RHEINPFALZ-Sprechstunde
Wenn man im Bett keine Ruhe findet: Mediziner geben Tipps und beantworten Fragen
Wann spricht man von Schlafstörungen?
Von Schlafstörungen spricht man, wenn Menschen über einen längeren Zeitraum schlechter, weniger oder unregelmäßiger schlafen als normal und dadurch die Leistungsfähigkeit und das psychische Wohlbefinden am Tag beeinträchtigt werden, erklärt Stefan Kniele, leitender Arzt der Praxis für Pneumologie und Schlafmedizin im MVZ in der Bismarckstraße. Er ist Internist, Schlafmediziner und Schlafcoach.
Welche Altersgruppen sind besonders betroffen – und eher Männer oder Frauen?
Alexander Jatzko, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik: „Frauen leiden doppelt so häufig unter Schlafstörungen wie Männer.“ Das könne zum einen durch häufiges Grübeln, aber auch leichteren Schlaf und durch das Schnarchen des Partners bedingt sein. Jatzko: „Je älter man wird, desto mehr nehmen Schlafstörungen zu.“ Kniele ergänzt: „Bei schlafbezogenen Atemstörungen, beispielsweise Schnarchen und Atempausen, sind mit zunehmendem Alter und oft auch abhängig vom Körpergewicht etwas häufiger die Männer betroffen.“
Was sind die Gründe für Schlafstörungen?
Eine sehr häufige Ursache aus schlafmedizinischer Sicht ist das Schlafapnoe-Syndrom, sagt Kniele: „Symptome hier sind Atempausen und Schnarchen.“ Das sorge sowohl beim Betroffenen selbst, aber auch beim Bettnachbarn zu ausgeprägten Schlafstörungen. Weitere Gründe für Schlafstörungen könnten unruhige Beine, Zuckungen, nächtlicher Harndrang und Krämpfe sein – insgesamt gibt es über 100 verschiedene Formen von Schlafstörungen. Wie Jatzko ergänzt, können auch seelische Erkrankungen die Ursache sein: „Sehr häufig sind Grübeln, Ängste, Stress, psychische Belastungen und Störungen wie Depressionen Gründe für Schlafstörungen.“ Aber auch mit dem Handy im Bett zu liegen und deswegen nicht abschalten zu können, lasse den Schlaf kürzer werden.
Gibt es Krankheiten, die Schlafstörungen auslösen?
Viele körperliche Erkrankungen und Medikamente können laut Jatzko zu Schlafstörungen führen. Hier zeigen sich zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen und Schmerzen als mögliche Ursachen. Kniele: „Aus internistischer Sicht können fast alle Herzkreislauf- und Lungenerkrankungen zu ausgeprägten Schlafstörungen, aber auch zu Schlafatemstörungen führen.“
Was kann man gegen Schlafstörungen tun?
Wie Jatzko erklärt, kommt das ganz auf die ursächliche Störung an: „Bestehen psychische Belastungsfaktoren und Erkrankungen, dann sollte man wieder für inneren Ausgleich und Balance sorgen.“ Beispielsweise könne es helfen, in einem Abendritual den Geist zu beruhigen, über Entspannungsverfahren weniger zu grübeln, das Handy eine halbe Stunde vor dem Schlaf nicht mehr zu beachten und tagsüber körperliche Aktivität wie Sport einzubauen. Bei internistischen Ursachen sollten diese behandelt werden, rät Kniele: „Da es insgesamt über 100 verschiedene Formen von Schlafstörungen gibt, sollte hier an eine schlafmedizinische Mitbehandlung und eine gezielte Therapie gedacht werden.“
Welche Rolle spielt das Bett bei Schlafstörungen – kann es sein, dass eine neue Matratze hilft?
„Alles kann helfen, was den Geist vor dem Einschlafen beruhigt und das Grübeln stoppt, falls psychische Faktoren ursächlich für Schlafstörungen sind“, sagt Jatzko. Wenn eine Matratze das Wohlbefinden steigert und Schmerzen lindert, könne das definitiv beim Schlafen helfen. Das Bett sollte vor allem Ort des Schlafes und für sexuelle Aktivitäten sein. „Dort sollte nicht TV geschaut oder mit dem Handy Aufregendes angeschaut werden“, rät der Psychiater, „denn dann kombiniert unser Gehirn das Bett mit geistiger Aktivität, und das stört beim Schlafen.“
Wann sollte ich bei Schlafstörungen zum Arzt?
Wenn die Erschöpftheit und Müdigkeit zunehmen und die Lebensqualität abnimmt, und dies über mehrere Wochen, gibt Jatzko als Faustregel aus. „Liegen zusätzlich internistische Erkrankungen wie hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörung, Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall vor, sollte unbedingt eine Betreuung durch einen qualifizierten Schlafmediziner erfolgen“, mahnt Kniele, eventuell verbunden mit einer Abklärung im Schlaflabor.
Wie wichtig ist ein fester Schlafrhythmus?
„Die Hormone unseres Körpers sind völlig in einem 24-Stunden-Rhythmus geregelt“, erläutert Jatzko, „wenn wir zum Beispiel samstags erst um 3 Uhr ins Bett gehen, dann geht es uns sonntags auch nach acht Stunden Schlaf nicht gut. Hier haben wir nur eine Nacht an unserer Hormonuhr gedreht.“ Da das Gehirn eine Vorhersage- und Gewohnheitsmaschine ist, sind Körperfunktionen auf einen 24-Stunden-Rhythmus ausgelegt. Jatzko: „So ist unser Körper am ehesten in der Balance, wenn wir zu regelmäßigen Zeiten aufstehen, essen, Aktivitäten haben und auch schlafen gehen.“
Bevor man zu Medikamenten greift: Gibt’s natürliche Mittel, die beim Ein- und Durchschlafen helfen?
„Vieles, was das Wohlbefinden steigert und uns ruhiger und gelassener werden lässt, kann helfen“, sagen die Mediziner. „Wenn wir durch ein beruhigendes Abendritual oder einen Schlaftee, Baldrian oder heiße Milch mit Honig ruhiger werden, kann dies helfen.“ Alkohol sollte vermieden werden, da er die Schlafarchitektur stört. Auch tagsüber ausreichend Licht kann helfen, einen gesunden Tagesrhythmus zu erhalten. Wichtig zu wissen ist, was ein normaler Schlaf ist. Bis zu zehnmal pro Nacht kurz wachzuwerden, könne normal sein. Die meisten Menschen brauchen sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht.
RHEINPFALZ-Sprechstunde
Am Dienstag, 28. Februar, stehen die beiden Ärzte Alexander Jatzko und Stefan Kniele für Fragen rund ums Thema „Schlafstörungen“ von 14 bis 15 Uhr eine Stunde lang zur Verfügung. Zu erreichen sind sie dann unter Telefon 0631 3737 243 und -237.