Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfälzer Band Sleazy meldet sich zurück

Geduldsspiel: Fanny Capu und die Sandanimations-Technik.
Geduldsspiel: Fanny Capu und die Sandanimations-Technik.

Drei sind aller guten Dinge: das beweist die Lautrer Hardrock-Band Sleazy dieser Tage mit einem gekonnten Video.

Wenn eine Band nach langem Schweigen wieder aktiv wird, ist das alleine schon eine besondere Sache. Wenn sie dann gleich noch ein neues Album veröffentlicht, ist die Freude bei ehemaligen (und dann auch neuen) Fans erst recht groß. So richtig Anlass zum Staunen gibt es aber, wenn diese Gruppe dann auch noch ein ungewöhnliches Video zu einem der CD-Titel nachschiebt. Das Kaiserslauterer Quartett Sleazy hat genau diese bemerkenswerte Dreier-Schrittfolge eingehalten – und mit einem nicht alltäglichen Videoclip ihrer Entwicklung jetzt noch ein außergewöhnliches Glanzlicht aufgesetzt.

Groß war das Erstaunen nicht nur in der Kaiserslauterer Musikszene (schließlich war man früher schon ordentlich herumgekommen), als sich das Ende der 1980er Jahre gegründete Hardrock-Quartett Sleazy vor knapp zwei Jahren nach gut einem Vierteljahrhundert Pause – denn aufgelöst hatte man sich offiziell nie – mit der sinnig betitelten CD „Back on track“ (etwa „Zurück in der Spur“) zurückmeldete. Man war wieder da, und die neun brandneuen Titel des Albums bewiesen, dass man in der Zwischenzeit nichts verlernt, mehr noch: sich ordentlich weiterentwickelt hat (wir berichteten am 2. Oktober 2023).

Das Sahnehäubchen fehlt

Was noch fehlte, war eine Art optisches Sahnehäubchen, ein Video zu einem der Titel. Man entschied sich für den zweiten Track, „Last Shirt“, der dann ebenso ungewöhnlich werden sollte wie bereits die visuelle Aufmachung des CD-Covers, das vom bekannten Berliner Grafiker Roman Bittner im anspruchsvollen Comic-Stil entworfen wurde.

Was erwartet man gemeinhin von einem Videoclip einer Rockband? Die Darstellung der Musiker bei der Arbeit vermutlich, eine wie auch immer geartete Handlung vielleicht noch. Das „Last Shirt“-Video ist anders. Dargestellt ist der Inhalt des Titels „Last Shirt“, also das sprichwörtlich „Letzte Hemd“, das bekanntlich keine Taschen hat. Den philosophisch angehauchten Text und den darunterliegenden harten Rock-Sound hat die aus Deutschland stammende, heute im Vereinigten Königreich lebende junge Filmschaffende Fanny Capu realisiert – und zwar als Trickfilm in der speziellen, so genannten Sandanimations-Technik. Dabei werden per Hand Bilder aus Sand auf einer (meist) von hinten beleuchteten Glasfläche erzeugt, einzeln abfotografiert und zu einem fortlaufenden Film zusammengefügt.

Beeindruckende Mühsal

Es ist eine mühsame, aber im Ergebnis beeindruckende Arbeit, bei der Capu unermüdlich den feinen Sand rieseln ließ, auf der Platte verteilte, ihn zu Bildern und Szenen formte. Immer wieder und weiter verarbeitete sie die Darstellungen mit der ganzen Hand, mit einzelnen Fingern und mit feinen Pinseln. So entstanden auf manchmal surrealistisch anmutende Weise neue Bilder aus vorangegangenen Grafiken, setzten feine Konturen und dichte Flächen markante Akzente und Übergänge.

Das Ergebnis der aufwändigen Arbeit ist ein dreieinhalbminütiges Video auf YouTube. Man sieht dort unter anderem das besagte Hemd, die verrinnende Zeit darstellende Sanduhren, mehrere Häuser und Geldscheine, nicht zuletzt ein Auto in voller Fahrt, was sogar perspektivisch komplex dargestellt wurde. Arbeitsintensiv, aber kein Problem für die erfahrene Künstlerin und Regisseurin Fanny Capu, die bei der kreativen Umsetzung des Rock-Titels freie Hand (und ein „gutes Händchen“) hatte.

Sie interessierte sich schon als Teenager für die Entstehung von Filmen und hat ihre berufliche Entwicklung entsprechend ausgerichtet. Capu hat bereits ihren Bachelor in Animation an der Staffordshire University erlangt und absolviert zurzeit einen Master-Studiengang in Animationsregie an der National Film and Television School. Bekannt geworden ist sie auch schon als Kurzfilm-Regisseurin und durch ihre Mitarbeit am neuesten „Wallace & Gromit“-Film.

„Wir dachten, es ist mal anders als die sonstigen Videos der Hardrock-Szene“, sagt Sleazy-Gitarrist Dirk Bayer, der zusammen mit Dee Polz (Gesang), Markus Dillenkofer (Bass) und Hannes Krämer (Schlagzeug) das rockige Ausgangsmaterial zum Video lieferte. Wohl wahr: Es ist anders und vor allem (bis auf den Schnitt) so handgemacht wie es auch der energetische Titel selbst ist. Nicht nur deshalb lohnt sich das Ansehen des bisher noch wenig beachteten Videos allemal.

Info

Das Sandanimations-Video zum Song „Last Shirt“ der Kaiserslauterer Gruppe Sleazy gibt es auf YouTube zu sehen (die Begriffe „Sleazy“ und „Last Shirt“ in der Suchmaske genügen zum Auffinden).

Sleazy heute (von links): Markus Dillenkofer, Dee Polz, Dirk Bayer und Hannes Krämer.
Sleazy heute (von links): Markus Dillenkofer, Dee Polz, Dirk Bayer und Hannes Krämer.
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