Wo isst Kaiserslautern?
Wo Gemütlichkeit auf kräftige Küche trifft: So speist der Gast im Mediterran
Der erste Eindruck täuscht beim Mediterran in Kaiserslautern. Denn von außen ist das Haus an der Hauptverkehrsstraße und gegenüber einem großen Parkplatz gelegen nicht unbedingt eine Augenweide. Dafür strahlt der Gastraum Gemütlichkeit aus – Holztische und -stühle, schwarze Ledersessel dazu und ein rustikaler Buffetschrank neben der Theke. Die Wände kommen in klassischen mediterranen Farben daher – dazu gibt es jede Menge bunte Bilder zu bestaunen. Einziges kleines Manko in dem nicht allzu großen, recht eng gestellten Raum: Im Mediterran kann es laut werden, insbesondere wenn alle Tische belegt sind.
Für 35 Euro kann sich der Gast sein eigenes Drei-Gänge-Menü zusammenstellen: Zur Auswahl stehen – unabhängig vom Einzelpreis – alle Vor-, Haupt- und Nachspeisen auf der Karte. Die Gerichte sind inspiriert von der klassischen Balkan-Küche, aber auch italienische Einflüsse sind vorhanden. Die Karte bietet daher vor allem Fleisch und Fischvarianten, nur zwei Hauptgerichte für Vegetarier.
Vorneweg gibt es einen Gruß aus der Küche
Wer sich für das Menü entscheidet, sollte allerdings guten Hunger mitbringen, denn die einzelnen Gänge kommen durchaus üppig daher. Ein kleiner Gruß aus der Küche – ein paar Scheiben Brot mit einem würzigen Aufstrich – verkürzt die Wartezeit, die für ein frisch gekochtes Essen angemessen ausfällt. Zum Entrée fiel unsere Wahl auf Räucherlachs und Vitello tonnato. Auf einer Schicht Dillcreme aus Schmand mit kleinen Kartoffelstückchen und Avocado thronen dicke Scheiben Räucherlachs, die von Paprikawürfelchen, Tomaten sowie frischem Schnittlauch und Dill gekrönt werden. Schon optisch ist die Vorspeise ein Gedicht, das mit dem dazu gereichten frischgebackenen Brot nicht nur den ersten Hunger stillt.
Auch das Vitello tonnato – wie der Räucherlachs von der Tageskarte – ist gelungen. Unter der Thunfischcreme ist eine durchaus üppige Menge Kalbfleisch angerichtet. Garniert ist der Teller mit Kapern (klassisch), einem kleinen Salatbouquet in der Mitte, Paprikawürfelchen und ein wenig Schnittlauch drum herum. Der Thunfisch ist gut schmeckbar, ist aber nicht aufdringlich, verdrängt den Geschmack des Kalbfleisches nicht. Meckern auf hohem Niveau: Die Soße könnte noch ein wenig sämiger sein, das tut dem Geschmack aber keinen Abbruch.
Wie bei Freunden
Auch das Champignonschnitzel weiß zu überzeugen: Die zwei knusprig panierten Stücke vom Schweinerücken wurden nicht in der Fritteuse, sondern in der Pfanne gebacken. Dazu gibt es eine delikate Soße mit frischen Pilzen und Butternudeln. Auch das Dressing zum Beilagensalat mit Parmesanspänen ist lecker.
Wir wählen außerdem Schweinelende in Mandelkruste mit Gorgonzola-Soße und Trüffel-Kartoffel-Stampf. All das mundet hervorragend, sieht außerdem schön aus. Die Komponenten sind toll aufeinander abgestimmt, der italienische Blauschimmelkäse passt hervorragend zu dem Fleisch und der buttrig-krossen Panade, die aus groben Mandelstücken und Cornflakes besteht. Der Stampf ist nicht nur gespickt mit kleinen Karottenstückchen, die leichte Trüffelnote macht den Teller zu etwas Besonderem. Alles ist fein abgeschmeckt, harmoniert prächtig miteinander.
Inhaberin Vladanka Redzepovic – die viele Jahre Gastronomieerfahrung hat, früher in Winnweiler den Bierkrug betrieb – kümmert sich gerne um ihre Gäste, ist meist für ein Schwätzchen zu haben, wenn sie nicht gerade selbst in der Küche steht. Die nette aufmerksame Bedienung hat für jeden Gast ein Lächeln übrig. Wer ins Mediterran geht, fühlt sich schnell wie bei Freunden am Küchentisch.
Süßes Finale und Schnaps zum Abschluss
Kommen wir zum Abschluss: Das süße Finale verspricht auf der Karte einen Verwöhnmoment mit Überraschung. Denn was auf den Teller kommt, entscheidet sich tagesaktuell nach Laune der Wirtin beziehungsweise den eingekauften Zutaten. In unserem Fall gibt es ein kleines Stückchen Baklava, honigsüß und nussig, außerdem Vanilleeis und ein Stückchen Cremeschnitte – zwei Schichten lockerer Biskuitteig gefüllt mit Vanillecreme und einer feinen Schicht Himbeermarmelade oben drauf. Ein echtes Gedicht.
Sliwowitz – ein Zwetschgenschnaps – oder lieber ein süßerer Julischka? Mit dieser Frage zieht der Wirt stets verschmitzt grinsend nach dem Essen von Tisch zu Tisch. Wir entscheiden uns für den weniger hochprozentigen Julischka, eine kroatische Likörspezialität, die traditionell aus einer Mischung des Pflaumenbranntweins Sliwowitz und dem Birnenlikör Kruškovac hergestellt wird.
Zum Abschied gibt es für jeden Gast aus einem großen Korb ein gefärbtes Osterei.
Im Sommer öffnet das Restaurant übrigens einen kleinen Biergarten im Hinterhof. Wer dort einen der wenigen Tische ergattern möchte, sollte unbedingt rechtzeitig reservieren.