten, ist das Ergebnis eines besonderen Einsatzes. Der frühere Bau AG-Chef Guido Höffner, die spätere Vorsitzende des Vereins Baukultur und Stadtgestaltung Karin Kolb sowie Dieter Burghaus, früher für Denkmalschutz bei der Stadt zuständig, waren es, die sich vor vielen Jahren dafür eingesetzt haben, dass die Fruchthalle zu dem wird, was sie heute ist: ein Schmuckstück. Warum ich darüber schreibe? Weil es mit Sicherheit noch viel mehr Kaiserslauterer gibt, die sich finanziell einbringen würden, wenn man sie fragen und dann auch wertschätzen würde. Ich denke da beispielsweise an das anstehende Stadtjubiläum. Warum lässt sich ein Großteil dessen, was da kommen soll, nicht über Spenden und Sponsoring finanzieren? Den Rheinland-Pfalz-Tag 2013 hatte der damalige Oberbürgermeister von Kaiserslautern, Klaus Weichel, abgesagt: Kein Geld, Kaiserslautern kann sich das nicht leisten, argumentierte er damals. Der OB der Stadt Pirmasens hieß seinerzeit Bernhard Matheis. Der wusste, dass seine Stadt mindestens genauso arm dran ist. Er setzte aber auf die Unterstützung aus der Bürgerschaft – und sollte Recht behalten. Unternehmen, Privatleute und Stiftungen engagierten sich. Das sei ein wunderbares Zeichen für eine ganz starke Identifikation mit der Stadt, befand Matheis. 80 Prozent der Kosten für das Spektakel, das der Schuhstadt gut getan hat, übernahmen Spender und Sponsoren. Darüber sollten alle nachdenken, die jetzt schon den Kopf in den Sand stecken und behaupten, Kaiserslautern könne sich teure Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum nicht leisten.