Kaiserslautern Wein am Samstag, Rede am Sonntag
War früher die Straußjugend Männersache – und ist es in manchen Orten auch heute noch –, mussten sich die Albersbacher Straußbuben in diesem Jahr nach Ihresgleichen umgucken. Nur zwei Jungen, dafür aber fünf Mädchen bildeten die Gruppe, die für Strauß und Rede bei der Albersbacher Weinkerwe sorgte.
Weinreben, Getreide sowie Weidekörbe mit Äpfeln und „Keschde“ zieren den Saal des Albersbacher Bürgerhauses, in der Mitte steht ein Weinpavillon, der von einer bunten Lichterkette beleuchtet wird. Vom Ambiente her könnte man sich eher auf einem Weingut in der Vorderpfalz als auf einer Kerwe im Westen des Landstrichs wähnen. Und doch hat es bereits Tradition, dass in dem Ortsteil von Reichenbach-Steegen Ende Oktober Weine aus der Region ausgeschenkt werden. Das sei dann auch am Samstagabend geschehen, erzählt Melanie Traumer, die Vorsitzende des Heimatvereins, der das Fest organisiert. „Dazu spielte die Band ,Fullhouse‘ und die Veranstaltung war gut besucht.“ Die gute Resonanz scheint sich auch am Kerwesonntag zu bestätigen, die Plätze an den herbstlich geschmückten Tischen im Bürgerhaus sind besetzt. Es gehen Rindfleisch mit Meerrettich sowie Leberknödel mit Kraut über die Theke. Dann macht sich die Straußjugend für ihren Auftritt bereit. Die zwei Straußbuwe sind heuer der „Hahn im Korb“, denn ihnen stehen fünf Straußmäd’ gegenüber. Das Aufhängen des Kerwestraußes geht zwar etwas schleppend voran, doch am Ende prangt er schließlich an der Stirnseite der Halle. Dann plaudert Charmaine Meuler aus dem Nähkästchen und gibt in der Kerwerede einige skurrile Geschichten aus dem Albersbacher Dorfleben preis. So wird von einem Protagonisten berichtet, dessen Gang zum Tätowierer wohl nicht so einfach vonstattenging, wie er sich das vorgestellt hatte. Ein anderer Zeitgenosse landete, nachdem er etliche Kanister Benzin zum „Schnäppchenpreis“ getankt hatte, direkt in den Armen der Ordnungshüter. Erzählt wird auch von einem Senior, der auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen in Lauterecken fündig wurde. Der Haken an der Sache: Der Vorbesitzer konnte den KFZ-Brief nicht vorweisen, was bei der Zulassung für einige Verwirrung sorgte. Seinen Platz in der Kerwerede findet auch der Albersbacher, der besorgt zwei Personen in seiner Nachbarschaft beobachtet hatte, die sich eines Nachts auf dem Dach zu schaffen machten. Schließlich stellte sich heraus, dass sie dort lediglich ein Schäferstündchen abhielten. Abschließend tanzen die Straußmäd’ und ihre Buwe die „drei Erschde“ und das Publikum klatscht begeistert im Takt mit. |gem