Kaiserslautern
Wenn niemand beim ärztlichen Bereitschaftsdienst abnimmt ...
Es sei eine beängstigende Situation gewesen: „Gegen 13 Uhr ging es meiner erwachsenen Tochter am Brückentag nach Christi Himmelfahrt plötzlich nicht mehr gut“, schildert Corinna Böhlke. Übelkeit und hohes Fieber weckten schnell die Sorge, es könne sich um eine Corona-Infektion handeln. „Deswegen wollten wir eine Überweisung für einen PCR-Test haben.“
Doch der Hausarzt sowie das Gesundheitsamt hatten bereits geschlossen. Auch unter der 116 117, der Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdiensts der Kassenärztlichen Vereinigung, erreichte sie niemanden. „Stattdessen sagte das Band, ich solle später noch mal anrufen.“ Ähnlich erfolglos blieb sie bei den ärztlichen Bereitschaftspraxen im Westpfalz-Klinikum sowie im Landstuhler Krankenhaus: „Ich habe mich hilflos gefühlt.“ Dabei habe sie sich nur gewünscht, mit jemandem zu sprechen, anstatt immer nur eine Tonband-Ansage zu hören, die sie auf einen späteren Versuch vertröstete.
Nur in dringenden Fällen in die Notaufnahme
Der Pressesprecher der KV, Stefan Holler, kann den Vorfall nicht nachvollziehen: „Dass ein Band anspringt, kann schon mal vorkommen, wenn viele Menschen in der Warteschleife sind.“ Dass die Anruferin trotz wiederholter Versuche jedoch nicht einmal in die Warteschleife vorgedrungen sei, ist für ihn unvorstellbar. „Die 116 117 ist zu jederzeit erreichbar.“
Deswegen lautet sein Rat auch weiterhin, bei weniger dringlichen Gesundheitsproblemen nicht gleich die Notaufnahme der Krankenhäuser oder die Bereitschaftspraxen aufzusuchen. Vielmehr erhalte der Anrufer über die Hotline des ärztlichen Bereitschaftsdienst Infos, welche Hausarztpraxis in der Nähe helfen könne. „Das gilt nicht bei akuten Fällen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall“, verdeutlicht er. „Hier zählt jede Minute und man sollte sofort ins Krankenhaus.“