In Memoriam
Wie Meat Loaf einmal den Erbsenberg rockte
Meat Loaf ist tot. Der Rockmusiker, dessen Songs ich seit Jahrzehnten mag, starb vergangene Woche mit 74 Jahren. Und ich erinnere mich in ganz besonderer Weise an ihn: Ich hatte einmal die Gelegenheit, den äußerlich wie stimmlich gewichtigen Weltstar zu treffen. Hier in Kaiserslautern ...
Es war 1983, und in Kaiserslautern fand das zweite deutsche „Monsters Of Rock“-Festival statt, ein Vorläufer der späteren großen Open-Air-Spektakel. Ich war ganze 21 Jahre alt und schon etliche Jahre freier Mitarbeiter der RHEINPFALZ. Die Redaktion wählte mich prompt dafür aus, über das Mega-Konzert im Waldstadion am Erbsenberg zu schreiben. „Mega-Konzert“ traf es nicht nur für Lauterer Verhältnisse tatsächlich. Die Liste der angekündigten Musiker war beeindruckend. Whitesnake waren als Headliner dabei, dann noch Blue Öyster Cult, Thin Lizzy, Saxon, Motörhead und Twisted Sister – und eben Meat Loaf. Nicht weniger als 30.000 Zuschauer zählte man an jenem Samstag.
Der nahbare Star
An manche Details erinnere ich mich freilich nur noch undeutlich. Ich weiß noch, dass der eigentlich angekündigte Ozzy Osbourne nicht auftrat, weil tags zuvor seine erste Tochter Aimee Rachel zur Welt kam. Und dass die Twisted-Sister-Show mit brennenden Trommelstöcken ziemlich spektakulär rüberkam. Aber an Meat Loaf erinnere ich mich noch sehr genau.
Als Pressevertreter durfte ich an jenem Tag hinter die Bühne. Und dort, noch vor seinem Auftritt, kam er zufällig direkt auf mich zu. Ich kannte Marvin Lee Aday, so Meat Loaf bürgerlich, nur von Fotos und dem „Rocky Horror Picture Show“-Kultfilm, wo er den Motorradrocker Eddie spielte – das Internet als sprudelnde Infoquelle war noch weit weg. Aber der Künstler war allein schon wegen seiner stattlichen Statur und den langen Haaren unverkennbar und nicht zu übersehen.
Die Bühnenshow
Ich nutzte den Moment und sprach ihn auf Englisch an: „Hello, I am Andy from the local newspaper.“ Wir gaben uns die Hand. Meat Loaf wirkte abgespannt, Konzertreisen sind anstrengend. Er wollte wissen, wo genau er hier eigentlich sei, und ich antwortete ihm sinngemäß, dass er sich in der schönen Stadt Kaiserslautern befände. Was er dann wohlwollend zur Kenntnis nahm. Gerne gab er mir noch das gewünschte Autogramm – Selfies gab’s auch noch nicht –, und wir verabschiedeten uns.
Das war’s. Ein kurzes Begebenheits-Blitzlicht nur, das sich aber bis heute tief eingebrannt hat. Ich habe Meat Loaf dann noch bei seinem exaltiert-intensiven Auftritt erlebt – ganz vorn an der Bühne, an den wummernden Boxen, zu denen ich mich vorgekämpft hatte. Er präsentierte seinen Superhit „Bat Out Of Hell“ und inszenierte mit seiner Bühnenpartnerin eine imposante Mikrofonständer-Show. Ich sehe die Szenen noch jetzt vor mir ...
Und heute?
Meat Loaf hat sich wahrscheinlich nie mehr an den jungen Reporter aus Germany erinnert. Bei mir aber hat er auf und hinter der Bühne einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Und seine Musik werde ich mir auch in Zukunft immer wieder anhören. Gerade in diesem Moment läuft „Bat Out Of Hell“ in voller Lautstärke und verursacht Gänsehaut und Bewunderung gleichermaßen.