Westpfalz
Westpfalz-Klinikum: Investition in Patientenversorgung
Zum Wintersemester 2025/26 haben sie ihr Medizinstudium in Budapest begonnen, wenige Wochen später stand erstmals Besuch aus Deutschland vor der Tür. Eine kleine Delegation des Westpfalz-Klinikums wollte sich selbst ein Bild davon machen, ob sich 42 angehende deutsche Ärztinnen und Ärzte an der Semmelweis-Universität wohlfühlen. Mit den jungen Leuten verbindet das Klinikum große Hoffnungen – und auch mit all jenen, die noch folgen sollen.
Begonnen hatte alles im Herbst 2024. Damals wurde in Kaiserslautern ein Kooperationsvertrag unterzeichnet. Partner sind das Westpfalz-Klinikum und seine Gesellschafter, die Budapester Semmelweis-Universität und das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium. Kurz gesagt geht es darum, dass das Land nicht mehr Medizinstudienplätze bereit stellt. Studiert werden kann derzeit primär an der Universität Mainz, der klinische, also praktische Teil kann zudem an den Standorten Medizincampus Trier und Medizincampus Koblenz absolviert werden. Die Erfahrung lehrt, dass junge Ärzte nach dem Studium oft in ihrem universitären Umfeld „hängen bleiben“.
Studiengebühr Pflicht
Um die ärztliche Versorgung in der Westpfalz mittelfristig ebenfalls mit einem solchen Klebeeffekt zu verbessern, kooperieren das Westpfalz-Klinikum und die Semmelweis-Universität: Für im ersten Schritt 42, danach 80 junge Leute wird ein privates Studium angeboten. Die Theorie wird in Ungarn gelehrt, die Praxis in der Westpfalz. Bewerben kann sich jeder, denn eine Zulassungsbeschränkung, Beispiel ein Abiturschnitt von 1,0, gibt es nicht. Allerdings müssen die Studierenden 9340 Euro pro Semester zahlen. Die Nachfrage für den ersten Jahrgang war laut Westpfalz-Klinikum groß. Zwei Drittel der 42 Erstsemester stammten aus dem südwestdeutschen Raum, das restliche Drittel aus dem weiteren Bundesgebiet.
Während die künftigen Mediziner in Budapest die Vorklinik durchlaufen, bereitet sich die Westpfalz auf das vor, was ab dem Wintersemester 2028/29 notwendig ist, wenn sich der klinische Teil anschließt. Zwar dient das Westpfalz-Klinikum schon lange als akademisches Lehrkrankenhaus für die Unis Mainz und Heidelberg. Jetzt aber will es richtig in den universitären Praxisbetrieb einsteigen, was eine logische Konsequenz der Kooperationsvereinbarung ist. Dazu soll auf dem ehemaligen Pfaff-Gelände in Kaiserslautern neu gebaut werden und am Ende ein Gesundheitscampus entstanden sein. Dieser setzt sich den Plänen zufolge aus zwei Teilen zusammen.
Lernen und studieren
Zum einen aus einer Medical School für die Studierenden, zum anderen aus einem modernen und attraktiven Ausbildungszentrum für medizinische Fachberufe. Bislang sind die Schulen des Westpfalz-Klinikums für Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten, operationstechnische Assistenzen und Co. im Stadtgebiet von Kaiserslautern verstreut. Der besondere Dreh: Durch die Nachbarschaft sollen angehende Ärzte und das sonstige medizinische Personal gemeinsam ausgebildet werden, wie in „Skills Labs“, Trainingsräumen, wo unter realistischen Bedingungen geübt werden kann.
„Das macht uns schon besonders, dass wir in dieser Interdisziplinarität schon während der Ausbildung propagieren und auch leben“, so der Ärztliche Direktor Karlheinz Seidl. Ebenso eingebunden seien die Standorte Kusel und Kirchheimbolanden, womit die Studierenden die Chance hätten, ein breites Spektrum zu erleben statt nur spezieller Krankheitsbilder. Geschäftsführer Thorsten Hemmer erhofft sich zudem eine besondere Atmosphäre auf dem Pfaff-Gelände, wenn dort perspektivisch über 600 junge Menschen lernen und studieren.
Gesamtkosten: 30 Millionen
Ein Gebäude, zwei Nutzungen – doch ist dieser Gesundheitscampus auf bis zu 4500 Quadratmeter Fläche an der Albert-Schweitzer-Straße nicht umsonst zu haben. Aktuell schätzt das Klinikum die Gesamtkosten auf rund 30 Millionen Euro. Bauen soll ein Investor, der die Hälfte für die Medical School an das Klinikum verkauft und die andere Hälfte für das Ausbildungszentrum vermietet. Für die mit der Medical School verbundenen Kosten haben die drei kommunalen Gesellschafter – die Stadt Kaiserslautern sowie die Landkreise Kusel und Donnersbergkreis – jetzt für Sicherheit gesorgt, indem ihre Gremien grundsätzlich grünes Licht für eine Ausfallabsicherung und eine anteilige Investitionsfinanzierung gaben.
Dies betrifft zum einen die Investitionskosten von 15 Millionen Euro für die Medical School. Das Land hat dazu laut Geschäftsführer Hemmer zwölf Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes in Aussicht gestellt, womit ein Eigenanteil von drei Millionen Euro verbliebe. Sollte es dem Klinikum nicht gelingen, diesen Anteil selbst zu finanzieren, wie über einen Kredit, springen die Gesellschafter gemäß ihrer Anteile ein – Kaiserslautern mit 1,8 Millionen Euro, der Kreis Kusel mit 750.000 und der Donnersbergkreis mit 450.000 Euro.
Echtbetrieb ab 2031
Eine zweite Säule betrifft laut Hemmer die Vorfinanzierung des laufenden Betriebs. Denn: Da die maximale Anzahl von 240 Studierenden erst bis 2031 erreicht wird, vorher aber schon alle Kosten entstehen, wird mit einem Verlust von fünf Millionen Euro kalkuliert, die im besten Fall über Darlehen finanziert und ab 2031 getilgt werden sollen, aber ebenfalls durch die Gesellschafter abgesichert sind. Diese Kosten seien in die Studiengebühr eingepreist, weshalb der Echtbetrieb ab 2031 „null auf null“ aufgehen soll. Zählt die Medical School dann aber weniger als 240 Studierende, im schlimmsten Fall nur die Hälfte, sichern die Gesellschafter auch das dann entstehende Defizit von bis zu einer Million Euro ab: Kaiserslautern mit bis zu 600.000 Euro im Jahr, der Kreis Kusel mit bis zu 250.000 Euro und der Donnersbergkreis mit bis zu 150.000 Euro.
„Wir sind dankbar, dass die Gesellschafter uns den Rücken stärken“, sagt der Geschäftsführer. Nächster Schritt werde sein, koordinierend Gespräche mit der Kommunalaufsicht zu führen, um die Finanzierung trotz defizitärer Kommunalhaushalte „wasserdicht“ zu bekommen. Gleichzeitig werde das Projekt Gesundheitscampus ausgeschrieben. Dass es mit der Umsetzung bis zum Wintersemester 2028/29 nicht klappt, steht fest. Hemmer: „Wir werden ein Semester überbrücken müssen.“
