Kaiserslautern
Weil der Badespaß ins Wasser fallen soll, ist der Aufschrei groß
Andreas Rahm, Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat, ist stinksauer. So sauer, dass er gegen seinen Parteifreund, Oberbürgermeister Klaus Weichel, schießt. Dass der die Schwimmbäder wegen der Coronakrise nicht öffnen will, geht aus Sicht von Rahm gar nicht. „Allen ist klar, dass es keinen normalen Badesommer geben wird, aber die Bäder nicht zu öffnen, ist für uns keine Option.“ Er fordert die Stadtverwaltung deshalb auf, alles zu tun, damit Waschmühle und Warmfreibad spätestens zum 30. Mai aufmachen können.
Höhere Eintrittspreise Thema
Gerade weil für viele Familien in diesem Jahr der Sommerurlaub ausfällt, sei eine Bäderöffnung unumgänglich, so der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Harz. Um die Kosten für den Betrieb etwas aufzufangen, schlägt er vor, dass es einen sozialverträglichen Aufschlag auf den Eintrittspreis bei Erwachsenen gibt. „Kinder, Jugendliche, Schwerbehinderte und Sozialpass-Inhaber wären ausgenommen“, so Rahm. Für den Fall, dass es Besucher-Beschränkungen geben muss, schlagen die Sozialdemokraten vor, dass auf der Homepage der Stadt angezeigt wird, wie die aktuelle Situation in den Schwimmbädern ist. „Analog zu dem System, das beispielsweise die Wartezeiten im Bürgercenter anzeigt.“ Das zu realisieren, sollte für eine „digitale Stadt“ kein Problem sein. Die SPD regt eine digitale Reservierung von Eintrittskarten und einen digitalen Einlass an. Eine weitere Möglichkeit wäre eine zeitlich begrenzte Badezeit, so Rahm.
Wartezeiten online anzeigen
Wie Badespaß in Zeiten der Pandemie funktionieren könnte, hat der Vorsitzende des Fördervereins Warmfreibad, Tobias Wiesemann, schon im Kopf: Er plädiert beispielsweise für persönliche Karten mit einem Barcode für den Freibad-Einlass. „Über ein Scansystem checkt der Badegast ein. Nach zum Beispiel 300 Besuchern ist ein Einchecken nicht möglich und es muss gewartet werden, bis ein Badegast mit seiner Karte auscheckt. Die Anzahl der aktuellen Badegäste wird automatisch auf der Webseite der Stadt angezeigt. So kann jeder sehen, ob es Sinn ergibt, in ein Bad zu fahren oder ob es belegt ist, auch ohne sich in eine Schlange zu stellen.“
„Probleme vorgeschoben“
OB Weichel wirft Wiesemann ein „falsches Verständnis von Verwaltung“ vor. „Verwaltung sollte Probleme lösen, die die Bevölkerung an sie heranträgt. Hier läuft es anders herum: Die Verwaltung schiebt Probleme vor, malt tumbe Negativszenarien und wir Bürger sind gefragt, diese zu lösen.“ Dem kreativen Denken seien auf Verwaltungsseite offenbar enge Grenzen gesetzt, so Wiesemann.
Für den Fall, dass die Bäder nicht öffnen, befürchtet er, dass sich alle Freunde eines gesunden Schwimmsports am Gelterswoog treffen. „Der See hat auch Ufer, die nicht zum Strandbad gehören. Hier werden sich dann die Menschen notgedrungen tummeln. Die Verwaltung wird das Personal, mit dem sie in den Bädern Gutes hätte für die Bürger bewirken können, einsetzen müssen, um den Bürgern Schlechtes zu tun, sie nämlich von einem übermäßigen Besuch am Gelterswoog mit Gewalt abzuhalten.“ Er erinnert daran, dass die Öffnung der Bäder von allen Parteien schon vor Wochen gefordert wurde.
Publikumsverkehr steuern
Horst Meisenheimer, Vorsitzender der Freunde der Waschmühle, will sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Auch sein Verein wolle die Öffnung beider Bäder, „aber die Gesundheit steht über allem“. Das Problem sei derzeit, dass die Auflagen, die auf die Bäder bei einer Öffnung zukommen, vom Land noch nicht fixiert seien. Die Herausforderung wird es sein, an den neuralgischen Punkten wie Wechselkabinen, Duschen und am Einlass den Publikumsverkehr zu steuern, so Meisenheimer.
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