Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Weltweite Krisen treffen Pfaff: Seit Mai Kurzarbeit im IG Nord

Pfaff produziert in Kaiserslautern Industrienähmaschinen und Schweißmaschinen.
Pfaff produziert in Kaiserslautern Industrienähmaschinen und Schweißmaschinen.

Die gesamte Nähmaschinenbranche tut sich schwer, sagt Pfaff-Geschäftsführer Frank Meyer. Das betrifft auch das Lauterer Traditionsunternehmen. Im Mai wurde erneut Kurzarbeit angemeldet, doch es werden auch neue Mitarbeiter gesucht.

Erst Corona, dann der Ukrainekrieg – die Pfaff Industriesysteme und Maschinen GmbH war in den vergangenen Jahren immer wieder von weltweiten Krisen betroffen. „Natürlich hat das auf uns massive Auswirkungen“, sagt Frank Meyer. Er ist seit etwa 18 Monaten Teil der Geschäftsleitung der Pfaff-Gruppe mit Standorten in Kaiserslautern und Bensheim. Selten war es seitdem auf dem Weltmarkt ruhig. In der Corona-Zeit habe das Unternehmen teilweise noch profitieren können. Schweiß- und Nähmaschinen, mit denen die benötigte Schutzausrüstung hergestellt werden konnte, seien stark nachgefragt gewesen. Pfaff produzierte zwischenzeitlich selbst Schutzmasken. Dann kam der Ukrainekrieg.

„Wir haben im Russlandgeschäft unter anderem durch die gegen das Land verhängten Sanktionen einen Einbruch Richtung null“, macht er an einem Beispiel klar. Dieses Geschäft – zusammengenommen mit verbündeten Staaten wie Belarus – habe in guten Jahren etwa zwölf bis 15 Prozent am Gesamtgeschäft bei dem Traditionsunternehmen in Kaiserslautern ausgemacht, das seit 2013 zur chinesischen Shanggong-Gruppe gehört.

Weniger Bauteile, weniger Nachfrage

Zudem erschwere die Bauteilverknappung die Produktion. Alles, was mit Kabeln zu tun hat, sei schwer zu bekommen. „Die Hälfte aller Kabel, die in Europa hergestellt werden, werden in der Ukraine produziert“, erklärt Meyer. „Der Ukrainekrieg lässt die Preise in die Höhe schnellen, Energie ist teurer geworden. Das spüren wir schon sehr stark“, erläutert Meyer. Dazu komme das allgemeine „Eintrüben“ der Wirtschaft – „das auch unsere Mitbewerber spüren“. Nicht nur Pfaff kämpfe mit Absatzschwierigkeiten.

Vor allem die Automobilindustrie habe weniger Aufträge, berichtet Meyer – sie ist einer der großen Abnehmer der Industrienäh- und Schweißmaschinen. Zudem führe ein „Trendwechsel“ in der Bekleidungsindustrie dazu, dass sich Nähmaschinen nicht mehr so gut verkaufen. Nachhaltigkeit werde vielen Menschen wichtiger, das Produktionsvolumen nehme ab, Massenprodukte würden weniger nachgefragt – und damit auch entsprechende Fertigungsmaschinen. Die wirtschaftliche Lage bei Pfaff wirkt sich auch auf die Mitarbeiter in der Hans-Geiger-Straße aus: Seit Mai wird bei Pfaff kurzgearbeitet. „Wir gehen aber davon aus, dass sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr beleben wird. Sonst hätten wir das nicht gemacht“, sagt Meyer. Schon im September 2019 – noch vor Ausbruch der Pandemie – meldete das Unternehmen Kurzarbeit an, Anfang 2022 berichtete der Betriebsratsvorsitzende Richard Müller der RHEINPFALZ wieder von vollen Auftragsbüchern, die Kurzarbeit war da bereits einige Monate beendet.

„Personelle Maßnahmen“ weit weg

Pfaff habe in Kaiserslautern schon viele Krisen erlebt und überstanden, sagt Meyer. Davon gehe er auch jetzt aus. Kündigungen hätten nicht im Raum gestanden. „Wir haben uns im April in Gesprächen zusammen mit dem Betriebsrat dafür entschieden.“ Zusammen sei vereinbart worden, dass betriebsbedingte Kündigungen in diesem Zeitraum ausgeschlossen seien. „Wir sind schwer davon überzeugt, dass es vorübergehend ist und wir wieder zur normalen Arbeit zurückkehren können“, erläutert Meyer. Beantragt sei die Kurzarbeit – alle 154 Mitarbeiter am Kaiserslauterer Standort seien davon betroffen – für ein Jahr. Ob sie solange in Anspruch genommen werde, müsse man sehen. Das Kurzarbeitergeld werde nicht aufgestockt: „Das ist im Moment nicht drin“, sagt Meyer. Er hofft, dass der Umsatz 2025 wieder auf den Wert von 2023 – etwa 25 Millionen Euro – steigt. Dann sei Kurzarbeit kein Thema mehr. Für dieses Jahr könne er noch keine verlässlichen Zahlen nennen: „Aber wir werden runtergehen.“

In Kaiserslautern werden Industrienähmaschinen und Schweißmaschinen produziert, zudem gibt es eine Serviceabteilung. 26 Mitarbeiter sind am Standort laut Meyer in der Forschung beschäftigt – eine Sparte, in die investiert werde. Ein Schwerpunkt sei es, Maschinen mit einer Art Baukastenprinzip herzustellen, sodass einzelne Komponenten schnell dazu- oder abgebaut werden können. Außerdem werde an Bildverarbeitungssystemen gearbeitet, die zur Verbesserung der Qualitätskontrolle eingesetzt werden könnten und an KI. So könnten Maschinen lernen, wie sich das Nähgut in bestimmten Fällen verhalte und sich daran anpassen. „Da sehe ich unsere Zukunft. In diesem Bereich sind wir den Asiaten noch voraus“, sagt Meyer.

„Die Lage ist momentan noch im Griff. Aber es sollte beim Geschäft in den nächsten Monaten schon eine Besserung eintreten, damit das so bleibt“, erklärt Betriebsratsvorsitzender Müller. Er ist optimistisch, dass „es im Herbst wieder anzieht“. Auf dem asiatischen Markt sei bereits eine leichte Erholung zu sehen, „das kommt meist zwei, drei Monate später zu uns“, ergänzt er. Allzu schwarz will er nicht sehen: „Personelle Maßnahmen sind im Moment ganz weit weg“, sagt er. So habe die Geschäftsleitung auch signalisiert, dass beim Weggang älterer Mitarbeiter Stellen nachbesetzt werden. Meyer unterstreicht dies: Für ältere Kollegen gebe es ein „Freiwilligenprogramm“ bezüglich der Ruhestandsregelung. Der Kaiserslauterer Standort habe etwa 40 Kollegen, die älter als 62 Jahre alt sind. „Teils, teils“ würden die Stellen der ausscheidenden Kollegen wieder nachbesetzt, das Unternehmen wolle „jüngere Kollegen mit ins Boot holen“. Denn das Know-how gehe in den nächsten Jahren „schlagartig“ verloren, sobald die älteren Kollegen in Rente gingen, sagt Meyer. Der Fachkräftemangel mache sich am Standort Kaiserslautern nicht so stark bemerkbar. Noch gebe es genügend Bewerber – sowohl bei den Ingenieuren für die Entwicklungsabteilung als auch bei Mechatronikern und anderen Fachkräften.

x