Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalz-Klinikum: Sanierungskurs zeigt erste Erfolge

Herzkatheter-Operation in Kaiserslautern: in der Mitte Chefarzt Burghard Schumacher, rechts seine Kollege Hans Kottkamp.
Herzkatheter-Operation in Kaiserslautern: in der Mitte Chefarzt Burghard Schumacher, rechts seine Kollege Hans Kottkamp.

Seit zwei Jahren kämpft die Westpfalz-Klinikum GmbH um die gesicherte Zukunft. Jetzt sieht sie zwar einen Lichtstreif am Horizont. Doch die Situation bleibt herausfordernd.

Erst eine Leistungsumsatz-, dann eine Kostenkrise: Zuletzt hatte die Westpfalz-Klinikum GmbH mit Zahlen für Schlagzeilen gesorgt, die einen Finanzcrash befürchten ließen. Dann sprangen die Gesellschafter ein – die Stadt Kaiserslautern, der Landkreis Kusel und der Donnersbergkreis stützten ihre klamme Tochter. Aktuell sei das Klinikum mit seinen Standorten in Kaiserslautern, Kusel, Rockenhausen und Kirchheimbolanden wieder auf einem soliden Kurs, sagt Geschäftsführer Thorsten Hemmer.

Sein Vertrag wurde gerade um sieben Jahre verlängert: Thorsten Hemmer, Geschäftsführer der Westpfalz-Klinikum GmbH.
Sein Vertrag wurde gerade um sieben Jahre verlängert: Thorsten Hemmer, Geschäftsführer der Westpfalz-Klinikum GmbH.

Als Hemmer im Herbst 2022 seine neue Aufgabe übernahm, standen die Zeichen bereits auf Sturm. Damals wurde klar, dass der Staat keinen Ausgleich mehr dafür zahlt, dass die Umsätze wegen Corona stark eingebrochen waren. Die Pandemie wurde für beendet erklärt, das Klinikum, so der Geschäftsführer, habe aber fast das ganze Jahr 2023 noch darunter zu leiden gehabt. Während der Pandemie-Ausläufer setzten dann die weltweiten Krisen ein – der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, die Energiekrise, deutschlandweit verstärkt durch Inflation und Tariferhöhungen. „Für uns war schnell klar, dass wir so nicht weitermachen können, weil die Insolvenz drohen würde“, beschreibt Hemmer die damalige Lage.

Vier Jahre sanieren

Was folgte, war ein Sanierungskonzept 2023-2026. Das Ziel ab 2027 lautet, wieder normal wirtschaften zu können. Über diese vier Jahre erstreckt sich auch der finanzielle Spielraum, den die Gesellschafter und die Banken ermöglichten. Dazu zählen 35,3 Millionen Euro als Kredit, den die Stadt und die Kreise einräumten. Er dient für Investitionen, das Geld kann bei Bedarf abgerufen und muss verzinst zurückgezahlt werden. Hinzu kommt eine Finanzspritze der Gesellschafter von 27,6 Millionen Euro als Eigenkapitaleinlage, um die Liquidität zu sichern, bilanziell nicht überschuldet zu sein.

Ein herzchirurgischer Eingriff aus der Nähe fotografiert.
Ein herzchirurgischer Eingriff aus der Nähe fotografiert.

Neben diesen zusammen 62,9 Millionen Euro stehen zehn Millionen von den Banken als Kontokorrentkredit, eine flexible Kreditlinie also, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken, wie am Ende eines Monats. Acht Millionen wurden zusätzlich eingeräumt, mussten laut Hemmer aber bislang nicht beansprucht werden, sondern hätten sich vermutlich erledigt. Dienen sollte das Geld als Puffer, weil erst 2024 endgültig festgelegt wurde, dass die Krankenkassen dauerhaft binnen fünf Tagen Rechnungen begleichen müssen und nicht mehr binnen 14 Tagen wie vor Corona.

2024 Rekordumsatz

Seit 2023 soll der jährliche Verlust stetig sinken, um spätestens ab 2028 wieder schwarze Zahlen zu schreiben, weil das Eigenkapital dann wieder nahezu aufgebraucht wäre. 2023 lag der Fehlbetrag bei 15 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es zehn Millionen. 2024 habe der Umsatz von 410 Millionen Euro im Vorjahr auf fast 500 Millionen Euro gesteigert werden können, so Hemmer. 2025 rechne die GmbH bislang mit einem Jahresergebnis von 6,5 Millionen, die fehlen.

Der Standort Kirchheimbolanden erhält derzeit in einem ersten Bauabschnitt einen Erweiterungsbau.
Der Standort Kirchheimbolanden erhält derzeit in einem ersten Bauabschnitt einen Erweiterungsbau.

Dass es nicht mehr ist, verdanke das Klinikum auch einer Entscheidung in Berlin, wonach die Tarifsteigerungen 2024 teilweise ausgeglichen worden seien. Zudem wird auf einen Inflationsausgleich für 2022 und 2023 gehofft. Beide Hilfen ein Einmaleffekt und nicht verstetigt, sagt der Geschäftsführer und beschreibt das Problem aller Krankenhäuser: „Wir machen unsere Preise nicht selbst“, vielmehr gebe sie der Staat nach einem starren Konzept vor.

50 neue Intensivkräfte

Zum Sanierungskonzept gehört ebenso die Restrukturierung. 26 Maßnahmen hat sich die GmbH vorgenommen, die seitdem nach und nach angegangen werden. Zunächst einmal sollten alle Betten wieder freigegeben werden. Das habe nur im schwierigsten Bereich, der Intensivstation, etwas länger gedauert, weil zu wenig Personal vorhanden gewesen sei. Deshalb wurden laut Hemmer 50 ausländische Pflegekräfte über Partneragenturen in Ländern wie Ägypten oder dem Balkan rekrutiert und in die Teams integriert. Das habe rund ein Jahr gedauert. „Heute haben wir fast zu 100 Prozent jene Bettenkapazität in Betrieb, die wir auch in Betrieb haben wollen.“

Neurologische und neurochirurgische Frührehabilitation in Kusel, links Chefarzt Heiko Bittmann.
Neurologische und neurochirurgische Frührehabilitation in Kusel, links Chefarzt Heiko Bittmann.

Schwerpunktbildung ist ein weiteres Schlagwort. Das Westpfalz-Klinikum als Maximalversorger habe das Glück, dass seine Pläne weitgehend mit der Krankenhausreform übereinstimmten, sagt der Geschäftsführer. Schwerpunkte seien beispielsweise die Herzmedizin, Neurologie und Geriatrie. In Kaiserslautern sei 2024 eine internistische Geriatrie in Betrieb gegangen. Am Standort Kusel gebe es den großen Bereich Frühreha. Rockenhausen werde durch die Erweiterung in Kirchheimbolanden dorthin verlagert und damit die Innere Medizin mit der Chirurgie zusammengeführt. Die Kapazitäten sollten der Nachfrage entsprechen, so Hemmer. Angebote wie die Geriatrie sollten zudem wohnortnah, also an allen dann drei Standorten vorhanden sein: „Das ist für mich kein Widerspruch zur Gesundheitsreform.“

Mehr Da-Vinci-OPs

Wegen des Schlagworts Schwerpunkt sei in Kaiserslautern auch die Frauenklinik stärker in den Fokus gerückt worden in den Sparten Geburtshilfe – „Wir hatten 2024 hundert Geburten mehr als üblich“ – und Gynäkologie. Einen deutlichen Zuwachs an Patientinnen habe es bei der onkologischen Frauenheilkunde gegeben, wo seit wenigen Monaten ebenfalls mit dem Da-Vinci-System roboterassistiert operiert werde.

Ein besonderer Schwerpunkt ist und bleibt die Onkologie insgesamt, zumal das Westpfalz-Klinikum ein rezertifiziertes Organzentrum ist und kurz vor der Zertifizierung als Genitalkrebszentrum steht. „Da haben wir ganz viel gemacht“, ist Hemmer überzeugt. So gebe es jetzt auch Möglichkeiten in der ASV, der ambulanten spezialärztlichen Versorgung, spezielle Untersuchungen anzubieten. Das sei eine neue Versorgungsform, bei der Krankenhäuser mit niedergelassenen Praxen kooperierten und Patienten daher auch gemeinsam versorgen könnten. Für die Hämatologie-Onkologie, also dort, wo Leukämie-Patienten liegen, „werden wir die Station teilweise in spezielle Isolationseinheiten umbauen“, schlägt Hemmer den Bogen zu Bauvorhaben.

Sanieren in Kusel

Mit Blick auf den Standort Kusel hofft der Geschäftsführer auf eine bauliche Sanierung bis 2030, die OPs inbegriffen. Demnächst soll ein Raum- und Funktionsprogramm in Auftrag gegeben werden. „Dann haben wir vielleicht bis Anfang 2026 ein Ergebnis, über das wir mit dem Land verhandeln können.“ Das Kuseler Krankenhaus ist 41 Jahre alt, kritisiert wird beispielsweise, dass nicht jedes Zimmer einen Sanitärbereich hat.

Mit prozessbegleitend umreißt der Geschäftsführer all das, was weiter passiert, um die Ausgaben zu senken, also den Umsatz in ein vernünftiges Verhältnis zu den Kosten zu setzen. So habe es Personalabbau durch Fluktuation gegeben, wovon der zu 100 Prozent refinanzierte Pflegebereich ausgenommen sei. Durch gemeinsame Sekretariate oder Rufdienste seien Synergien geschaffen worden.

Aramark mietet Halle

Personal- und Sachkosten werden in einem weiteren Schritt gespart, so bei der Zentralküche, die bis Mai 2026 schließt. Hemmer hofft weiter darauf, dass es beim Personal null auf null aufgehen könnte. Künftig werden nur noch 25 der bisher 120 Kräfte gebraucht, die Verhandlungen sollen bis 30. September abgeschlossen sein. Ab Juni 2026 übernimmt die Firma Aramark das Catering. Sie hat laut Hemmer eine leerstehende Halle in Kaiserslautern angemietet, wo sie die Essen herstellen will. Darüber hinaus werden bestimmte Leistungen, wie die Medizintechnik, wieder vom Klinikum erledigt statt von Fremdfirmen. Viele weitere kleine Bereiche seien auf den Prüfstand gekommen, zum Beispiel Wartungsverträge „auf den Kopf gestellt“ worden.

x