Kaiserslautern
Weltklassegeiger Pinchas Zukerman spielte im Lauterer SWR-Studio
Zukerman prägt seit mehr als 50 Jahren die internationale klassische Musikszene, seine pädagogischen Projekte und seine offene Art machen ihn zu einem humanistischen Botschafter, der sogar das Orchester der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) und seinen Chefdirigenten am Ende des Violinkonzertes von Bruch zu nicht enden wollenden, ungewöhnlichen Beifallskundgebungen hinriss.
Natürlich gibt es in der Klassikszene auffällige Persönlichkeiten, die neue Akzente setzen oder sich von erstarrter Routine in Repertoire und Aufführungspraxis absetzen. Man denke an Nigel Kennedy, der zwar mit dem Jazzgeiger Stephane Grappelli und Rockikone Jimi Hendrix zusammenarbeitete, aber dennoch auch von einem klassischen Mentor wie Yehudi Menuhin unterrichtet wurde. Zukerman dagegen fasziniert allein durch sein vollendetes klassisch-romantisches Geigenspiel, sodass er das Violinkonzert g-moll von Max Bruch ohne jedwede Effekthascherei, virtuose Übertreibung und Selbstdarstellung spielt, vielmehr in pastosen, melodischen Linien des bezaubernden lyrischen Adagios in zartesten Kantilenen zelebriert. Hier blüht das Melos auf, ohne in übersteigertes Pathos zu verfallen: einfach nur betörend schön, ruhig und ausgeglichen in der Tongebung genommen, verinnerlicht und beseelt.
Weicher und strahlender Geigenton
Das Finale hat den packenden Zugriff im damals (19. Jahrhundert) beliebten ungarischen Kolorit mit leuchtendem urmusikantischen Feuer: aber bei Zukerman, im Gegensatz zu vielen Einspielungen, nicht dick aufgetragen, sondern mit feinem Bogenstrich, elegant, souverän und abgeklärt und niemals forciert oder exaltiert. Der rhapsodisch frei gehaltene Kopfsatz wirkt meditativ und nicht eruptiv und hatte einen großen Spannungsbogen. Zukermans Geigenton ist nicht robust und packend, er klingt weich und doch strahlend, sein Part ist in den solistischen Passagen deutlich führend und doch niemals aufdringlich oder zu dominant.
Die DRP begleitete die solistischen Episoden wohltuend zurückhaltend, einfühlsam und in guter Ausbalancierung. Die Orchester-Zwischenspiele wollte man denn doch zur „Werbung“ für sinfonischen Klangrausch und in eigener Sache nutzen.
Mit Anmut und Demut
Dennoch lenkte der Solist mit seiner schlanken, reinen und klaren Tongebung auf seiner sehr ausgeglichen klingenden Guarneri del Gesu mit dem Grad der Verinnerlichung und Entrückung mehr Aufmerksamkeit auf sich. Bei Zukerman wirkt die romantische Musik durch sich selbst, durch die Klarheit und bisweilen Schlichtheit mehr als durch den sonst oft bei Bruch zu konstatierenden Kraftakt. Sie wirkte wie eine Synthese aus Anmut und Demut vor der kompositorischen Konzeption, die bewusst nicht die ganz große Virtuosität eines Tschaikowski- oder Brahms-Konzertes anstrebt.
Ein solcher Kraftakt war zum Auftakt die Tondichtung „Finlandia“ von Sibelius, die als heimliche Nationalhymne gilt. Bei einem solch monumentalen Klanggemälde sind die kontrastreichen, hymnischen bis bombastischen Klangwirkungen angebracht. Chefdirigent Pietari Inkinen reizte sie angemessen aus, die DRP spielte im ganz großen Stil ein Werk, das hervorragend zum Orchester und seiner Musikauffassung passt.