Kaiserslautern „Wir wollten nicht mehr heim“
Kenia war das Ziel dreier Mitglieder des Pfadfinder-Stammes Kurpfalz Ramstein vor einigen Wochen. Dort unterhält der Landesverband (LV) Rheinland-Pfalz/Saar ein Hilfsprojekt, das den Schulbesuch von Kindern und die Landwirtschaft in den kenianischen Zentren unterstützt. Mit vielfältigen Eindrücken, schönen aber auch kritischen, kehrten Anton Hoffmann, Jonas Scherne und Sebastian Lück zurück.
„Wir waren eine Attraktion“, erzählt Sebastian Lück lachend. „Die Schüler waren fasziniert von uns. Wahrscheinlich waren wir die ersten Weißen, die sie gesehen haben. Sie haben für uns getanzt, gesungen und gespielt. Das war ein bewegendes Gefühl.“ Der 20-Jährige aus Kottweiler-Schwanden war im Herbst mit zwei anderen Pfadfindern des Stammes Kurpfalz Ramstein und 17 weiteren aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu einer dreiwöchigen Reise nach Kenia aufgebrochen. Ein Hauptmotiv des Trios war es, vor Ort zu sehen, was mit den Spendengeldern geschieht, die in das Hilfsprojekt des LV für Schulbesuche und Landwirtschaft fließen. Auch Jonas Scherne erinnert sich gerne an diese Momente zurück. „Wir haben alle Schulen besucht und waren bei den Speisungen dabei. Das war überwältigend. 1000 Schüler haben vor uns gestanden und waren wahnsinnig dankbar“, berichtet er. „Ihre Begeisterung zu sehen, war ein wahnsinniges Gefühl“, erzählt der 16-Jährige. In den drei Wochen haben die Pfadfinder auch die landwirtschaftlichen Projekte kennengelernt, bei denen vorwiegend Witwen zur Selbsthilfe angeleitet werden. Sie betreiben Feld- und Ackerbau sowie Ziegenhaltung und -zucht und werden von Fachleuten betreut, die unter anderem Techniken für die Wasserversorgung entwickeln und sie bezüglich Pflanzenschutz beraten oder in der Vermarktung ihrer Produkte unterstützen. Überall, wo der Bus mit den Pfadfindern ankam, seien sie mit offenen Armen empfangen worden. Auch als wohl aufgrund der politischen Unruhen der bereits gebuchte Campingplatz die Reservierung zurücknahm, kamen sie privat bei Mitgliedern der Nichtregierungsorganisation Wonesu unter, die in Kenia die Spenden an die unterstützten Hilfsprojekte weiterleitet. Doch sie haben auch eine andere Seite des ostafrikanischen Landes kennengelernt, auch wenn sie selbst keine Gewalt gesehen oder erlebt haben. Zwei Tage lang mussten sie sich auf Anraten ihrer Gastgeber hinter verschlossenen Türen aufhalten, während etwas weiter weg wegen der damals bevorstehenden Präsidentschaftswahl (Uhuru Kenyatta wurde Ende Oktober für eine zweite Amtszeit als Präsident wiedergewählt, Anmerkung der Redaktion) gegen Demonstranten mit Tränengas vorgegangen wurde. „Am nächsten Tag haben wir das noch in der Nase gemerkt“, berichten sie. An den Besuch des Nationalparks erinnern sie sich ebenfalls noch gut. „Das ist eine wahnsinnig schöne, unberührte Natur“, meint der 17-jährige Anton Hoffmann aus Miesenbach. Hier haben sie Tiere wie Gepard und Leopard, nur leider kein Nashorn gesehen. Aber: „Einmal hat eine wilde Giraffe bei uns ins Zelt geschaut“, erzählt Hoffmann lachend über diese besondere Begegnung. Auch ein Besuch am Grab des Pfadfindergründers Robert Baden-Powell in der Stadt Nyeri gehörte zum Programm. Insbesondere die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Menschen ist den Pfälzern noch deutlich vor Augen. „Wir haben uns so willkommen und zuhause gefühlt, wir wollten gar nicht mehr heim“, werfen sie einen Blick zurück. Ein Fußballspiel mit den Schülern, Luftballone, die sie als kleine Geschenke mitgenommen hatten und die für strahlende Augen sorgten, gehören zu den schönen Erinnerungen. Doch sie haben auch nachdenklich stimmende Erlebnisse mit nach Hause gebracht: Begegnungen mit Mädchen, die ungewollt schwanger wurden oder ein kleiner Junge, der an das Busfenster geklopft und um Essen gebettelt hat, gehören dazu. „Wir haben schon zuvor vieles wertgeschätzt, aber jetzt ist es nochmal anders. Bei uns ist alles so einfach, in Kenia nicht“, macht Scherne einen Unterschied deutlich. Lück ergänzt: „Man kauft jetzt nur noch das ein, was man wirklich braucht und schmeißt nichts weg. Man guckt jetzt ganz anders.“ Auch seien Schuldgefühle aufgekommen, weil sie selbst in einer solchen Wohlstandsgesellschaft lebten, sagt Hoffmann. Mit nach Hause genommen haben sie den festen Willen, von ihrer Reise zu berichten und das Hilfsprojekt zu forcieren. „Wir möchten helfen, aber uns ist auch bewusst geworden, dass wir nicht an allen Schulen helfen können“, erzählen sie. Auf jeden Fall wollen sie bei der nächsten Keniareise mit dabei sein, zwischenzeitlich machen sie sich weiterhin für die Kenia-Hilfe stark. „Wir haben schon Ideen, wie wir mehr Geld auftreiben können“, kündigen sie an.