Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wilde-Hilde-Lauf: Warum eine 96-Jährige und ihre Enkelin einen Lauf starten

Hildegrad Kuproth und Jasmin Awan wollen junge und alte Menschen dazu motivieren, sich gemeinsamzu bewegen.
Hildegrad Kuproth und Jasmin Awan wollen junge und alte Menschen dazu motivieren, sich gemeinsamzu bewegen.

Hildegard Kuproth sitzt im Rollstuhl, dabei war sie immer aktiv. Damit sie und andere Rollstuhlfahrer trotzdem „laufen“ können, hat sie zusammen mit ihrer Enkelin eine Idee.

Hildegard Kuproth ist seit einem Sturz 2019 auf Hilfe angewiesen. Zunächst half ihr ein Rollator beim Laufen, später wurde der Rollstuhl notwendig. Trotz der Herausforderungen hat Kuproth, die aus Landstuhl stammt und früher als Kirchensekretärin im katholischen Pfarramt tätig war, ihr fröhliches Wesen nicht verloren: Ihren Spitznamen „Wilde Hilde“ trägt sie bereits seit vielen Jahren.

Enge Beziehung zwischen Oma und Enkelin

Zu ihrer Enkelin pflegt sie schon lange eine enge Beziehung. Da ihre Eltern berufstätig waren, sei ihre Oma schon früh eine wichtige Bezugsperson geworden: „Sie hat mich zum Kindergarten gebracht, mit mir gemeinsam ein Musikinstrument geübt und mir beim Lernen für die Schule geholfen“, erklärt Jasmin Awan. Für die Enkelin war sie stets Anlaufstelle und Ratgeberin. Heute ist es Awan, die umgekehrt viel Zeit in die Betreuung ihrer Großmutter investiert. Generationsübergreifend zu denken, sei ihr sehr wichtig. „Ich war schon immer sozial engagiert, sei es bei Jugendfreizeiten oder beim Geigenspiel im Altenheim“, berichtet Awan. Durch ihre Tätigkeit beim Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes lernte sie viele alte und kranke Menschen kennen. Vereinsamung sei ein großes Problem. „Das wollte ich auf keinen Fall für meine Oma“, betont die Enkelin.

Zusammen mit ihrer Mutter besuche sie ihre Oma täglich. „Wir unternehmen viel zusammen – Spaziergänge, Fahrten in den Zoo oder zur Gartenschau“, berichtet Awan. „Früher habe ich mich gerne bewegt. Ich war häufig spazieren und immer unternehmungslustig“, sagt Kuproth. Das sei durch den Rollstuhl schwerer geworden. Mittlerweile stoßen sie dabei auf viele Barrieren: unzugängliche Toiletten, fehlende Rampen oder unebene Gehwege.

Zweite Auflage für 2026 geplant

Bei einem Spaziergang durch Landstuhl hatte sie dann schließlich eine Idee: Ein Lauf, bei dem alle mitmachen können, ob jung oder alt, mit oder ohne Rollstuhl. „Zuerst dachte ich, das sei nur wieder so eine Enkelin-Idee“, erzählt Kuproth lachend. Doch aus dem spontanen Einfall wurde ein konkreter Plan: eine integrative Bewegungsveranstaltung. Um das Projekt umsetzen zu können, suchte die Enkelin Unterstützer und konnte den Lauf schließlich in das Programm der Demografiewoche des Landes Rheinland-Pfalz einbinden. Am Freitag, 7. November, soll im Stadtpark der erste Wilde-Hilde-Lichterlauf stattfinden. Ab 17 Uhr können Läuferinnen und Läufer gemeinsam mit Menschen im Rollstuhl aktiv sein. Ziel ist es, Barrierefreiheit, Gemeinschaft und Teilhabe sichtbar zu machen. Durch den Lauf möchte Awan ihrer Oma etwas zurückgeben: „Meine Oma hat mir in meinen Kindertagen viel gegeben, jetzt möchte ich auch ihr etwas im Alter zurückgeben.“ Für 2026 ist ein weiterer Wilde-Hilde-Lauf geplant. Dann soll er in der Gartenschau stattfinden.

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