Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalzklinikum: Geschäftsführer Peter Förster geht in Ruhestand

Hat sich als Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums für die Zukunft des Hauses eingesetzt: Peter Förster.
Hat sich als Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums für die Zukunft des Hauses eingesetzt: Peter Förster.

4000 Mitarbeiter, 160.000 Patienten im Jahr, 1400 Betten: Das Westpfalz-Klinikum ist ein Konzern. Geschäftsführer Peter Förster stand fast 13 Jahre lang an dessen Spitze, Ende September geht er in den Ruhestand. Auch über die Pfalz hinaus fand seine Stimme Gehör.

In Flip-Flops und mit hellbraunem Polo-Shirt begrüßt Peter Förster in seinem Haus im Osten Kaiserslauterns den Besuch von der RHEINPFALZ. Bisher fanden die Gespräche immer im zehnten Stock von Haus 8 auf dem Klinikumsgelände statt, Look und Umgebung sind ungewohnt, Förster ist entspannt. Nicht, dass er sonst verkrampft am Besprechungstisch saß, aber eben auch nicht so locker. Er ist einer, der seine Worte überlegt und nicht polarisieren will. „Poltern ist nicht mein Stil“, sagt der Noch-Geschäftsführer, Jahrgang 1957, „was aber nicht heißt, dass ich nicht deutlich auf Probleme oder Gefahren hinweise.“

Öffentlich hat er das vor allem beim Thema Krankenhausfinanzierung immer wieder getan – als Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, als Mitglied im Vorstand der Landeskrankenhausgesellschaft und als Landesvorsitzender im Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland. Der jüngste Brandbrief, den er an Politiker jeglicher Couleur verschickt hat, um auf die finanzielle Lage der Krankenhäuser hinzuweisen, „hat zu nichts geführt“. Die Thematik werde zwar in Fachgremien immer wieder aufgegriffen, sei aber aus der breiten Öffentlichkeit verschwunden.

Förster ist schnell wieder in seinem Element

Von der Gelassenheit eines angehenden Ruheständlers ist jetzt nichts mehr zu bemerken, Förster ist wieder in seinem Element: „Ich unterstelle jetzt mal, dass die Politik in Kauf nimmt, dass Krankenhäuser insolvent gehen. Die spekulieren darauf, dass die Mitarbeiter dann umziehen und in einem anderen Klinikum arbeiten. Aber das funktioniert so nicht.“ Längst nicht alle Mitarbeiter seien bereit, längere Arbeitswege oder gar einen Umzug in Kauf zu nehmen. Und: „Wenn ein Krankenhaus wegfällt, fehlt die medizinische Versorgung.“

Das könnten Hausärzte oder gar der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst nicht auffangen. Viele Menschen, berichtet Förster aus den Erfahrungen des Westpfalz-Klinikums, würden statt die Patientenhotline 116117 anzurufen, eher eine Notaufnahme besuchen: „Gut zwei Drittel der Patienten in unserer Notaufnahme sind eigentlich kein Fall für uns.“

Masterplan 2025 ist aufgegangen

Stolz ist Förster, dass der 2017 für das Westpfalz-Klinikum mit seinen Standorten Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen beschlossene Masterplan 2025 funktioniert hat. „Ein Gutachten hat uns bestätigt, dass das der richtige Weg war“, sagt Förster und erklärt, dass im Rahmen des Plans in den vergangenen Jahren noch einmal viel Geld in die Hand genommen worden sei, um das Klinikum weiter zu sanieren und mit Großgeräten auszustatten.

Sanierung ist ebenfalls ein gutes Stichwort für den scheidenden Geschäftsführer, der bis Ende September Urlaubstage abbaut: „Sanierung ist ein laufender Prozess, das kann nicht wesentlich beschleunigt werden.“ Am Standort Kaiserslautern werde seit 25 Jahren ständig gebaut, „und wir werden nie fertig“. Jede Sanierung sorge wegen Lärm und Dreck für Einschränkungen. Förster: „Gerade Patienten und Mitarbeiter leiden darunter.“ Aber auch organisatorisch seien die Baumaßnahmen herausfordernd, schließlich müssten oft ganze Abteilungen umziehen und es gelte Abläufe in sinnvollen Reihenfolgen zu organisieren. Förster ist überzeugt, dass es deutlich einfacher – und unter dem Strich auch günstiger – gewesen wäre, einmal groß neu zu bauen. Nur so könne man Abläufe wirklich optimieren. Im Bestand sei das kaum möglich.

Förster-Nachfolger Thorsten Hemmer hat dicke Bretter zu bohren

Das und andere Probleme offen auszusprechen, habe er ebenfalls immer als seine Aufgabe gesehen, unterstreicht der Diplom-Verwaltungswirt: „Ich wollte immer machen, was machbar ist. Keine Luftschlösser bauen.“ Deswegen habe es für ihn – auch etwa bei Verhandlungen mit Kandidaten für eine Chefarzt-Position – immer dazugehört, offen zu sagen, was vertraglich geht und was nicht. Die Schlüsselpositionen im Klinikum „gut zu besetzen“ sei nicht immer einfach gewesen. Förster: „Chefärzte sind Alphatiere. Aber wenn man offen, ehrlich und fair miteinander umgeht, müssen die Verhandlungen nicht per se schwierig sein.“

Unter anderem darum muss sich künftig Försters Nachfolger Thorsten Hemmer kümmern. Der hat in den kommenden Jahren einige dicke Bretter zu bohren – bei der Krankenhausfinanzierung wie bei der Suche nach Personal. Denn die gestalte sich „vom Azubi bis zum Chefarzt“ immer schwieriger. Das zu ändern sei allein mit besserer Bezahlung nicht möglich: „Die Belastung ist zu hoch.“ Hier könne nur ein Wandel des Systems helfen, pflegerische Berufe müssten wieder mehr wertgeschätzt und von Hilfstätigkeiten abgekoppelt werden. „Niemand muss drei Jahre eine Ausbildung machen, um Essen auszuteilen“, nennt Förster ein Beispiel. Doch genau solche Rahmenbedingungen müsse die Politik nun schaffen.

Im Gesundheitswesen wolle er sich weiter engagieren, kündigt Förster an, allerdings nicht im Umfeld des Westpfalz-Klinikums: „Ich bin fest überzeugt, dass das nicht richtig wäre, es nicht gut gehen könnte. Ab 1. Oktober ist Herr Hemmer da.“ Eine Auflösung, in welcher Form genau er tätig wird (abgesehen vom Engagement beim Roten Kreuz), bleibt Förster schuldig, verrät aber, dass er einen Teil seiner neugewonnen Freizeit mit seiner Enkelin und bei den Pferden der Familie im Stall verbringen will. „Und ein paar Projekte im Haus gibt’s auch noch zu erledigen.“

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