Kaiserslautern
Wirtschaftswissenschaften gehört an der TU zu den renommiertesten Fachbereichen
„Als Fachbereich sind wir, gemessen an den Lehrstühlen, eher klein“, sagt Jan Wenzelburger, Professor für Makroökonomik und seit 2017 Dekan am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, mit Blick auf den bundesweiten Vergleich. Starke Konkurrenz für Studieneinsteiger wie auch Bewerber für Professuren seien beispielsweise die Universitätsstandorte Darmstadt, Karlsruhe, Mannheim oder Saarbrücken, wie auch Aachen und München. Der Fachbereich führe seit Jahren einen mühsamen Kampf gegen die Landesregierung um eine bessere Ausstattung. „Personell sind wir bis an den Anschlag gefordert – manchmal sogar darüber hinaus“, kritisiert Geschäftsführer Jürgen Blank. Der Dekan ergänzt, „wir wünschen uns, dass die Politik uns nicht vergisst hinsichtlich der personellen Ausstattung“.
Stolz zeigt sich Wenzelburger, seit 2012 am Fachbereich, hingegen über die Qualität der Ausbildung. „Wir generieren sehr, sehr gute Absolventen.“ Wer hier den Master in Wirtschaftswissenschaften ablege, sei es als Betriebswirtin, als Wirtschaftsingenieur oder -informatiker, habe bundesweit beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Fachbereich rangiere unter den Top Ten der Universitäten mit den begehrtesten Absolventen im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen. „Wir liegen auf Platz sechs seit einigen Jahren“, erklärt Blank mit Stolz. Der Doktorhut als Türöffner für eine Position in großen Unternehmen – das gehört auf dem Arbeitsmarkt mittlerweile der Vergangenheit an. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei über die Jahre besser geworden, das zeige sich beispielsweise in konkreten Zusagen für Kinderbetreuung.
1982 mit 25 Studierenden gestartet
Mit nur 25 Studierenden starteten die Wirtschaftswissenschaften mit dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der TU im Jahr 1982, in Union mit dem Fachbereich Sozialwissenschaften. 2003, gut 20 Jahre später, wurde der Fachbereich eigenständig. Der Studiengang Betriebswirtschaftslehre mit technischer Qualifikation ging an den Start. Stand anfangs Maschinenbau als technisches Fach ganz oben auf der Beliebtheitsskala, seien jetzt Informatik oder Elektrotechnik sehr gefragt. „Die Studierenden wollen alle Elektroautos bauen“, sagt der Dekan mit einem Augenzwinkern. „Unsere Studierendenschaft spiegelt da die aktuellen Trends.“ Daneben stehen Bauingenieurwesen, Chemie, Energie- und Verfahrenstechnik wie auch Informatik als technische Qualifikation zur Wahl.
Knapp 1400 Studierende zählte der Fachbereich im Sommersemester und steht damit auf Platz zwei an der TU hinter dem Maschinenbau. 440 Masterstudierende zählte der Fachbereich im Sommer, dazu an die 930 Bachelorstudierende. „Nach dem Bachelorabschluss bleiben relativ viele für ihren Master hier“ – für Wenzelburger ein großer Vertrauensbeweis der Studierenden. Am Abschluss Promotion arbeiten allerdings nur insgesamt 46 Doktoranden am Fachbereich. „Es ist schwer, Doktoranden zu rekrutieren“ – das führt Wenzelburger zurück auf die sehr guten Arbeitsmarktbedingungen für Absolventen. Aber auf Post-Doc-Ebene fehlen Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, der sich für eine Universitätslaufbahn entscheiden will. Daneben steige der Beratungsbedarf der Studierenden – „die Lücke zwischen Schule und Studium wird größer“, gibt der Geschäftsführer zu bedenken.
Konkrete Pläne für die Zukunft mit Landau
Aus drei Fachgebieten setzt sich der Fachbereich zusammen. Neben Volkswirtschaftslehre (VWL) und Rechtswissenschaften ist Betriebswirtschaftslehre (BWL) am weitaus stärksten vertreten mit 15 Professuren und einer Juniorprofessur. Personell tut sich aktuell viel am Fachbereich. Auch hier stehe der Fachbereich in starker Konkurrenz mit anderen Universitäten, besonders wieder bei der finanziellen Ausstattung, so Blank. „Aber wir können mehr als zaubern.“
Durch den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit seinen technischen Fachrichtungen – Chemie, Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik – sei man mit fast allen anderen Fachbereichen auf dem Campus sehr gut vernetzt. In der Gewichtung der Studienanteile sei auch die Flexibilität sehr hoch. Für eine gemeinsame Zukunft mit Landau sieht der Fachbereich Anknüpfungspunkte in den Bereichen Personalmanagement, Nachhaltigkeitsmanagement, Umweltökonomik und Verhaltensökonomik. Als Beispiel nennt Wenzelburger die Frage, wie man politische Regulierungen formuliert, um für die Bevölkerung Anreize zu mehr CO2-Einsparung zu schaffen. „Menschen sind nicht immer rational – es steckt viel Psychologie in ihrem Handeln.“
Zahlreiche Kooperation mit anderen Hochschulen
Blank wünscht sich noch mehr Verständnis dafür, dass die Trennung in den Köpfen zwischen wirtschaftlichen Aspekten und technischen Produkten weiter fallen muss. „Zur Frage der Mensch-Maschine-Interaktion beispielsweise können wir als Fachbereich relativ viel beitragen“, erklärt Blank, der bereits seit 2002 am Fachbereich ist. Die Gesellschaft brauche technologische Lösungen im Umwelt-Klima-Bereich, die sich aber auch am Markt bewähren müssen. Blank: „Dazu können wir unseren Beitrag leisten. Eine bessere Vernetzung ist aus unserer Sicht wünschenswert.“ Das sieht auch Wenzelburger so.
Zwei neue Studiengänge sollen in einem Jahr mit Landau zusammen an den Start gehen: „Human Ressource Management & Organizational Behavior“ sowie „Data Science and Economics“, wie der Arbeitstitel lautet. Dort dreht sich alles um die Erhebung von Daten und ihre Interpretation unter wirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Aspekten. Auch die Wirtschaftspädagogik soll als Studiengang wiederbelebt werden.
Segelseminar schult die Soft Skills
Die Kooperationen seien zahlreich, international mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und den Universitäten Zürich, Bologna, Heidelberg, Kopenhagen und Mailand, wie auch dem European Institute on Economics and the Environment (EIEE) in Mailand. Aber auch in Kaiserslautern gibt es Forschungsprojekte zusammen mit dem Westpfalz-Klinikum und sowie mit Fridays for Future. Mit der Grand Ecole in Nancy, Frankreich, gibt es seit rund zehn Jahren den gemeinsamen Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit einem gegenseitigen Austausch. Jährlich kommen zwischen sechs und zwölf Studierende aus Frankreich für zwei Jahre an die TU und umgekehrt.
Gegenüber anderen Fachbereichen an der TU herrsche eine sehr offene Atmosphäre. Die ganze Uni treffe sich in der Mensa, betont Blank. „Das ist der Vorteil einer Campus-Uni.“ Die Zufälligkeit der Treffen sorge für kurze Kommunikationswege und eine große Offenheit. „Davon profitieren wir sehr stark.“ Dieser Aspekt der TU werde von der Öffentlichkeit noch zu wenig wahrgenommen, so Blank.
Eine echte Attraktion für Studierende ist das Segelseminar, das Blank organisiert. An Bord des Traditionsseglers „Elegant“ von 1886 können bis zu 30 Leute in der Dänischen Südsee kreuzen. „Da wird hart gearbeitet – besonders an den Soft Skills“, berichtet Blank.