Tennis RHEINPFALZ Plus Artikel Wie kommen die Tennisklubs aus der Corona-Krise?

Wann dürfen die Netze wieder für Turniere ausgerollt werden und wie sehen die aus? Hinter der Medenrunde stehen noch viele Frage
Wann dürfen die Netze wieder für Turniere ausgerollt werden und wie sehen die aus? Hinter der Medenrunde stehen noch viele Fragezeichen.

Ein gelber und ein weißer Ball sind die sportlichen „Gewinner“ der Corona-Pandemie. Kaum ein Sport, abgesehen von Laufen und Radfahren, lässt sich derart frei gestalten wie Tennis und Golf. Doch auch die Freunde des Filzballs können nicht wie gewohnt in die diesjährige Medenrunde starten.

Ganz wie gewohnt geht es, obwohl nun bundesweit Fahrt aufgenommen wird bei den Corona-Impfungen, doch nicht voran im Tennis. So beschloss der Sportbeirat des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz auf Grund der gesetzlichen Entwicklungen, die Mai-Spieltermine aller Altersklassen in der Verbands- und Oberliga in den September zu verschieben. Der Tennisverband Pfalz folgte dieser Entscheidung und verschob die Termine der Pfalzspielklassen bis hin zur C-Klasse ebenfalls in den September. Vorerst noch unangetastet bleiben die Spieltermine im Juni und Juli. Spätestens bis zum 10. Mai sollen dann auch weitere Schritte beschlossen werden, was der Geschäftsführer des Tennisverbands Pfalz, Thomas Knieriemen, bestätigte.

Klar ist auch, dass Mannschaften, die sich von der Medenrunde 2021 abmelden, bei Wiederanmeldung nur eine Spielklasse tiefer eingestuft werden und nicht entsprechend der Wettkampfordnung in der untersten Klasse beginnen müssen.

Fünf Varianten

Doch das wird nach Angaben von Knieriemen nicht das Ende der Entwicklungen sein. „Wir haben eine Umfrage an die Vereine gerichtet“, erklärt der Geschäftsführer. Die Klubs sollen einen Beitrag zur Meinungsbildung abgeben, wie die Runde in diesem Jahr durchgeführt werden kann. Fünf Varianten stellt Knieriemen dar.

Neben einem „ganz normalen Ablauf“ gibt es eine Übergangsrunde wie bereits im Vorjahr ohne Auf- und Abstieg. Hinzu kommt eine Variante, bei der nur Einzel-, aber keine Doppelspiele ausgetragen werden mit Auf- und Abstieg. Zudem die Möglichkeit, nur Einzel zu spielen und Auf- und Abstieg auszusetzen, oder als letzte Möglichkeit die Spielrunde komplett abzusagen. „Es handelt sich hier nicht um eine Abstimmung. Wir wollen möglichst eine einheitliche Lösung, um zu vermeiden, dass wir in der Ober- und Verbandsliga anders spielen, als von der Pfalzliga bis zur C-Klasse“, sagt Knieriemen. Jedoch will sich der pfälzische Verband nach den Worten von Knieriemen „nicht mit Gewalt verbiegen“, um eine einheitliche Regelung mit den Rheinländern zu schaffen.

Die Lieblingslösung

Der Verband favorisiert die Durchführung einer gängigen Spielrunde ohne die Aussetzung von Auf- und Abstieg oder das Absetzen der Doppelspiele. „Wir hoffen schon, dass wir bald Doppel spielen können. Es ist fast überall möglich. In Koblenz ist aber zurzeit nur Einzel erlaubt. Ab einer 200er Inzidenz ist auch kein Wettkampf mehr möglich, aber das entscheiden grundsätzlich die Ordnungsämter“, erklärt Knieriemen, der selbst positiv gestimmt ist, dass die Runde wie gewünscht durchgeführt werden kann. Froh sei Knieriemen auch, dass man in der Politik eine differenzierte Sichtweise der Sportarten durchsetzen konnte. „Ich glaube wir haben ein gutes Standing in der Politik.“

Sicher ist der Geschäftsführer jedoch auch, dass sich die Akteure der Teams auf besondere Hygienevorschriften einstellen müssten. „Es geht alles, man muss sich nur anpassen. Wir hatten in den vergangenen Wochen Turniere mit bis zu 300 Spielern. Das geht schon. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass wir Tennisspieler besonders privilegiert sind“, erklärt Knieriemen, der auch berichtet, dass in Kürze entschieden wird, ob die Pfalzmeisterschaften stattfinden.

So könnte es laufen

„Ich teile die Hoffnung nicht, dass wir bald mit der Saison anfangen können“, sagt Matthias Pink, Vorsitzender des TC Caesarpark in Kaiserslautern. Er findet, dass man bei den hohen Inzidenzen zurzeit schon realistisch sein müsse und erwartet auch hinsichtlich der Infektionszahlen in den nächsten Tagen noch keine positive Entwicklung.

Mit Blick in die Glaskugel sieht er auch die Hygieneeinschränkungen skeptisch. „Ab Juni können wir starten, aber sicherlich ohne Nutzung der Umkleiden und ohne die Möglichkeit, im Anschluss noch etwas zu essen. Ich kann mir eine Saison zurzeit auch nur mit Einzelspielen vorstellen“, erklärt Pink. Auch eine Runde ohne Wertung sei seines Erachtens durchaus eine Möglichkeit, eine Saison abzuwickeln.

„Wie eine Drohung“

Gar nicht einverstanden zeigt sich Pink mit der Abstiegsregelung. „Das ist schon ein bisschen wie eine Drohung. Das kann man so regeln wie der Verband. Aber ich finde das nicht gut. In jeder Mannschaft gibt es einen Querschnitt durch die Meinung der Bevölkerung. Dann will jemand nicht spielen. Da werden Teams zerfleddert, und man kann gar nicht, oder nur mit einer Rumpfmannschaft spielen“, erklärt er. Er will niemanden in einen Gewissenskonflikt bringen. „Die Rahmenbedingungen müssen einfach passen.“

Tests vor dem Spiel

Kathrin Weiß vom TC Park Siegelbach setzt auf Coronatests vor dem Spiel. „Wenn es hilfreich ist, um eine Medenrunde unter Normalbedingungen durchzuführen, warum nicht? Wenn ich ins Restaurant will, muss ich mich auch testen lassen“, sagt Weiß, die als Sportwartin der Siegelbacher fungiert. Ihr Wunsch sei es, eine „ganz normale Runde“ mit Auf- und Abstieg zu spielen. „Das wird natürlich auch schwer. Schon die Regelung zu den Fahrgemeinschaften wird schwer umzusetzen sein“, sagt Weiß. Sie könne sich durchaus vorstellen, dass Fahrgemeinschaften nur für geimpfte oder getestete Personen möglich werden, andere hingegen müssten dann einzeln zu den Auswärtsbegegnungen anreisen.

Sie dränge für ihren Klub auf die Durchführung der Saison, weil das Damenteam in diesem Jahr den Aufstieg in die Verbandsliga plane. „Wir haben mit Isabel Herbster eine sehr gute Spielerin dazubekommen“, untermauert sie die Klubambitionen.

Hauptsache spielen

Sandra Faß ist Jugendwartin des TuS TA Erfenbach. „Wir haben unsere Jugendlichen an Spielgemeinschaften in Otterberg und Mackenbach verliehen“, erklärt die 52-Jährige, die auch berichtet, dass die Eltern der Nachwuchsspieler froh seien, dass überhaupt schon trainiert werden darf. „Es ist dann letztlich egal, ob es ein Wettkampf ist, oder ein Trainingsspiel. Ich verstehe aber auch die Jugendlichen, insbesondere die Besseren, wenn sie mal wieder ein Wettkampfspiel machen wollen“, zeigt Faß Verständnis.

Hinsichtlich der Medenrunde ist ihre Meinung zweigeteilt. „Bei den Jugendlichen würde ich vorschlagen, dass nur Einzel gespielt wird“, sagt die Jugendwartin und hofft nur darauf, dass überhaupt Meisterschaftsspiele ausgetragen werden. Bei den Erwachsenen hingegen könne sie sich eine Spielrunde ohne Doppel nicht vorstellen. „Das gehört einfach dazu“, begründet Faß. Dass Auf- oder Abstieg ausgesetzt werden, halte sie hingegen für eine gute Variante.

Gar nicht anfreunden kann sich Faß mit der von Kathrin Weiß vorgebrachten Test-Variante. „Warum soll ich mich ohne Symptome testen lassen? Das würde ich persönlich nicht wollen, aber ich akzeptiere da auch andere Meinungen.“

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