Kaiserslautern Wie Woodstock, nur kleiner
Musik gegen den Drohnenkrieg: Die Kampagne „Stopp Air Base Ramstein“ lud am Samstag zu ihrem ersten musikalischen Friedensfestival unter dem Motto „Künstler/Innen für den Frieden“ auf das Gelände der Kammgarn. Der Einladung folgten auch eine Reihe Künstler, die ihre Stimme für den Frieden erhoben. Darunter Leslie Clio, Patrice und – aus gesundheitlichen Gründen nur digital – Kabarettist Didi Hallervorden.
Menschen mit Blumen im Haar oder mit Blumen bestickten Soldatenhelmen, bunte Friedens-Flaggen, Musik aus allen Ecken und Musiker, die sich auf der Bühne für ein friedliches Miteinander auf der ganzen Welt aussprechen. Kurz: Ein Bild wie damals 1969 beim legendären Woodstock-Festival – nur eben mit einem weitaus überschaubareren Menschenauflauf dank „unfriedlicher“ Wetterverhältnisse. Dennoch wurden alle drei Bühnen (und der Außenbereich) des Kulturzentrums am Samstag rege bespielt und besucht. Das musikalische Aufgebot zeigte sich dabei so bunt wie die Flaggen, die einige Besucher an diesem Tag hingebungsvoll schwenkten. Von Hip-Hop über Pop, Electro, Folkrock, Reggae bis hin zu poppigem Chanson-Rock mit deutlichem Gothic-Einschlag und exzentrischer Bühnen-Performance à la Schneewittchen-Musikduo (Schreinerei). Zum friedlichen Musikfestival in Kaiserslautern geladen war auch der deutsche Komiker, Kabarettist, Schauspieler und Sänger Dieter Hallervorden. Aus gesundheitlichen Gründen war es dem Showbiz-Veteranen nicht möglich, persönlich vorbeizukommen. Er ließ sich aber per Videobotschaft blicken und sprach sich für die Friedens-Initiative aus: „Auch wenn ich heute nicht unter euch stehe, so stehe ich zu euch.“ In seiner knapp vierminütigen Rede an die Friedensdemonstranten forderte der Kabarettist besonders die Medienmacher und Journalisten auf, unbequeme und „ungehorsame“ Fragen zu stellen, wenn es um den Militärstützpunkt Ramstein als „zentrales Drehkreuz für die Vorbereitung und Durchführung völkerrechtswidriger Aktionen“ geht. Mit einem deutlichen „Sagt Nein!“ beendete der Komiker seinen ernsthaften Appell und erntete lauten Applaus im Kasino. Die Musik stand an diesem Tag jedoch unangefochten im Mittelpunkt, und je später der Abend, desto hochkarätiger die Gäste: Mit einem frenetischen Applaus wurde die Hamburger „Soulpop“-Sängerin Leslie Clio auf der Bühne des Kasinos empfangen. „Schön dass ihr alle gekommen seid für diesen schönen Sinn“, verkündete die blonde Vegetarierin und entfachte direkt pure Tanz-Ekstase im Publikum dank leichtfüßiger Hits wie „I couldn`t care less“ und „Eureka“. Was die 31-jährige Künstlerin ausmacht, ist die dunkel-melancholische Grundstimmung ihrer Songs, die immer wieder von satten Synth-Bläsern durchbrochen wird. Man möchte einerseits über die tiefgründigen Texte sinnieren und andererseits zu den funkensprühenden Rhythmen ausrasten. Und über allem die geheimnisvolle Aura der Musikerin, die sich an diesem Abend nur in sehr dezentem Scheinwerferlicht auf der Bühne bewegte. Sie wechselt im Sekundentakt von düsterer Gefühlskälte zu verspielt-energischer Frohnatur, irgendwo zwischen eisigem Blue-Eyed-Soul und poppig-elektronischem Reggae-Punk. Eine ideale Überleitung zum zweiten Headliner des Abends, dem Kölner Reggae-Musiker Patrice (Bart-Williams). Sein poppig-elektronischer Reggae mit gelegentlichen Soul-, Funk- und Hip-Hop-Verzierungen und dieser markanten Stimme sorgte im Kasino für regelmäßige Jubelstürme und spontane Tanzeinlagen. Der Kölner mit afrikanischen Wurzeln tut es seinem Vorbild, Reggae-Ikone Bob Marley, gleich, singt auf Englisch und Patois und schürft in seinen Texten tief in den Wunden der Gesellschaft zum befreit-lässigen Reggae-Beat. Paradebeispiele: Die Songs „We are the Future in the Present“ und „Burning Bridges“, die beide eine offene Welt ohne politische, religiöse, kulturelle uns soziale Schranken besingen. „Wicky, wicky, trap bone!“ – und mit langem Applaus ging das friedliche Musikereignis zu Ende.