Kaiserslautern
Wie Kulturinstitutionen im Kreis Kaiserslautern der Krise begegnen
Der Corona-Virus hat das öffentliche Leben lahmgelegt. Und das teilweise mit drastischen Folgen für die Betriebe, wie die Geschäftsführerin der Stadthalle Landstuhl, Kornelia Bernheine, bestätigt. „Für uns ist das natürlich ein Drama“, sagt sie. „Finanziell sind es wahnsinnige Auswirkungen. Wir haben in den letzten Monaten viel getan, um uns zu entwickeln und unserem Publikum mehr bieten zu können. Nun müssen die Veranstaltungen ins zweite Halbjahr – oder sogar ins nächste Jahr – verschoben werden.“
15 eigene Veranstaltungen und etliche Fremd- und Privatveranstaltungen wurden abgesagt. Besonders leid tun ihr die Abiturienten, die ihre Abschlussfeier in der Stadthalle vorerst streichen mussten. „Da blutet mir gerade das Herz. Wir hatten viele Vorbesprechungen mit den Schülern, und alle haben hier so viel Energie und Mühe reingesteckt, bis ins letzte Detail. Aber wir tun alles, was möglich ist, um die Feiern nachzuholen.“
Die Suche nach Ersatzterminen
Tatsächlich hat die Stadthalle es geschafft, für die meisten ausgefallenen Veranstaltungen Ersatztermine zu finden. Gerade nach der „grandiosen Premiere“ der hauseigenen Komödie „Otello derf net platze!“ hatte man mit einer rosigen Saison für die Stadthalle gerechnet. „Aber wir hoffen, die Schauspieler ins nächste Jahr mitnehmen zu können.“
Das Publikum spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn wer in dieser schweren Zeit auf die Rückerstattung der bereits gekauften Tickets verzichtet, unterstützt nicht nur die Stadthalle, sondern auch die Kulturszene im Allgemeinen. „In vielen Fällen haben wir ganz tolle Gäste. Die Tickets behalten meist ihre Gültigkeit. Und viele Menschen behalten ihre Karte und sagen: ,Wir freuen uns auf die nächste Vorstellung’. Von so einer Reaktion sind wir ganz begeistert. Natürlich gibt es viele Menschen, die sich das finanziell nicht leisten können. Aber jeder von uns wäre dankbar, wenn die Leute ihre Tickets behalten würden.“
„Wir halten zusammen“
Bis die Nachholtermine stattfinden können, verbringen Bernheine und ihre Mitarbeiter die Tage mit anderen Tätigkeiten. „Wir räumen die Halle auf, reinigen die Stühle und Tische, streichen die Garderobe, überprüfen die Lüftungen und nehmen einige Reparaturen vor. Alle aus dem Team packen mit an und halten zusammen.“ Etwas, das – so hofft Bernheine – auch in allen anderen Bereichen vermehrt stattfindet. „Es ist ein absolutes Muss, in dieser Zeit nicht nur auf sich selbst zu schauen, sondern auch auf andere. Und vielleicht ist es mal ganz gut, wenn diese Zeit uns zum Umdenken unseres bisherigen Verhaltens animiert. Ich würde mir wünschen, dass die Leute spüren, dass Solidarität ankommt – nicht die Solidarität zwischen Veranstaltern, Künstlern und Kunden, sondern die Solidarität zwischen den Menschen.“
Vor allem wünscht sich die Kulturveranstalterin aber, dass die Kunst an sich in dieser eingeschränkten Phase mehr Anerkennung gewinnt. „Jetzt, wo alle zuhause sitzen, zeigt sich, wie viel die Kunst eigentlich wert ist. Wir merken nun hoffentlich, was die Welt für ein trister Ort wäre, wenn es die Kunst nicht mehr gäbe. Sie ist unbezahlbar.“
Gut und schnell reagiert
Neben der Stadthalle Landstuhl kämpft auch das Congress Center Ramstein (CCR) mit der aktuellen Corona-Krise stark zu kämpfen. „Wir haben uns zwar schon gedacht, dass irgendwann keine Veranstaltungen mehr stattfinden können. Dass es so abrupt kommen würde, hätten wir aber nicht gedacht“, gesteht Geschäftsführer Andreas Guhmann. „Doch zum Glück konnten wir gut und schnell reagieren.“
Mit ihm sind es 22 Mitarbeiter, die sich aktuell zwischen Homeoffice, Überstundenabbau und Telefondienst abwechseln. „Wir müssen schauen, dass wir uns so gut wie möglich aus dem Weg gehen und trotzdem für die Kunden erreichbar sind.“ Bisher wurden durch die Corona-Welle zwölf Kulturveranstaltungen abgesagt und circa 30 private Veranstaltungen wie Tagungen, Konfirmationen und ähnliches. Bis Juli bleibt die Bühne leer. „Wir planen aber schon das Kulturprogramm für die zweite Jahreshälfte. Und da versuchen wir, Nachholtermine für die ausgefallenen Veranstaltungen zu finden. Alles auffangen können wir wohl nicht, aber wir geben unser Bestes.“
Bei den Künstlern geht es um die Existenz
Als Eigenbetrieb der Stadt steht dem Congress Center das Wasser natürlich nicht ganz so weit bis zum Hals wie den privaten Veranstaltern im Umkreis. „Durch die städtischen Finanzen werden unsere Ausfälle ausgeglichen. Uns geht es also relativ gut; wir haben Grund zu Sorge, aber keinen Grund zur Panik.“ Sollte die Krise beispielsweise früher als erwartet zu Ende gehen, wäre das Center „bereit, um auch schon etwas früher stufenweise etwas zu organisieren“.
Doch auch Guhmann weiß, dass es gerade den Künstlern, die ihre Termine unter anderem im Center absagen mussten, um die Existenz geht. „Die Künstler sind teilweise verzweifelt. In dieser Branche haben die wenigsten einen Puffer. Sie leben von der Hand in den Mund und stehen nun mit dem Rücken zur Wand. Wir versuchen ihnen zu helfen, beispielsweise durch eine Abschlagszahlung ihrer Gagen. Denn sie brauchen das Geld jetzt.“ Und auch durch die bleibende Gültigkeit der Tickets für eventuelle Ersatztermine können die Künstler finanziell unterstützt werden. „Die meisten Kunden behalten die Karten. Da wir ein städtischer Betrieb sind, gehen wir nicht so schnell insolvent. Das Geld der Kunden verfällt also nicht. Und ich denke, dadurch haben die Leute auch mehr Vertrauen zu uns. Bei kleineren privaten Veranstaltern kann ich es aber zum Teil verstehen, dass viele die Karten zurückgeben.“
Unsicherheit als größtes Problem
Trotz ausbleibender Veranstaltungen gibt es dennoch Arbeit im Congress Center, ähnlich wie in der Stadthalle Landstuhl. „Wir nutzen die Zeit, um einiges vom Tisch zu bekommen, was lange liegen geblieben ist. Reparaturen und so weiter.“ Die Unsicherheit sei nach wie vor das größte Problem. „Man weiß nicht, wie lange es dauern wird. Ein bis zwei Monate werden die meistens Betriebe wohl noch überbrücken können. Aber bei drei bis fünf Monaten wird es schwierig.“ Und das zweite große Problem: „Wie werden die Veranstaltungen nach der Krise aufgenommen? Wenn so viele Menschen in dieser Zeit finanziell hart getroffen werden, werden sie nach der Krise vielleicht nicht unbedingt zu Konzerten gehen. Der eine wird es im Geldbeutel sicherlich merken und verzichten. Der andere wird vielleicht sagen: ,Jetzt muss ich raus!’ und investieren. Das muss man dann sehen.“