Kaiserslautern Weniger verbrauchen, mehr produzieren

Würden alle Maßnahmen zur Gesamtsanierung des Immobilienbestands im protestantischen Kirchenbezirk Kaiserslautern umgesetzt, könnten 41 Prozent der heute verbrauchten Energie eingespart werden. Gleichzeitig würde sich der Ausstoß an CO2 um 52 Prozent verringern. Das geht aus dem Klimaschutz-Teilkonzept hervor, das der Kirchenbezirk vor zwei Jahren beim Ingenieurbüro Dahlem für Bauphysik und Energieberatung in Auftrag gegeben hat.
Am Dienstagabend informierte Karl-Heinz Dahlem über die Ergebnisse der Untersuchung. Am Klimaschutz-Teilkonzept nahmen 19 Gemeinden teil. Gegenstand der Studie waren 18 Kirchen, 20 Gemeindehäuser und Gemeindezentren, 16 Pfarrhäuser und Pfarrämter, vier Sozial- und Verwaltungsgebäude sowie ein Kindergarten. Für jede Gemeinde erarbeitete das Ingenieurbüro eine Bewertung des energetischen Ist-Zustandes (Verbrauch) und eine Bewertung des Energiebedarfs (Berechnung). Weiter wurden mögliche Sanierungsmaßnahmen, Einsparpotenziale und geschätzte Investitionskosten aufgezeigt. Als Projektziel nannte Dahlem die Unterschreitung der nach der Energieverordnung geforderten Werte um 30 Prozent. Vorschläge zu Verbesserung der Anlagentechnik betreffen die Wärmeerzeugung (beispielsweise die Heizkessel), die Dämmung der Rohrleitungen oder die Pumpen. Sofern technisch und ökologisch sinnvoll, sollen nach Vorgaben der Evangelischen Landeskirche der Pfalz auch regenerative Energien für Wärme und Strom zum Einsatz kommen. Mit einer Photovoltaikanlage von 50 Quadratmeter auf einem südlich gelegenen Schrägdach könne laut Dahlem mit einem Ertrag von 6000 Kilowattstunden pro Jahr gerechnet werden. Damit ließe sich rechnerisch der derzeitige Stromverbrauch des Gebäudes erzeugen. Als bauliche Maßnahmen zur energetischen Verbesserung von Kirchen verwies Dahlem auf die Verbesserung der Dichtungen der Türen zum beheizten Raum, auf eine thermische Entkopplung einzelner Bereiche, auf die Dämmung der obersten Geschossdecke des Gewölbes sowie auf eine Schutzverglasung zur Erhöhung der wärmedämmenden Wirkung der Fenster. Des Weiteren auf eine Umstellung auf erneuerbare Energien und auf Umrüstungsvarianten für Luftheizung. Dekanin Dorothee Wüst stellte sich hinter das Klimaschutz-Teilkonzept und sprach von einer zentralen Aufgabe des Glaubens, „Kindern zum Nutzen und Gott zur Ehre“. Ziel des Kirchenbezirks sei es, bis 2020 20 Prozent CO2-Emission einzusparen und mittelfristig einen Gebäudezustand zu erreichen, der notwendig und machbar sei, sagte Wüst. Hilfsmittel auf diesem Weg ist eine Datenbank „Avanti“ mit Grunddaten der Gebäude. In jeder Gemeinde soll es einen Energiebeauftragten geben, der monatlich die Verbrauchsdaten eingibt, um ein klares Bild über die Entwicklung der Verbrauchsdaten zu bekommen. Ein Controlling für alle Gemeinden wird es im Verwaltungsamt geben. Den Gemeinden steht ein Fond mit 150.000 Euro aus landeskirchlichen Sondermitteln zur Verfügung. Anträge für eine Anschubfinanzierung von Maßnahmen zur Energieeinsparung können ab 1. Februar gestellt werden. Oberkirchenrat Michael Gärtner appellierte an die Gemeinden, von empfohlenen Maßnahmen zu mehr Nachhaltigkeit Gebrauch zu machen. Er wünschte Energie und Mut, die dazu notwendigen Entscheidungen zu treffen. Sibylle Wiesemann, Klimaschutzmanagerin der Evangelischen Kirche der Pfalz, betonte, jetzt liege es an jeder einzelnen Gemeinde, das Teilkonzept zum Klimaschutz mit Inhalt zu füllen. Zweckmäßig sei es, die Gebäude ihrer Nutzung anzupassen. Als Beispiel verwies Klimaschutzmanagerin Wiesemann auf die Pauluskirchengemeinde, deren Gemeindezentrum während der Woche von der ökumenischen Seniorenhilfe Westpfalz genutzt wird und die Räume abends und an Wochenenden der Gemeinde zur Verfügung stehen. |jsw