Kaiserslautern Wenn der Ballon zur Rakete wird

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Aus einem Testballon wurde eine Rakete und diese wiederum zum Senkrechtstarter: Am Samstag setzte mit der „Country Night“ im Ramsteiner Haus des Bürgers eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe ihren Siegeszug fort. Inzwischen findet dort seit einigen Jahren halbjährlich eine solche Nacht statt, bei der sich sowohl Musiker der Western & County-Musikszene wie auch die tanzbegeisterten Anhänger der Line-Dancers ein Stelldichein geben.

Durch die Kombination aus Bestuhlung mit Tischen am Saalrand und einer entsprechend großen, offenen Tanzfläche war die Veranstaltung mit rund 300 Besuchern wieder ausverkauft. Ramstein erwies sich einmal mehr als Schnittstelle zwischen pfälzischen, saarländischen und elsässisch-lothringischen Tanzvereinigungen, die nach Angaben des Veranstalters jeweils bis zu 50 Aktive mitbringen, die mit einheitlichen Choreographien Kostproben ihres Könnens geben. Übrigens repräsentiert auch eine ultimative Linedance-Gruppe namens Straight On in Ramstein diese Pflege einer liebgewordenen Tradition. Diese widmet sich einer choreografierten Tanzform, bei der einzelne Tänzer unabhängig von Alter und Geschlecht in Reihen und Linien von- und nebeneinander tanzen. Die festgelegten Schrittfolgen basieren auf gängigen, bekannten Choreographien, die von den Tanzvereinigungen eingeübt werden und somit bei Zusammenkünften wie in Ramstein gemeinsam getanzt werden können. Die Tanzbewegungen mit den typischen Drehungen und Hüftschwüngen verliefen somit in genauer Synchronisation der Bewegungsabläufe, und diese ergab bei der Vielzahl der Tänzer ein traumhaftes Bild. Erstmals war die französische Band Texas Sidestep aus Mulhouse mit von der Partie, und sie schlug als sehr authentische Formation dieses Genres ein wie eine Bombe. Bis in die 1920er Jahre blühte diese Musikrichtung im Verborgenen, wurde von der aufkommenden Plattenindustrie dann als Hillbilly-Musik, dann später als Western- Music und schließlich als Western & Country-Musik entdeckt und geführt. Sie hat – wen wundert’s im Schmelztiegel der Vereinigten Staaten – irische, schottische und frankophile Wurzeln und basiert auch auf afrikanischen Rhythmen. Schließlich hat sie sich auch immer wieder zeitgenössischen Strömungen geöffnet und somit vielfältige Facetten wie kaum eine andere Musikrichtung. Besonders in Frankreich entstand zu der zunächst in Tennessee und Kentucky aufkommenden Musik eine Parallelkultur, von der auch „Texas Sidestep“ profitiert. Diese Formation singt und spielt traditionell mit zwei Leadsängern und einer Sängerin, die zwischendurch auch zur Fiedel greift. Pedal Steel Gitarre, Mundharmonika, Klavier, Gitarre, Mandoline und Bass, Cajun, Akkordeon sowie Schlagzeug – all das bildet das große Gerüst der über 20-jährigen Tradition dieser Formation. Die Vielfalt der Instrumente ergibt einen farbigen und abwechslungsreichen Klang, die Ausführenden erwiesen sich als spielerisch sehr versiert, trafen genau den Tonfall der Titel von legendären und aktuellen Größen. Der häufig vertretene Keith Urban, ein neuseeländisch-australischer Sänger und Songschreiber, verkörpert die aktuellen Strömungen in der Schnittstelle zwischen Country und Popmusik. Der in weiteren Titeln zu hörende, gecoverte Dean Brody ist das kanadische Pendant – nicht alle in ihren Erfolgstiteln nachempfundenen Künstler kommen wie etwa Randy Houser aus den Vereinigten Staaten. Und Country ist auch nicht gleich Country: Stileinflüsse aus Rock und Pop, Blues und Boogie Woogie finden sich ebenso wie europäisch-folkloristische Strömungen.

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