Interview
Westpfalz-Klinikum: „Ein Krankenhaus, kein Finanzbetrieb“
Herr Hemmer, eine gravierende Änderung im neuen Jahr wird sein, dass die Zentralküche schließt und das Unternehmen Aramark die Essensversorgung übernimmt. Was erwarten Sie?
In der Tat war die Küchenschließung eine der schwersten Entscheidungen, die wir 2025 treffen mussten. Der Schnitt zum 1. Mai wird planmäßig so erfolgen, dass die Sicherstellung der Patientenversorgung reibungslos abläuft und bestenfalls gar nicht bemerkt wird. Wir sind davon überzeugt, mit dem Caterer Aramark einen sehr guten Partner gefunden zu haben.
Und dass die Patienten satt werden?
Selbstverständlich sollen und müssen unsere Patientinnen und Patienten satt werden. Eine gesunde, abwechslungsreiche und auskömmliche Ernährung während eines Klinikaufenthalts trägt maßgeblich zur Genesung und Zufriedenheit bei. Dessen bin ich mir bewusst.
Dass die Zentralküche geschlossen wird, um vorneweg Personalkosten zu sparen, gehört zum Sanierungskonzept der Westpfalz-Klinikum GmbH für die Jahre 2023 bis 2026. Wie sieht es aktuell aus?
Wir sind im Plan, 2025 sogar ein bisschen besser als geplant, und ich denke, wir werden das Jahr auch sehr zufriedenstellend abschließen können. Auch für 2026 sehen die Prognosen gut aus. Wie es dann 2027 weitergeht, kann ich aktuell noch nicht verlässlich sagen. Das hängt auch von den äußeren Rahmenbedingungen ab.
Auf Einmaleffekte, wie zusätzliches Geld vom Bund für Tarifsteigerungen oder Inflationsausgleich, kann aber nicht mehr gesetzt werden?
Genau das wird die Herausforderung ab 2027 sein. Wir hätten uns den Ausgleich anders gewünscht, durch verstetigte höhere Einnahmen statt solcher Einmaleffekte. Deshalb müssen wir mittelfristig so aufgestellt sein, dass wir auch auf Dauer durchfinanziert sind.
Um noch einmal auf 2026 zurückzukommen: Bund und Länder haben zugestimmt, die Krankenkassen auf Kosten der Krankenhäuser zu entlasten. Das wird dem Westpfalz-Klinikum im nächsten Jahr einen Einnahmeverlust von rund sechs Millionen Euro bescheren. Wie fangen Sie das auf?
Wir profitieren noch einmal von Sonderzahlungen aus 2022 und 2023 in Höhe von neun Millionen Euro, können das Loch also durch puren zeitlichen Zufall stopfen. Zudem sind wir froh, dass es sich um eine einmalige Aktion handelt, für die die Kliniken im Folgejahr sozusagen entschädigt werden sollen. Aus unserer Sicht ist der Vorschlag des Vermittlungsausschusses ein fairer Kompromiss, der zeigt, dass es geholfen hat, dass die Krankenhäuser früh Alarm geschlagen haben.
Das hört sich trotzdem nach einem Verschiebebahnhof an, oder?
Natürlich, und das geht einher mit Planungsunsicherheit, weil es keine verlässliche Refinanzierung der Kostensteigerungen gibt.
Mit der Krankenhausreform soll sich das ändern, auch wenn sie jetzt erst bis 2030 voll greifen soll. Sind Sie ein Freund davon, dass dann weniger die Fallzahlen für den Kostenersatz dienen sollen, dafür aber umso stärker, was man als Krankenhaus vorhält?
Das wäre – Stand heute – für mich eine Mogelpackung, da tatsächlich Vorhaltekosten nicht pauschaliert vergütet werden sollen, sondern sich nach wie vor alles an den Fallzahlen orientieren würde. Bislang weiß aber niemand, wie das alles tatsächlich aussehen wird, da es das notwendige Gesetz noch gar nicht gibt. Aktuell wird in Expertenrunden weitaus mehr über die künftigen Leistungsgruppen diskutiert.
Also jene Gruppen, in die ein Krankenhaus eingeordnet sein muss, um Behandlungen abrechnen zu können?
Ja, ansonsten dürfen Sie die Leistung als Klinik nicht erbringen. Bis Ende September dieses Jahres mussten wir die Leistungsgruppen, getrennt nach den Standorten Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen beim Land beantragen. Mit Ausnahme vom Standort Kusel entspricht es dem, was wir bereits anbieten.
Für Kusel war zusätzlich eine Geriatrie, eine altersmedizinische Versorgung, angedacht. Kommt sie?
Da bin ich optimistisch, zumal ein landesweites Gutachten bestätigt hat, dass die Westpfalz mit Blick auf geriatrische Angebote unterversorgt ist. Das Land plant, im zweiten Halbjahr 2026 die Leistungsgruppen zuzuordnen, die dann ab 2027 gelten sollen. Aber auch bei den Leistungsgruppen gilt, dass das Änderungsgesetz zur Krankenhausreform noch fehlt.
In Kusel steht mittelfristig eine Generalsanierung an. Die neue Zukunft am Standort Kirchheimbolanden wurde bereits gestartet. Kann der Bauplan eingehalten werden?
Bis jetzt ja. Die Bodenplatte für den neuen Anbau ist gegossen, der Rohbau wächst in die Höhe. Parallel dazu nimmt der neue Haupteingang Formen an. Voraussichtlich im Frühjahr wird die neue Zufahrt da sein.
Wenn in Kirchheimbolanden alles nach Plan läuft, wird der Standort Rockenhausen folglich 2027 geschlossen, ziehen Innere Medizin und Geriatrie über den Berg?
Danach richten wir im Moment alles aus.
Was geschieht dann mit dem leerstehenden Gebäude? Und dem Mieter Pfalzklinikum als Nachbar?
Wir sind mit potenziellen Nachnutzern im Gespräch. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine gute Lösung finden, die aber noch nicht spruchreif ist.
Können Sie zumindest sagen, ob auch das Pfalzklinikum zu den Gesprächspartnern gehört?
Selbstverständlich. Schließlich arbeiten wir schon seit vielen Jahren gut unter einem Dach zusammen.
Im Zuge der Krankenhausreform gibt es auch einen Transformationsfonds, in den Bund und Länder insgesamt 50 Milliarden Euro von 2026 bis 2035 geben. Hat sich das Westpfalz-Klinikum dazu bereits positioniert?
Das Geld soll dazu dienen, den Umbau der Krankenhauslandschaft zu unterstützen. Auch dazu mussten bis 30. September 2025 Anträge beim Land gestellt werden. Wir haben das beispielsweise für eine integrierte Notfallzentrale getan, die ambulante und stationäre Notaufnahmen umfassen soll. Ein ebenso großes Thema ist die Telemedizin, bei der es wichtig ist, dass sich Kliniken austauschen können.
Sie meinen jetzt nicht Kusel und Kaiserslautern, sondern das Westpfalz-Klinikum mit – zum Beispiel – dem Nardini-Krankenhaus in Landstuhl?
Ja, denn es geht beispielsweise um den datenschutzgerechten Austausch von Patientendaten mit den Kliniken in der Region. Wenn es zum Beispiel Leistungsgruppen gibt und manche Krankenhäuser bestimmte Angebote nicht mehr vorhalten, dann brauchen sie Expertenwissen von anderen Kliniken. Oder aber eine Klinik, die zum Beispiel keine Schlaganfall-Spezialeinheit hat, in der aber trotzdem ein Patient mit einem akuten Schlaganfall vorstellig wurde. Auch dann kann man sich telemedizinisch Hilfe von einem Zentrum holen.
Am Standort Kaiserslautern gibt es nun eine eigene Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Transplantationsmedizin und Immunologie. Der neue Chefarzt Urban Sester hat das als mutige Entscheidung bezeichnet. Hört man das gern als Geschäftsführer?
In Zeiten wie diesen mit viel Planungsunsicherheit bedarf es gewisser mutiger Entscheidungen. Die Gründung einer eigenen Klinik für Nephrologie würde ich aber eher als absolut sinnvolle Entscheidung bezeichnen, gerade mit Blick auf die Leistungsgruppen. Die Nephrologie spielt in viele andere Bereiche hinein, Beispiel Urologie. Sie war bereits als Fachabteilung sehr sichtbar, auch durch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten in der Region. Sie als eigene Klinik aufzustellen, war der letzte und konsequente Schritt.
Bedauern Sie es bei diesem Thema besonders, dass der Startschuss für die Generalsanierung in Kusel erst in ein paar Jahren fallen wird?
Man muss diese Generalsanierung als Gesamtpaket schnüren, und daran arbeiten wir gerade. Und ja, gerade bei der Dialyse sind wir in Kusel mit sechs Betten in der Klinik für Frührehabilitation sehr beengt und müssten eigentlich schon jetzt erweitern, um noch mehr Patienten eine Blutwäsche anbieten zu können. Das aber schon jetzt an einem anderen Ort innerhalb der Klinik zu tun und damit unter Umständen eine bessere Gesamtplanung zu behindern, ergibt einfach keinen Sinn.
Ihr Vertrag als Geschäftsführer wurde 2025 verlängert. Ist es Ihr Traumjob?
Auf jeden Fall ist es eine Aufgabe, die ich sehr gerne wahrnehme, trotz oder gerade wegen der Herausforderungen und Unsicherheiten. Und sehen Sie, wir haben jetzt viel über Zahlen geredet. Aber es geht vor allem um Menschen – um die Patientinnen und Patienten, die auf Hilfe hoffen und uns vertrauen, und um die Mitarbeitenden, die helfen wollen, diesen Beruf bewusst gewählt haben. Wir sind ein Krankenhaus, kein Finanzbetrieb. Und die Mitarbeitenden schaffen es trotz oft widriger Umstände und Rahmenbedingungen, die hohen Qualitätsstandards einzuhalten, die wir uns selbst gesetzt haben. Darauf bin ich als Geschäftsführer sehr stolz.
Trotzdem gibt es Kritik, trotzdem stehen beispielsweise in Kaiserslautern Betten mit Patienten auf dem Flur.
Kein Patient sollte bei uns auf dem Flur stehen müssen. Aber selbstverständlich: Kritik gehört dazu. Wir versorgen rund 160.000 Menschen im Jahr ambulant und stationär. Wir wissen, dass es auch berechtigte Kritik gibt. Und wir wissen auch, dass nicht immer alles so läuft, wie wir uns das im Sinn unserer Patienten wünschen. Das gehört dazu und dem stellen wir uns.
Ihr Vertrag läuft 2032 aus. Wo sehen Sie das Westpfalz-Klinikum dann?
Bis dahin haben wir die Talsohle deutlich hinter uns gelassen. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dem wird auch eine Krankenhausreform dienen, aus der das Westpfalz-Klinikum gestärkt hervorgehen wird.