Kaiserslautern Wo Könige einst Hof hielten
Kollweiler. Fränkische Könige machten dort einst Rast auf ihren Reisen durchs Reich, Schöffen kamen in seiner Nähe zusammen, um Gericht zu halten: Der Gosenbergerhof bei Kollweiler hat eine lange Geschichte. Heute wird dort hauptsächlich gewohnt und die Siedlung wächst immer mehr mit der Ortschaft zusammen.
Der Gosenbergerhof liegt südlich des Galgenberges und östlich von Kollweiler, dem kleinsten Dorf in der Verbandsgemeinde Weilerbach. Die Gegend hat eine reiche geschichtliche Vergangenheit. Nach den Kelten siedelten hier die Römer, die in der Nähe sogar zwei Kastelle anlegten. Zudem führten hier alte Heer- und Handelsstraßen vorbei, die von Metz über Saarbrücken und Kaiserslautern nach Worms und Mainz gingen. Als die Franken das Land erobert hatten, diente die keltische und römische Straße auch deren Königen und Truppen bei ihren Reisen und Kriegen. Da sie dabei mit ihrem Gefolge nur Tagesstrecken von etwa 20 Kilometer zurücklegen konnten, ließen sie an den Wegen Gehöfte anlegen, die für die Verpflegung und Unterkunft der Durchziehenden zuständig waren. Von der wichtigen Ost-West-Verbindung zweigte bei Lautern eine Nebenstraße ab, die über Rodenbach nach Kusel und Trier führte. Unweit dieses Verkehrswegs entstand am Berg des Gozo ein fränkischer Königshof, der nach einem altdeutschen Personennamen benannt war. Dem Königshof war ein Bauerngut zugeordnet, das für den durchreisenden Herrscher oder seine Boten zu sorgen hatte. Die königliche Domäne wurde von einem Beamten verwaltet. In welchem Jahr die Hofanlage entstand ist nicht bekannt. Die späteren Städte Lautern, Landstuhl und Waldmohr, die ihre Entstehung gleichfalls dem alten Straßennetz verdanken, werden um 850 erstmals urkundlich erwähnt. Obwohl der Hof vermutlich zur gleichen Zeit vorhanden war, wird er erst viel später in alten Dokumenten genannt: 1313 und 1393 als Gossenberg, 1580 zusammen mit Collweiler, 1590 „uff dem huben“ zu Hildenborn oder Gosenberg, 1610 schließlich als der „Hoff zu Gosenberg“. Der Gosenberg hatte jedoch nicht nur eine wirtschaftliche und militärische Rolle als Etappenstation an der Völkerstraße, als Raststätte nach einer Tagesreise. In der Nähe des Sicherungspostens und des Versorgungsplatzes, wo sich zwei Hochstraßen kreuzten, wurde schon in fränkischer Zeit auch eine Dingstätte, also eine Gerichtsstätte angelegt. An der Kreuzung, wo die Gemarkungen von Kollweiler, Rothselberg, Frankelbach, Obersulzbach und Erzenhausen zusammentreffen, kamen im Mittelalter die Schöffen mehrmals im Jahr zusammen, um Gerichtstag zu halten. Der nahe Galgenberg war die Hinrichtungsstätte, die von vielen Gemeinden der Umgebung genutzt wurde. Die Flurnamen Galgenberg, Hochgericht und Rabenacker erinnern noch heute an die Stelle, wo einst die Todesurteile vollstreckt wurden. Der Hof Gosenberg und das Dorf Kollweiler gehörten im Mittelalter zum Amt Reichenbach. Unter der Herrschaft der Veldenzer wurde das Amt Reichenbach mit dem Amt Theisberg vereinigt. In einem Dokument von 1393 überschrieb Graf Friedrich von Veldenz seiner Gemahlin Margarethe von Nassau im Falle seines Todes die Einkünfte aus dem „Richenbecher und Deinßberger ambt“. Im 16. und 17. Jahrhundert zählten die Ortschaften zur Schultheißerei Reichenbach oder zum Jettenbacher Gericht. Im 18. und 19. Jahrhundert waren auf dem Gosenbergerhof die Familien Fell, Geib, Jung, Laveaux, Lenardt und Streich vertreten, die das Anwesen bewohnten und bewirtschafteten. Das einst fränkische Gehöft auf der Anhöhe neben Kollweiler hat sich im Lauf der Zeit jedoch wesentlich gewandelt. Der Gosenbergerhof besteht heute aus mehreren Straßen mit zahlreichen Häusern, alten Sandsteinbauten und modernen Villen. Die einstige bauliche Lücke zwischen dem Hof am Berg des Gozo und dem Dorf Kollweiler ist praktisch geschlossen. (khs)